Magdeburg l Erst sind es nur zwei oder drei, dann werden es immer mehr. Die Aktion „Magdeburg putzt sich!“ am 14. April 2018 in der Neuen Neustadt findet vor allem bei den Kindern der osteuropäischen Zuwanderer großen Anklang. Mit Begeisterung fragen sie nach Handschuhen, Müllsäcken und Besen, wirbeln aufgeregt auf dem Moritzplatz umher und bestimmen hier sichtlich das Bild.

Später kommen einige Frauen und Männer der hauptsächlich rumänischen Familien dazu. Deutsche Anwohner sind weniger darunter. Warum das so ist? Achselzucken bei den erwachsenen Helfern. An der Werbung kann es nicht liegen.

Bürgerverein ruft zu Putzaktion auf

Der Bürgerverein hat überall in dem Magdeburger Stadtteil Flyer verteilt und auf Facebook getrommelt. Nun ja. Quartiersmanagerin Lisa Schulz freut sich aber, dass so viele der ausländischen Kinder mitmachen. Und Sebastian Essig vom Interkulturellen Garten in Neue Neustadt stellt zufrieden fest, dass insgesamt doch mehr Helfer mit dabei sind als noch im vorigen Jahr. Einige Anwohner verteilen sich auch in den umliegenden Straßen, wo sie beim Aufräumen helfen. Sie sind auf dem Polarspielplatz oder an der Lübecker Straße im Einsatz.

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Das gemeinsame Tun müsse wohl erst wachsen, stellt Quartiersmanagerin Lisa Schulz fest. Doch es sei ein Anfang. „Da steht so oft der Vorwurf im Raum, die ausländischen Mitbürger machen nur Müll und kümmern sich nicht. Heute sieht man hier, dass das anders ist“, fügt sie an.

Lage in Neue Neustadt verbessert sich

Auch Magdeburgs Ordnungsbeigeordneter Holger Platz sieht Anzeichen für eine Verbesserung der Lage in Neue Neustadt, die zum Problemviertel avancierte, seit hier Hunderte rumänische Zuwanderer in die unsanierten Häuser des Stadtteils zogen. „Wenn man den Moritzplatz betrachtet, sieht es auf dem Schellheimerplatz nicht viel besser aus“, so meint er.

Glasscherben, Hundekot – das Problem existiere auch in anderen Stadtteilen wie Stadtfeld. Freilich gebe es noch andere Ecken im Umfeld des Moritzplatzes, wo es schlimmer aussehe. Man versuche gegenzusteuern, u. a. mit Seminaren für die Zuzügler zum Thema Ordnung und Regeln des Zusammenlebens. Und: Der Städtische Abfallwirtschaftsbetrieb (SAB) fährt nach wie vor vermehrt Sperrmüll ab. „Da hat sich die Situation aber schon etwas gebessert“, behauptet Platz.

Mehr als 450 Tonnen Abfall

Zu den einheimischen Helfern zählt Hardy Müller, der am Nicolaiplatz wohnt und sich spontan zum Mitmachen entschieden hat. Er sammelt viel Glas ein und auch einige Centmünzen, die er spenden will.

Die Putzaktion in Neue Neustadt rundete die diesjährige stadtweite Kampagne „Magdeburg putzt sich!“ ab. Am frühen Nachmittag folgte die traditionelle Abschlussveranstaltung für die Helfer der Aktion 2018 am Mückenwirt in Buckau. Oberbürgermeister Lutz Trümper hatte Urkunden, Stoffrucksäcke, Mützen und Gewinnlose im Gepäck. „Wir wollen als Stadt Danke sagen.“

358 Müll-Container gefüllt

Die Magdeburger hätten auch in diesem Jahr „Gigantisches geleistet, um in ihrem Umfeld für Sauberkeit zu sorgen“, erklärte Lutz Trümper. Insgesamt fast 451 Tonnen an Abfall hatte der Städtische Abfallwirtschaftsbetrieb in diesem Jahr abtransportiert. Genau 358 Container wurden den mehr als 300 Gruppen und Vereinen, die sich seit dem 9. März 2018 an der Aktion beteiligt hatten, zur Verfügung gestellt.

Jeweils einen Vertreter hatte die Stadt Magdeburg zur Dankeschönveranstaltung am Elbufer eingeladen. Rund 100 Magdeburger waren gekommen. Eine von ihnen war Kathrin Selmaier. Mit ihrer Kita Knirpsenland hatte auch sie am Stadtputz teilgenommen. Deswegen können sich ihre Schützlinge jetzt über ein ganz besonderes Dankeschön freuen. Für alle Kita-Gruppen gab es einen Beutel mit Spielzeug dazu.