Magdeburg l Klar ist schon lange, dass die Sanierung der Brücke am Wasserfall in Magdeburg nicht ohne eine Vollsperrung vonstatten gehen wird. Voraussichtlich 2021 soll das Bauwerk saniert werden. Einen genauen Termin gibt es aber noch nicht, wie aus dem Rathaus zu erfahren war. „Auch Pläne für eine exakte Umleitungsstrecke für Fußgänger und Radfahrer sind aktuell noch verfrüht“, so Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra auf Volksstimme-Nachfrage.

Die Wasserfallbrücke ist eine beliebte Verbindung für Fußgänger und Radfahrer – entweder auf dem Weg aus Cracau in den Rotehornpark, oder – bei Nutzung der Stern- oder Hubbrücke über die Stromelbe westlich des Rotehornparks – als Strecke in die südliche Altstadt. „Wenn keine Alternative geschaffen wird, führt die Umleitung über die Anna-Ebert-Brücke oder den Nordbrückenzug.

Für Lastenräder nur schwer zu nutzen

"Die Brücke ist für Lastenräder oder mit Kind nur schwer nutzbar und als Verbindung für Touristen, Anwohner und Besucher der Stadien wohl kaum ausreichend. Ich halte das für gefährlich und unsicher für zahlreiche Verkehrsteilnehmer. Würden alle Radfahrer auf die Fahrbahn zwischen die Schienen ausweichen, würde es wohl zu Verspätungen für die Straßenbahn und einem langen Stau kommen“, erklärt Benjamin Gehne. Der 31-jährige Magdeburger ist Mitinitiator der Magdeburger Radkultur, eine unabhängige Bürgerinitiative, die sich seit zwei Jahren ehrenamtlich für ein besseres Radverkehrsnetz in der Landeshauptstadt einsetzt und mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Sachsen-Anhalt kooperiert.

Die Baustelle der neuen Strombrücke erschwere die Anbindung ebenfalls. „Die Strecke über den Nordbrückenzug stellt mit ihren vielen Querungen und der weiten Entfernung und einem Umweg von mehreren Kilometern zum Stadtpark auch keine Alternative dar“, findet Benjamin Gehne.

Lösungsvorschlag der Magdeburger Radkultur: die Kanonenbahnbrücke. „Diese kann nicht nur als Umleitung, sondern auch langfristig eine Bereicherung für den Radverkehr sein“, findet Benjamin Gehne. Aktuell befindet sich die Brücke im Privatbesitz und werde nicht genutzt. „Aber mit wenigen Mitteln könnte die Brücke wieder für den Rad- und Fußverkehr nutzbar gemacht werden“, erklärt Benjamin Gehne und verweist auf die Hubbrücke, die unter anderem mit einer Spendenaktion saniert wurde. Die Bürgerinitiative plane zeitnah mit Rolf Onnen, Eigentümer der Hub- und Kanonenbahnbrücke, ein Gespräch.

Kanonenbahn - Umleitung für Radfahrer in Magdeburg

Mittlerweile ruft die Magdeburger Radkultur die Bürger über die sozialen Netzwerke, auf den politischen Vertretern im Stadtrat zu schreiben, um auf das Problem und den Vorschlag aufmerksam zu machen. „Noch ist Zeit zu handeln“, sagte Benjamin Gehne zu der Aktion.

Der ADFC Magdeburg will schon seit mehreren Jahren die alte Eisenbahnbrücke über der Alten Elbe für den Radverkehr retten. Der ADFC sieht eine Herrichtung der Brücke als Möglichkeit, einen innerstädtischen Radschnellweg zu etablieren. „Es wäre natürlich schön für die Radfahrer, wenn die Kanonenbahn als Umleitungsstrecke möglich wäre. Hier steht aber die Frage im Raum, wer die Instandsetzung finanzieren soll“, so Jürgen Canehl auf Nachfrage. Der stellvertretende Vorsitzende des ADFC Magdeburg begrüßt unterdessen das Bauprojekt des Eigentümers Rolf Onnen. Auf der Kanonenbahnbrücke sollen in einer futuristisch anmutenden Ständerkonstruktion Wohnungen gebaut werden. Die Brücke selbst bleibe frei und könne von Fußgängern und Radfahrern benutzt werden. Doch noch ist alles Zukunftsmusik.

Finanziell nicht realisierbar

Bauunternehmer Rolf Onnen kann nur mit dem Kopf schütteln über den Vorschlag der Magdeburger Radkultur und hat kein Verständnis dafür, dass hier mit fremdem Eigentum geplant wird. „Es wäre schön gewesen, wenn die Initiatoren im Vorfeld mit mir das Gespräch gesucht hätten, bevor sie ihren Vorschlag öffentlich teilen. Die Idee ist nicht durchdacht“, ist der Brückenbesitzer über den öffentlichen Vorstoß verärgert.

Rolf Onnen hat in den vergangenen Jahren die Neugestaltung des Elbbahnhofs und den Erhalt der Hubbrücke vorangetrieben. „Allein schon aus finanziellen Gründen ist der Vorschlag nicht realistisch. In die Instandsetzung der Hubbrücke wurde etwa eine halbe Million Euro investiert und die Brücke war in einem besseren Zustand als die Kanonenbahn. Wer soll das bezahlen? Ich glaube nicht, dass die Stadt die Kosten übernimmt“, so Rolf Onnen, der laut eigenen Aussagen selbst auch viel mit dem Rad unterwegs ist. Er sehe keine Probleme darin, auch mal einen Umweg zu fahren.