Was kostet die Schülerfreifahrt?

Schülerticket in Magdeburg:

So hat die Verwaltung die Kosten berechnet:

Anspruchsberechtigte Kinder und Jugendliche im Schulalter (6 bis 18 Jahre): 22 200

Ermäßigte Monatskarte aktuell

38,68 Euro

Ermäßigte Monatskarte 2021 41,84 Euro (Tarifanpassung)

Kosten 2021 bei Einführung zum Schuljahresbeginn 2021/22

(September bis Dezember):

22 200 mal 41,84 Euro mal vier (Monate)

▶ rund 3,7 Millionen Euro

Abzüglich bereits jetzt finanzierter Jahreskarten für rund 6800 Schüler mit langen Schulwegen (laut Schülerbeförderungsgesetz Land Sachsen-Anhalt je nach Jahrgang mehr als zwei oder drei Kilometer pro Strecke):

▶ 2,6 Millionen Euro

Mehrausgaben 2021

Kosten ab 2022:

41,84 Euro mal 22 200 Schüler mal 12 Monate

▶ rund 11,15 Millionen Euro

Abzüglich des aktuellen Jahresbudgets zur Schülerbeförderung (weite Wege)

▶ minus 2,72 Millionen Euro

Bleiben:

▶ rund 8,43 Millionen Euro

Mehrausgaben pro Jahr

Gegenargumente zur Kalkulation der Verwaltung:

Die SPD führt Studien zur Nutzung des Semestertickets für Studenten an. Es sei nicht davon auszugehen, dass alle 22 200 Schüler das Ticket täglich nutzen. Hochgerechnet aufs Nutzungsverhalten der Studenten fielen 7,3 Millionen Euro Schülerfahrtkosten an. Abzüglich der geleisteten 2,7 Millionen Euro für Schüler mit weiten Wegen blieben 4,6 Millionen Euro Mehrkosten pro Jahr.

Rostock führte das Schülerticket 2019 ein und kalkuliert für 18 000 Schüler mit Mehrkosten von 4,3 Millionen Euro jährlich.

Magdeburg l Erstaunt sei zu gering ausgedrückt, schreibt SPD-Ratsfraktionschef Jens Rösler: „Wir sind enttäuscht von der Verwaltung, die solch überzogene Zahlen vorlegt, um einen vernünftigen und hart umkämpften Antrag zunichtezumachen.“

„Es ist der unsägliche Versuch, sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler weiterhin in dieser Benachteiligung stehen zu lassen. Wir werden dem nicht nachgeben und bestehen auf die Einführung des kostenlosen Nahverkehrs für Schülerinnen und Schüler der Landeshauptstadt Magdeburg“, legt Christian Hausmann nach. Der SPD-Fraktionsvize, zugleich Vorsitzender des Bildungsausschusses, hält an einer Einführung des Schülertickets zum Jahresbeginn 2021 fest, „aber dafür müsste das entsprechende Dezernat auch allegretto (etwas schnell) mit der Marego in Verhandlungen treten“.

Tiefes Loch im Haushaltsentwurf

Unter anderem mit der Tarifanbindung der Magdeburger Verkehrsbetriebe an den Marego-Nahverkehrsverbund hatte die Verwaltung ihre rabattfreie Rechnung fürs Schülerticket begründet und Monatskartenkosten eins zu eins auf die Zahl der 22.200 Schüler in der Stadt hochgerechnet. In der Folge würden jährlich 8,4 Millionen Euro Mehrkosten für das Schülerticket anfallen. Oberbürgermeister Lutz Trümper lässt keinen Zweifel daran, dass er die Initiative der eigenen Reihen für aktuell nicht umsetzbar hält. Im Haushaltsentwurf 2021 klafft ein rund 30 Millionen Euro tiefes Loch.

Mirko Stage (future!) zitiert den bereits im Oktober 2019 auf Antrag der SPD mit großer Ratsmehrheit (Gegenstimmen nur von CDU/FDP und OB Trümper) ergangenen Grundsatzbeschluss. Er lautet: „Alle Kinder, Schülerinnen und Schüler (...) sowie Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ohne eigenes Einkommen und mit Wohnsitz in Magdeburg sollen ab dem Jahr 2021 den öffentlichen Nahverkehr der Landeshauptstadt Magdeburg (...) unentgeltlich nutzen dürfen. Der Oberbürgermeister wird beauftragt (...), ab dem Jahr 2021 die notwendigen Finanzmittel im Haushalt zu berücksichtigen.“ Stage bemerkt spitz: „Da steht kein eventuell oder nur wenn Herr Oberbürgermeister Lust darauf hat.“

Zustimmung verweigern

Keinesfalls wollen Stage und sein future!-Ratskollege Stephan Bublitz einem Haushaltsplan 2021 ohne Schülerticket zustimmen. Stadträte der Grünen und der Tierschutzpartei signalisieren eine ähnliche Haltung. Auch für die Linke hat das Schülerticket Priorität. AfD-Mann Ronny Kumpf schreibt: „Sparen, wo es Sinn macht - nicht an unseren Kindern und dem Schülerticket!“ Zugleich schränkt er ein, dass die Stadt Schulden in Grenzen halten müsse.

Beide Entscheidungen stehen im Dezember an: die zum Ticket und die zum Haushalt. Das wird spannend.