Freiwillige starten eine Petition

Hoffnung der Helfer: Eine Vielzahl an ehrenamtlichen Helfern hat in den vergangenen Monaten beim Aufbau und bei der Gestaltung des Programms mitgeholfen. Aus ihren Kreisen hat Robert Liebscher jetzt eine Onlinepetition gestartet. Adressat ist Ministerpräsident Rainer Haseloff. Unterzeichnet haben in drei Tagen mehr als 1100 Menschen unter www.tinyurl.com/abaton.

Der Inhalt: In der Erklärung wird gefordert, den „unsinnigen Umgang mit Kunst- und Kulturräumen“ zu stoppen. Die Initiatoren der Petition sehen im Abaton eine Möglichkeit, Raum für freie Kultur zu schaffen und damit auch für die Kulturhauptstadtbewerbung Magdeburgs zu punkten. Ein Erfolg bei dieser Bewerbung müsse auch im Interesse des Landes liegen. „Es ist nicht erklärbar, dass aufgrund der Lagerung von Bauschutt einmalige Kunst von Wänden weichen muss, nur weil dies nicht vertraglich abgesichert ist. Mit dieser Petition wollen wir der Stadt und dem Land zeigen, welchen Wert Kunst hat“, heißt es in der Petition.

Über die Grenzen: Robert Liebscher berichtet im Gespräch mit der Volksstimme davon, dass es den freiwilligen Helfern, die jetzt noch eine Chance für das Abaton fordern, nicht allein um die Arbeit geht, die sie in den vergangenen Monaten in das Projekt gesteckt haben. Er sagt: „Hier haben abseits der öffentlichen Veranstaltungen eine Reihe von Vorhaben funktioniert, die sowohl in puncto Resozialisierung, Integration und generationsübergreifende Arbeit Grenzen überwunden haben. Das Aus für das Abaton bedeutet auch das Aus für diese Ansätze.“ Neben der Onlinepetition sei derzeit auch eine Demonstration für den Erhalt der Einrichtung im Gespräch. (ri)

Magdeburg l Bis zuletzt hatten die Akteure im Abaton in den alten Gefängniswerkstätten hinter dem Landgericht in der Halberstädter Straße 8 gehofft, dass ihre erst im Frühjahr eröffnete Einrichtung noch eine Chance bekommt. Kurz vor dem Wochenende stand aber fest: Bis Monatsende müssen der Verein Kulturanker und seine Mitstreiter das Gelände des Landes räumen, das sich zu dem Thema nicht äußerte.

Während die Vereinsvorstände Alexander Bieß und Karsten Steinmetz einen eigenen Fehler einräumen und nach vorn blicken, haben freiwillige Helfer aus dem Verein und dessen Umkreis eine Onlinepetition gestartet. Innerhalb von drei Tagen konnte sie mehr als 1100 Unterstützer gewinnen (siehe Infokasten).

Kunst muss entfernt werden

Zu den Gründen für das Aus heißt es in einer gestern Abend veröffentlichten Erklärung: „Uns ist bei der Vertrags-unter-zeichnung der schlimme Fehler unterlaufen, dass wir das Außengelände eigentlich gar nicht hätten nutzen dürfen. Wir haben jedoch so sehr an die Idee des Kreativquartiers geglaubt, dass wir für uns nachteilige Bedingungen einfach akzeptiert haben, um das Projekt nicht zu gefährden. Das hätte nicht passieren dürfen und tut uns ehrlich leid.“ Vereinsvorsitzender Karsten Steinmetz sagt: „Wir wollten ja eigentlich etwas Längerfristiges auf die Beine stellen und da kann man schon sagen, dass wir jetzt natürlich sehr enttäuscht sind.“ Auch wenn das Abaton doch nur von kurzer Dauer gewesen sei, sieht er die vergangenen Monate nicht als verlorene Zeit: „Es ist so viel Positives entstanden, und so viel Kreativität hat sich entfaltet von so vielen jungen, engagierten Menschen – das ist ein schönes Zeichen für die Zukunft.“ Co-Vorsitzender ist Alexander Bieß. Er sagt: „Dass wir keine Lösung mehr gefunden haben, stimmt uns auch traurig, da unzählige freiwillige Helfer und Unterstützer in den vergangenen Monaten mit angepackt haben.“ Jetzt müssen die Graffiti entfernt und das Objekt wieder ausgeräumt werden. Alexander Bieß berichtet davon, dass es auf dem Areal nicht allein um die Kultur ging. Hier hatte sich eine weitere Keimzelle der Kultur- und Kreativwirtschaft entwickelt. Unter anderem waren die Akteure gerade dabei, einen Roboter zur Fassadengestaltung zu entwickeln. Recht weit war auch die Arbeit an einer Methode, die die Reinigung kontaminierter Flächen durch Pflanzen steuert.

Bilder

Das Besondere an dem Ort sei daneben das Zusammentreffen von Kultur auf die Themenfelder Nachhaltigkeit und Bürgerbeteiligung gewesen.

Eine Form der Beteiligung ist nicht zuletzt die laufende Online-Petition. Zu deren Initiatoren heißt es in der Erklärung des Vereins: „Sie wollen Kunst und Kultur fördern und nicht zerstören. Die Politik wünscht sich oft junge, engagierte Menschen. Hier sind sie!“

2017 wieder ein Projekt

Selbst wenn wie angekündigt anstelle Kultur hier in den kommenden Jahren der Platz für das Baumaterial zur Sanierung benachbarter Liegenschaften genutzt wird – den Kopf in den Sand stecken möchte der Verein nicht. Karsten Steinmetz, ebenfalls Vorsitzender des Vereins, sagt: „Wir haben es uns fest vorgenommen, nächstes Jahr was zu machen.“ In den vergangenen Jahren hat der Kulturanker immer wieder mit Festivals wie der Romantik 2.0 im ehemaligen Altstädtischen Krankenhaus, der Mystique in einem leerstehenden Bürogebäude und der Sinnlichkeit im benachbarten früheren Gefängnis auf sich aufmerksam gemacht und auch über die Grenzen Magdeburgs hinaus ausgestrahlt.

Und es geht auch um neue Räume: Wenn der Erhalt des Abaton nicht möglich sein soll, dann könnte eine frühere Idee weiterentwickelt werden: „Die Kombination von Kultur und Nachhaltigkeit, wie sie uns vorschwebte, sollte über kurz oder lang auch in die Stadtteile getragen werden, wenn sich da die geeigneten Räume finden“, sagt Alexander Bieß mit Blick auf die Zukunft.