Magdeburg l Ein außergewöhnliches Projekt hat am 20. Februar 2019 seinen Auftakt im Magdeburger Dom gefunden. Eine der letzten Wunden, die im Dom noch aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges klafft, soll geschlossen werden. Gemeint ist die Rekonstruktion des Arnstedtschen Epitaphs.

Das Grabmonument der Familie Arnstedt soll mit der Hilfe von Wissenschaftlern aus dem Bereich Informatik und Maschinenbau an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg rekonstruiert werden. Genutzt werden moderne Messtechnologien und 3-D-Bildgebungsverfahren. Uni-Rektor Jens Strackeljan sieht darin eine Möglichkeit, Techniken weiterzuentwickeln, die dann auch bei größeren Vorhaben weltweit zum Einsatz kommen könnten, etwa in Syrien, wo auch zahlreiche Kulturdenkmäler im Krieg zerstört wurden.

Uni gibt Gesellschaft etwas zurück

Die Technik wird im Rahmen des Projektes noch weiterentwickelt – und das eher nebenbei. Denn das Vorhaben ist kein gefördertes Projekt. Dennoch findet Strackeljan, dass die Uni Magdeburg solche Projekte anstreben muss und sollte. Schließlich werde sie jährlich mit 90 Millionen Euro Steuergeld finanziert und werbe weitere 40  Millionen an Fördergeld ein. Mit dem Projekt würde etwas davon an die Gesellschaft zurückgegeben. Strackeljan hofft, dass das rekonstruierte Modell innerhalb eines Jahres fertiggestellt wird.

Bilder

Aktuell sind die beiden Projektmitarbeiter damit beschäftigt, nach und nach alle vorhandenen Einzelteile zu scannen. Genutzt wird dafür ein Scanner, der die Objekte aus allen Richtungen einliest und in digitale Daten umwandelt. Ein vollautomatisches Verfahren ist nicht möglich. Wenn alle Teile erfasst sind, können sie in digitaler Form am Bildschirm wie ein Puzzle zusammengesetzt werden.

Überrest des Epitaphs wird gescannt

Dass die Forschung dabei immer wieder auch an Punkte gelangen könnte, an denen es Schwierigkeiten gebe, sei nicht ausgeschlossen. „Schon jetzt haben wir uns manches leichter vorgestellt“, so Strackeljan. Nicht nur die Einzelteile, die in der Steinekammer und auf dem Zimmermannsboden des Domes eingelagert worden waren, müssen erfasst werden. Auch der an der Südseite des Domes befindliche Überrest des Epitaphs sollte gescannt werden.

Zunächst versuchten es die Wissenschaftler mit einer Hebebühne. Aber jedes Mal, wenn die Bühne sich bewegte, geriet sie in Schwingung, und so entstanden nur unscharfe Bilder, so dass das Epitaph am Ende eingerüstet wurde. Strackeljans Wunsch wäre, dass im Rahmen solcher Projekte zum Beispiel auch überlegt wird, wie die Scanner solche Schwingungen ausgleichen könnten.

Projekt kostet mehrere 100.000 Euro

Auch der Domförderverein geht mit dem Vorhaben neue Wege. Schließlich wird das Projekt begonnen, ohne dass Kostenumfang und Zeitrahmen absehbar seien, wie Vereinsvorsitzender Stephen Gerhard Stehli erklärte. Nur so viel sei klar: „Die Umsetzung wird mehrere 100.000  Euro kosten“, sagte Stehli. Auf zeitliche Rahmen wollte er sich jedoch nicht festlegen lassen.

Der Verein setzt wie bei vorherigen Projekten auf die Unterstützung der Magdeburger und Fans des Magdeburger Domes, die zum Spenden aufgerufen sind. Mehr als 200 Einzelteile vom Epitaph sind erhalten. Diese sollen wie bei der Sanierung des Lettners sinnbildlich an Spender verkauft werden. Weitere Informationen erhalten Interessenten im Internet unter www.domverein-magdeburg.de.

Stephen Gerhard Stehli weiß, dass es sich um ein ehrgeiziges Vorhaben handelt: „Aber wir haben Gottvertrauen und Erfahrung“, sagte er. Und deshalb sei er optimistisch, dass die Umsetzung gelingen wird.