Magdeburg l Auch über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel ist Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) zu keiner anderen Entscheidung gekommen: Es bleibt dabei, dass er im Sommer 2021 nach 20 Jahren im Amt seinen Posten vorzeitig niederlegen werde. Im Gespräch mit der Volksstimme nannte er dabei zwei mögliche Termine für das Ende seiner Amtszeit: „Ich werde meinen Rücktritt entweder zum 30. Juni oder zum 31. Juli erklären“. Für welchen der beiden Termine er sich letztlich entscheiden werde, darüber habe er noch nicht befunden.

Klar sei aber, dass er dem Stadtrat seine Entscheidung frühzeitig bekannt geben wolle. Dann müssen die notwendigen Schritte für eine OB-Wahl in die Wege geleitet werden. Möglich wäre dabei, dass bereits zur Landtagswahl im Juni, zur Bundestagswahl im September oder zu einem eigenen Termin über ein neues Stadtoberhaupt abgestimmt werden könne. Trümper selbst wolle sich aus diesem Prozedere komplett raushalten, wie er sagte.

Facebook-Gruppe mit über 4400 Mitgliedern

Seit der Rücktrittsankündigung gab es Reihe von Aktionen von Trümper-Fans, die versuchen, den Stadtchef doch noch umzustimmen. So starteten die beiden Werbeagentur-Chefs Matthias Malischewski und Daniel Homolla eine „Lutz, bitte bleib! Magdeburg braucht dich“-Kampagne auf LED-Wänden im Stadtgebiet.

Auf Facebook wurde unter dem Titel „Lutz Trümper soll bleiben“ eine Unterstützer-Gruppe gegründet, die mittlerweile mehr als 4400 Mitglieder zählt. Hier werden nicht nur Sympathiebekundungen und Videos von Trümper-Pressekonferenzen geteilt, sondern auch Trümper-Herzchen-Aufkleber oder gar Trümper-Mundschutzmasken untereinander angeboten. Ganz neu hinzugekommen ist eine Petition im Internet, die ein Magdeburger am 10. Januar 2021 gestartet hat. Auch sie hat zum Ziel, dass OB Trümper im Amt bleiben soll.

All das ist dem OB nicht verborgen geblieben. „Es ist schon teilweise herzerwärmend, was man da so sieht und lesen kann“, so Lutz Trümper. Es habe ihn überrascht, dass es solche Aktionen gebe. Es sei ja eher nicht üblich, dass Kampagnen gestartet werden, um Politiker davon zu überzeugen, im Amt zu bleiben. Allerdings: All die öffentlichen Bekundungen können ihn nicht umstimmen. Sein Entschluss steht, wie er sagt.

Ärger über Verwaltungsakten

Im Dezember-Stadtrat hatte er überraschend seinen vorzeitigen Rücktritt erklärt. Der OB sagte in seiner emotionalen Erklärung unter anderem: „Man macht im Leben auch Fehler. 2017 und 2018 hab ich zwei gemacht. 2017 war der erste, wieder in die SPD einzutreten.“ Trümper war im Oktober 2015 aus der SPD ausgetreten, weil es einen parteiinternen Streit über die Flüchtlingspolitik gegeben hatte. Rund 20 Monate später erklärte er, wieder in die Partei einzutreten.

Sein zweiter Fehler sei 2018 nach einer Gesetzesänderung eine Aussage gewesen, dass er darüber nachdenke, auch nach dem Erreichen des 65. Lebensjahres noch einmal als OB anzutreten. „In Wirklichkeit war das für mich nie ein Thema.“ Trümper zeigte in seiner persönlichen Erklärung deutlichen Unmut über Teile der Kommunalpolitik, darunter auch die eigene SPD-Fraktion, sowie Vorgänge in der eigenen Verwaltung. Hier waren ohne seine Kenntnis Akten angelegt worden, in denen geprüft worden war, ob eine Wiederwahl rechtlich möglich sei.