Magdeburg l So wie aktuell hat man die Nicolaikirche in Magdeburg seit über 100 Jahren nicht mehr gesehen: Der komplette Boden im Kirchenschiff ist herausgerissen. Auf der Nordseite zieht sich ein kleiner Graben durch den Gang unter der zweirängigen Empore. Die Füße der Säulen, die das Satteldach tragen, liegen offen und geben Einblick in das hölzerne Innenleben.

Hintergrund für die Arbeiten ist der Kampf gegen den Hausschwamm, der große Teile der 1824 eröffneten Kirche befallen hat. Seit dessen Entdeckung vor gut vier Jahren wurden nach und nach die betroffenen Holzteile im Chor und in der Decke ausgetauscht. Mit der Sanierung des Kirchenschiffs wird die Gefahr gebannt sein, sagt Architektin Sina Stiebler. Und noch mehr: Wenn die aktuellen Arbeiten voraussichtlich Mitte Mai 2018 beendet sein werden, ist die Nicolaikirche erstmals seit der letzten Restaurierung 1890 wieder vollständig instandgesetzt.

Bartresen in der Nicolaikirche

So wird u. a. die gesamte Elektrik an die modernen Ansprüche angepasst. In der Vorhalle wird ein Bartresen eingebaut, an dem bei Veranstaltungen Besucher bedient werden können. Das Taufbecken wandert in die Mitte des Schiffes. Die Kirche erhält zudem einen neuen Boden aus rotem Sandstein nach dem Original ihres Erbauers Karl Friedrich Schinkel.

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Ebenfalls neu ist die Temperierung, die bei Gottesdiensten und Konzerten für eine gewisse Behaglichkeit sorgen soll. „Sitzbankheizungen, Wandkonvektoren und Heizteppiche sind dafür vorgesehen“, zählt Sina Stiebler auf.

Neue Orgel wiegt 7,5 Tonnen

Weiterhin werden bereits die Voraussetzungen für den Einbau der neuen Orgel geschaffen. Damit die 7,5 Tonnen schwere Konstruktion auf der Empore stehen kann, muss diese massiv verstärkt werden, erklärt die Architektin. Der Entwurf für das neue Instrument steht, dunkelblau wird es sein, passend zu den neuen Bänken.

Die Gemeinde hofft auf Gelder aus einem Bundesprogramm. 2019 könnte dann der Einbau beginnen. Spätestens zum 200-jährigen Bestehen der Kirche 2024 soll das Projekt aber auf jeden Fall beendet sein, sagt Oliver Barg, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats im Kirchspiel Nord.