Magdeburg l Es kommt selten vor, dass die Stadtverwaltung das Anliegen eines Investors nicht einmal weiter prüfen möchte. Im Falle des früheren Kulturhauses der Eisenbahner am Winterhafen ist das so. Die entsprechende Drucksache für den Stadtrat, nach der das Projekt abgelehnt wird, ist nach einer intensiven Diskussion im Stadtrat aber zunächst zurückgezogen worden.

Es geht bei dem Vorhaben darum, neben einer Kindertagesstätte auch ein betreutes Wohnen und eine stationäre Pflege zu etablieren. Die Kritik der Verwaltung: Selbst wenn die Bebauung hochwasser­sicher gestaltet werden kann – die Wege zu dem Gelände standen im Sommer 2013 unter Wasser. Und damals war der Pegelstand von 7,80 Metern an der Strombrücke, den die Stadt sich als Zielmarke für den Hochwasserschutz gesetzt hat, noch nicht einmal erreicht.

Mehrere Fraktionen wollen Idee eine Chance ge

Mit ihrer Einschätzung stellt sich die Verwaltung gegen das Votum des Seniorenbeirats in Magdeburg, der weitere Einrichtungen zum betreuten Wohnen in Magdeburg befürwortet. Während der Stadtratssitzung fanden sich dennoch aus verschiedenen Fraktionen Fürsprecher, die Situation rund um das seit Jahren leerstehende Eisenbahnerkulturhaus unter die Lupe zu nehmen. SPD-Fraktionschef Jens Rösler befürwortet beispielsweise die Idee, die alte Eisenbahnbrücke über die Taube Elbe als möglichen sicheren Weg für den Hochwasserfall zu untersuchen.

 „Das sollte geprüft werden, auch vor dem Hintergrund, dass der Bauhof neu genutzt werden soll.“ Wigbert Schwenke, Chef der Fraktion CDU/FDP/BfM, verweist darauf, dass die Brache dringend entwickelt werden sollte und daher Wege zur Verwirklichung des Projektes gefunden werden müssten. Und auch Frank Theile, Vorsitzender der Fraktion „Links für Magdeburg/Tierschutzpartei“ möchte das Vorhaben nicht gleich abschmettern: „Eine hochwassersichere Zufahrt wäre im Verfahren zu klären.“

Lauftext

Durchaus kritisch sieht das Vorhaben SPD-Stadtrat Falko Grube, der dem Bauausschuss vorsitzt. Und dieser hatte ebenso wie der Umweltausschuss den Vorschlag der Verwaltung unterstützt, den für das Vorhaben notwendigen „Antrag auf Einleitung eines Satzungsverfahrens für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ abzulehnen. Falko Grube sagte im Stadtrat: „Eine Kita ist ja genehmigt. Aber es ist etwas anderes, ob ich im Hochwasserfall eine Kita, ein Hotel oder eine Sportstätte nicht anfahren kann, oder ob ich alte Menschen evakuieren muss.“ Genau das hatte sich nämlich schon beim Hochwasser 2013 in Magdeburg als sehr aufwendig erwiesen und zum Teil Kräfte gebunden, die an anderen Stellen gebraucht worden wären.

Höhergelegte Straße und Bahntrasse

Während der Sitzung des Bauausschusses jedenfalls war schon umfangreich erläutert worden, warum vermeintlich hochwassersichere Lösungen kaum umsetzbar sind. Elke Schäferhenrich, die im Baudezernat den Bereich Verbindliche Bauleitplanung leitet, hatte dazu ausgeführt, dass der Vorschlag, die Straße Am Winterhafen auf eine hochwassersichere Höhe zu legen, aus zweierlei Gründen nicht umsetzbar sei.

Zum einen würde bei einem starken Hochwasser der Abfluss von Wasser aus der Alten Elbe über die Straße in Richtung Winterhafen und weiter in die Stromelbe behindert. Dies wiederum würde eine Belastung für die Anna-Ebert-Brücke zur Folge haben. Vor allem aber könne die Brücke nicht höhergelegt werden, da über ihr die Erweiterung für den Strombrückenzug gebaut werde. Bei einer hochwassersicheren Höhe der Straße würde die Durchfahrtshöhe unter der neuen Brücke in Richtung Anbindung Zollbrücke nicht mehr ausreichen. Als weitere Alternative wurden alte Bahnanlagen ins Spiel gebracht, über die hochwassersichere Wege angelegt werden könnten. Der Knackpunkt: Bis auf die Brücken gehört das Gelände der Deutschen Bahn. Und diese wird laut Stadtverwaltung dort Ausgleichspflanzungen anlegen, um einen Ausgleich für gefällte Bäume an anderen Stellen zu schaffen.

Dadurch, dass die Drucksache jetzt zurückgezogen wurde, ist das Thema noch nicht vom Tisch. Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder zwischenzeitlich taucht eine für die Verwaltung einleuchtende Idee für den Hochwasserschutz auf, so dass das Verfahren doch noch eingeleitet wird. Oder die Verwaltung formuliert die Ablehnung so einleuchtend, dass der Stadtrat dieser mehrheitlich folgt. Oder das Verfahren wird nach einer Abstimmung im Stadtrat wie bisher vorgesehen durchgezogen, so dass sich die Argumente dagegen umfangreich begründet in absehbarer Zeit erneut zur Abstimmung auf der Tagesordnung wiederfinden und dort abschließend beurteilt werden müssen.