Magdeburg l Viele derer, die lange nicht in Magdeburg gewesen sind, bestätigen bei ihrer Rückkehr: Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren gemacht. Doch es gibt auch Punkte, an denen wichtige Gebäude nach wie vor ein jämmerliches Bild abgeben. Ein Beispiel sind Gebäude im Karree Hallische Straße/Am Sudenburger Tor gegenüber der Shell-Tankstelle. Drei Gebäude wurden hier zwar bereits saniert. Doch andere stehen seit Jahren leer. Deutliche Schäden sind inzwischen zu erkennen.

Doch es gibt Hoffnung. Denn der Trend zum Wohnen in der Stadt hat den Fokus auch wieder auf diesen Bereich der südlichen Altstadt von Magdeburg gelenkt.

Fragezeichen an Magdeburger Haus

Aber der Weg bis zu einer Sanierung ist nicht einfach, worauf derzeit eine Installation an einem der noch nicht sanierten Altbauten erinnert. Die Metallkonstruktion einer Baggerschaufel, die von Lehrlingen zum Fachpraktiker für Metallbau der SBH Südost GmbH unter Leitung von Ausbilder Michael Götze als Ausbildungsprojekt gebaut wurde, ragt aus dem Fenster. In den Fenstern darum herum sind große Fragezeichen zu sehen.

Die Installation lässt den Betrachter vermuten, dass im Innern des Gebäudes ein Bagger steht, der das Gebäude abreißen soll. Wird das historische Gebäude gerettet oder wird es weichen müssen?

Brandenburger kauft das Haus in Magdeburg

Für das Haus Am Sudenburger Tor 3 und 4 gibt es Hoffnung. Jahrelang vernachlässigt, hat jetzt der junge Brandenburger Bauunternehmer Dirk Krüger die Gebäude gekauft und will sanieren.

„Aber bekommen solche Eigentümer genug Unterstützung? Wie sieht es mit Förderung aus? Bringt es überhaupt etwas, die alten Häuser zu retten?“, fragt Holger Neumann von der Aktion „Altbaurettung“ und Präsident von Haus und Grund. Die Initiatoren der Aktion wollen die Öffentlichkeit für die Probleme der leerstehenden Häuser gewinnen und fordern Antworten von der Politik ein.

Verwahrloste Immobilien in Magdeburg

Grund: In Magdeburg gibt es trotz umfangreicher Sanierungen in den vergangenen Jahren zahlreiche weitere verwahrloste Immobilien. Viele stehen schon seit Jahren leer, und einige – zum Beispiel auch an wichtigen Hauptstraßen wie der Lüneburger und der Leipziger Straße – mussten von der Stadt Magdeburg schon durch Notabriss beseitigt werden. Neben aus denkmalschützerischen Gründen bedeutsamen Häusern sind auch Gebäude in Gefahr, die angesichts ihrer Lage zum Beispiel an Kreuzungen und an Hauptstraßen prägend für das Bild der Stadt sind.

Bereits vor Monaten hatte die Eigentümerin eines sanierten Gebäudes in der Nachbarschaft Am Sudenburger Tor übrigens auf den Zustand der sogenannten Schrottimmobilien in der Umgebung aufmerksam gemacht: Ohne eine Sanierung könne das kleine Viertel sich nicht weiter entwickeln, und auch die bereits sanierte Bausubstanz werde durch die vernachlässigten Immobilien in Mitleidenschaft gezogen. Für eine Aufwertung des Viertels hatte sie angeregt, die Gebäude mit kräftigen Farben zu gestalten und so auf die Zufahrt ins südliche Stadtzentrum der Landeshauptstadt aufmerksam zu machen.

Immobilien im Blickfeld von Bahnreisenden

Die Wohnhäuser an der Einmündung der Straße Am Sudenburger Tor auf die Hallische Straße sind städtebaulich von besonderer Bedeutung: Sie sind eine Art Aushängeschild der Stadt Magdeburg auf der Zufahrt aus Richtung Süden ins südliche Stadtzentrum mit dem Hasselbachplatz ein paar Meter weiter, wo inzwischen nahezu alle erhaltenen Gebäude saniert sind. Und auch Bahnreisende haben bei der Fahrt auf den Strecken in Richtung Halberstadt und Halle einen guten Blick auf das Gebäudeensemble.

Auch aus denkmalschützerischen Gründen sind nördlich des Eckgebäudes die Wohnhäuser an der Hallischen Straße von Interesse. Sie stehen unter Schutz als Zeugnisse des Baustils der Neorenaissance und wurden in den Jahren 1880 bis 1885 gebaut. Zwei der drei Gebäude wurden bereits restauriert. Das dritte Gebäude direkt an der Bahnstrecke ist in keinem besonders guten Zustand, gilt aber dennoch nicht als akut bedroht.

Arbeitsgruppe befasst sich mit Immobilien

Seitens der Magdeburger Stadtverwaltung wurde vor Jahren bereits eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit den verwahrlosten Immobilien befasst. Ziel der Arbeitsgruppe, in der unter anderem der Denkmalschutz, das Bauordnungsamt und das Stadtplanungsamt mitwirken, ist, Eigentümern Wege zur Sanierung aufzuzeigen oder sie zum Verkauf an Investoren zu bewegen. Angelegt wurde ein Schrottimmobilien-Kataster, in dem der Zustand von wichtigen gefährdeten Gebäuden erfasst wird.

Haus und Grund hatte sich gemeinsam mit der Stadt Magdeburg um bedrohte Gebäude in Stadtteilen an der Elbe gekümmert.