Magdeburg l Man hält die Hand davor oder darüber, schon läuft’s. In die Sanitäranlagen vieler Autobahn-Raststätten oder Einkaufszentren haben die sogenannten kontaktlosen (also berührungsfreien) Armaturen an Waschbecken oder Toilettenspühlungen längst Einzug gehalten. Roland Zander, Vorsitzender der Fraktion Gartenpartei/Tierschutzallianz im Magdeburger Stadtrat, wünscht sich solche Armaturen aus Gründen des Gesundheitsschutzes auch in Kitas, Schulen und anderen kommunalen Einrichtungen. Bei Neubauten, so der Antrag der Fraktion, sollten künftig kontaktlose Armaturen verbaut werden.

Pro Armatur 500 Euro

Das für die Unterhaltung städtischer Häuser zuständige Kommunale Gebäudemangement (KGM) schlug sinnbildlich die Hände überm Kopf zusammen. Zu teuer, zu störanfällig, zu wartungsintensiv, lautet zusammengefasst die Stellungnahme von KGM-Chef Heinz Ulrich. Pro Armatur würden rund 500 statt bisher 60 bis 130 Euro fällig, was für einen Grundschulbau (im Schnitt 46 Wasserhähne) rund 18.400 Euro Mehrkosten verursache.

In der Folge lehnten alle vorberatenden Ausschüsse den Gärtner-Vorschlag ab und Fraktionschef Zander schäumte – in Erwartung der Niederlage zur jüngsten Ratssitzung – schon vor der Abstimmung. „Aber im Landtag geht’s! Da hat man solche Armaturen aus Angst vor Ansteckung über Nacht angebaut“, forderte Zander sanitäre Gleichbehandlung von Abgeordneten und Kindern ein.

Zwei Perspektiven aus dem Landtag

Der Landtagsabgeordnete Falko Grube (SPD) widersprach: „Ich habe solche Armaturen im Landtag von Sachsen-Anhalt noch nicht gesehen, aber aus Mecklenburg-Vorpommern davon gehört.“ Die Ausstattung böte nur scheinbare Sicherheit. „Das Problem ist nicht gelöst, wenn Kinder zum Beispiel aus dem Hahn trinken.“

Hagen Kohl (AfD), wie Grube mit Doppelmandat für Stadtrat und Landtag ausgestattet, grätschte Grube dazwischen. „Ich habe im Landtag eine Nasszelle mit kontaktloser Armatur und weiß den Nutzen zu schätzen. Man gewöhnt sich schnell dran.“ Er hätte, so Kohl, Sympathien für den Gärtnerantrag, werde sich aber enthalten, weil die Umsetzung wohl auf Stadtebene doch finanzielle Probleme verursache.

Jetzt zog Zander die letzte Karte und forderte namentliche Abstimmung. Neben seiner dreiköpfigen Fraktion, stimmten die beiden future!-Räte, die Grüne Madeleine Linke und Linke-Frau Nadja Lösch pro Hygiene ohne Kontakt zum Hahn; elf Räte von AfD, Linken und Tierschutzpartei enthielten sich der Stimme. Am Ende erlebte die Gärtnerfraktion mit 7 Ja- und 35 Nein-Stimmen von CDU, SPD, Grünen, Linken und FDP eine krachende Niederlage. Kontaktlose Armaturen halten keinen Einzug in Magdeburger Kitas und Schulen.