Magdeburg l Drei Fußballvereine gibt es in der Neuen Neustadt in Magdeburg. In einem will Johannes Möcker bald wieder bei den  „Alten Herren" Fußball spielen. Dann tauscht der neue Pfarrer von Sankt Nicolai seinen Talar gegen Sporthose und Turnschuhe. „Ich habe schon seit meinem zweiten Lebensjahr Fußball gespielt“, erzählt er. Und auch in seinem vorherigen Wirkungsbereich in der Nähe von Genthin spielte er in einer Fußballmannschaft mit. Das will er auch in der Neuen Neustadt, wo er seit dem 1.  November arbeitet. Fan einer bestimmten Fußballmannschaft sei er nicht.

Aber wer in Magdeburg wohnt, komme an Fußball nicht vorbei, sagt er. Und so freut er sich bereits darauf, das ein oder andere Fußballspiel sonnabends in der MDCC-Arena zu erleben. Denn sonntags ist für den Pfarrer ja ein Arbeitstag. Dann feiert er mit den Mitgliedern seiner Gemeinde Gottesdienst.

Am wichtigsten ist der Glaube

Der 41-Jährige stammt aus einer Pfarrersfamilie in Thüringen. „Meine Mutter war Pastorin. Ich wusste also, was mich in diesem Beruf erwartet“, sagt er. Das sei aber nicht der Grund gewesen, warum er sich am Ende auch für diesen Beruf entschied. „Was im Leben für mich am wichtigsten ist, ist der Glaube. Und Menschen davon zu erzählen, wie schön es ist, zu glauben, und dafür auch noch Geld zu bekommen“, war der eigentliche Grund.

Außerdem: „Man hat mit Menschen aller Altersgruppen zu tun“, sagt er. Er könne sich keinen anderen Beruf vorstellen, der so abwechslungsreich ist wie der eines Pfarrers. Denn neben der Arbeit mit den Menschen gehören auch Verwaltungsaufgaben in sein Gebiet. Außerdem kümmert er sich um bautechnische Angelegenheiten, wenn Kirchen saniert werden.

Eine neue Herausforderung

Warum nun aber gerade Magdeburg? „Nach elf Jahren in einer ländlichen Region war es einfach Zeit für eine neue Herausforderung“, sagt Johannes Möcker. Die Stelle habe ihn gereizt. Außerdem gingen seine beiden Töchter bereits in Magdeburg zur Schule. Für die beiden verkürzt sich der Schulweg nun um ein vielfaches. Lediglich seine Frau müsse nun pendeln. Sie arbeitet in Genthin.

Was Johannes Möcker in den zwei Monaten, in denen er nun schon in Sankt Nicolai arbeitet, aufgefallen ist, ist das unglaubliche Engagement der Ehrenamtlichen, die sich bis zum Umfallen für ihre Kirchgemeinde einsetzen würden. Leider seien es zu wenige. Er hofft, dass sich das in Zukunft wieder ändern wird. Viele Pläne hat er schon: Neben dem Fußball spielt er auch die Posaune: „Meine drei Frauen und ich spielen alle ein Blasinstrument.“ Langfristig möchte er daher auch die Tradition der Neustädter Kirchenbläser wieder aufleben lassen.

Mitglieder für Verein gesucht

Geplant ist außerdem eine enge Zusammenarbeit mit der Hoffnungsgemeinde und der Kirchgemeinde Rothensee. Nicht nur, dass sich die Pastoren gegenseitig vertreten, es sollen auch gemeinsame Veranstaltungen für die Kirchgemeinden stattfinden. Unter anderem gebe es etwa in der Hoffnungsgemeinde einen Konzertverein. Der soll wieder mehr in Aktion treten und Konzerte auch in der Nicolaikirche organisieren, die einen sehr schönen Konzertraum darstelle. Für den Verein werden noch Mitglieder gesucht, die Lust haben, sich für kulturelle Veranstaltungen in der Neuen Neustadt zu engagieren.

Außerdem will er auch die Kinder- und Jugendarbeit wieder in den Fokus rücken. Derzeit gebe es zwar keinen Gemeindepädagogen, aber eine Stelle sei ausgeschrieben, „und ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr wieder jemanden haben“.

Kirche ab 1.  Januar gesperrt

Dass er mit seiner Stelle in der Neuen Neustadt in ein Quartier mit Konfliktpotenzial gezogen ist, habe er bislang noch nicht gespürt. „Bisher habe ich nur nette Menschen kennengelernt“, sagt er. Von den Problemen, die es rund um den Moritzplatz gibt, habe er gehört, aber noch nichts dergleichen selbst erlebt. Vor dem Hintergrund, dass die Kirchen an Mitgliedern verlieren, wird die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden des Kirchspiels zukünftig eine größere Rolle spielen. Allerdings betont er, dass die Probleme sinkender Mitgliederzahlen vor allem in den ländlichen Regionen groß seien. „Die Leute ziehen dort weg“, sagt er. Die größeren Städte wie Magdeburg könnten davon profitieren.

Übrigens: Die Nicolaikirche ist ab 1.  Januar bis Pfingsten gesperrt, weil sie wegen Hausschwamms saniert wird.