Magdeburg l Es sind vor allem Mitarbeiter von Entsorgungsunternehmen, der Magdeburger Stadtwirtschaft und der Deutschen Bahn, die in die Kantine B zum Essen kommen. Aber auch Gewerbetreibende und Kurierfahrer gehören zum festen Kundenstamm. Der große Parkplatz vor dem Gebäude in der Schönebecker Straße 86 bietet ihren Lkw, Entsorgungsfahrzeugen und Transportern genügend Stellfläche. Ein Pluspunkt, mit dem die Betreiber Andreas Sachsenmaier und Heinz Schäfer aufwarten können.

Doch seit Beginn der Bauarbeiten auf der Schönebecker Straße bleibt der Parkplatz so gut wie leer. „Alles, was aus der Stadtmitte gekommen ist, bleibt weg“, erklärt Andreas Sachsenmaier. Die Schönebecker Straße ist nur noch stadtauswärts befahrbar. Mit der Sperrung der Coquistraße durch die Errichtung einer Mauer mitten auf der Straße führt der Weg stadteinwärts nur noch über lange Umleitungen.

Umleitung kostet viel Zeit

Die zeitaufwendige Umgehungsroute ist ein K.-o.-Schlag-Kriterium. Verständlich, wenn Arbeitnehmern nur 45 Minuten Mittagspause zur Verfügung stehen. In Stoßzeiten stehen Autofahrer mitunter 15 Minuten, um überhaupt zur Ampel zu gelangen.

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Heinz Schäfer selbst macht diese Tortur an der Schilfbreite bzw. Salbker Straße mit, um nach Hause zu kommen. „Auch die Straßenbahn ist für unsere Kunden keine Alternative“, weiß er. Mit einem Kurzzeitticket komme man vom Hasselbachplatz nicht mal bis zum Thiemplatz. Zudem seien 2,80 Euro für Hin- und Rückfahrt, um Mittag essen zu gehen, zu teuer.

Das Ergebnis: Das Betreiber-Duo schreibt seit Wochen rote Zahlen. Umsatzeinbußen von 40 Prozent beim Mittagessen und etwa 70 Prozent beim Frühstück lassen keinen Raum zur Jonglage. „Wir haben hin- und hergerechnet, alles durchkalkuliert. Doch wir sind ratlos“, erklärt Andreas Sachsenmaier.

Weniger kochen, aber 100 Prozent Kosten

Zwar wäre der Eigentümer, die Akademie Überlingen, bereit, die Miete zu senken, doch die Nebenkosten, die gerade in einer Großküche und einem Gebäude in der Größenordnung nicht unerheblich sind, bleiben dieselben. Selbst wenn man 40 Prozent weniger Essen kocht, laufen Ofen und Herd wie bei 100 Prozent. „Und würden wir die Preise anheben, kehren uns die Kunden den Rücken“, erklärt er. Sein Geschäftspartner ergänzt: „In dem Preissegment, in dem wir uns bewegen, sind wir sehr sensibel.“

Ihnen bleibe also nichts anderes als aufzugeben und zu schließen. „Wir wollen das Unternehmen nicht erst in die Insolvenz führen, sondern vorher reagieren“, macht Heinz Schäfer deutlich.

Mit der Schließung der Kantine B stehen auch wieder etliche Bands auf der Straße. Im oberen Bereich des Gebäudes sind sieben Proberäume vermietet, die sich jeweils zwei, drei Bands teilen.

Musikern droht Rauswurf

Gerade erst waren die Musiker froh, wieder Unterschlupf gefunden zu haben. Ihr früheres Domizil, eine Villa neben der Kantine und zu ihr gehörend, ist unbewohnbar. Dringende Instandhaltungsmaßnahmen wurden in der Vergangenheit nicht durchgeführt. Es regnete rein und ein Elektrobrand führte dazu, dass die Bands vor gut anderthalb Jahren ausziehen mussten.

Bevor Schäfer und Sachsenmaier die Kantine vor nicht ganz einem Jahr übernahmen, war Stadtrat Marcel Guderjahn Mieter der beiden Gebäude und Betreiber der Kantine. Als die Kantine geschlossen werden musste, übernahmen Schäfer und Sachsenmaier. Sie wussten um die Bedeutung und waren selbst jahrelang Kunden. Schäfer ist längst im Ruhestand und betreibt die Kantine „ehrenamtlich“. Auch für Sachsenmaier, der IT-Administrator beim nebenliegenden Bildungsdienstleister SBH ist, sei sie eher „Hobby“. Inzwischen leider ein sehr teures!

11.000 Euro hatten die beiden investiert, als sie die Kantine übernahmen. Hauptsächlich, weil im Bistro des Gebäudes die komplette Küche samt Abzugshauben ausgebaut worden und „spurlos verschwunden“ war. Zwei Mitarbeiter sind in der Kantine beschäftigt. Koch Lothar Kunert (63) arbeitet seit zehn Jahren dort. Mit ihm ist eine Küchenhilfe angestellt.

Schließung der Kantine droht

Die Schließung der Kantine lässt sich jedenfalls kaum noch verhindern. Zumindest nicht, wenn Buckau weiterhin abgetrennt wird. Sachsenmaier, der selbst in Buckau wohnt, sagt: „Es hätte auch andere Möglichkeiten gegeben, ohne Buckau dichtzumachen. Man hätte nur wollen müssen.“ Die Umleitung durch die Benediktinerstraße wäre seiner Meinung nach eine Option gewesen. Das sei schon einmal der Fall gewesen. Und wie in der Leipziger Straße geschehen, hätte auch der Weg mit Asphalt zur Fahrbahn gemacht werden können. „Alles ist besser als das, was jetzt hier passiert.“

Am 2. April 2019 wollen sich Andreas Sachsenmaier und Heinz Schäfer bei der GWA-Sondersitzung zur Sperrung der Coquistraße noch die Ausführungen von Birgit Münster-Rendel, Geschäftsführerin der Magdeburger Verkehrsbetriebe, und Thorsten Gebhardt, Leiter des Tiefbauamts, anhören (18 Uhr, Karl-Schmidt-Straße 12). Ahnend, dass sich so schnell nichts an der Situation ändern wird, liegt die Kündigung des Mietvertrages zum Absenden bereit.