Stadtentwicklung

Seilbahn: Machbar, aber teuer!

Auf Anregung der CDU hat der Magdeburger Stadtrat die Prüfung eines Seilbahnbaus vom Wissenschaftshafen zum Elbauenpark beschlossen. Jetzt liegt das Ergebnis vor.

Magdeburg

Je nach Variante zwischen 9 und 21 Millionen Euro würden allein Planung und Bau der luftigen Elbquerung in Magdeburg kosten und – was am Ende noch schwerer wiegt – sie würde nur bei jährlichen Zuschüssen von bis zu 1,7 Millionen Euro zu betreiben sein. Zu diesem Fazit kommen die Düsseldorfer Ingenieurgesellschaft Spiekermann und die Seilbahnprofis des Ingenieurbüros Schweiger aus dem bayrischen Sonthofen. Beide Büros waren von der Stadtverwaltung mit der Erstellung der Machbarkeitsstudie beauftragt wurden. Jetzt liefern sie 74 Seiten stark und für die Ideengeber im Stadtrat eher bitter ab: Eine Seilbahn am Standort hat im Alltagsbetrieb null Chancen auf einen wirtschaftlichen Betrieb und wäre maximal als touristische Attraktion zusammen mit einer Buga-Neuauflage oder einer Veranstaltung vergleichbarer Größenordnung überdenkenswert.

9 bis 21 Millionen Euro Baukosten

Die Ingenieure haben zunächst verschiedene Trassen und verschiedene Seilbahntypen für den Bau in Magdeburg untersucht; Ausgangspunkt ist immer der Wissenschaftshafen. Mögliche Trassen zur unmittelbaren Anbindung an die Fachhochschule oder den Bahnhaltepunkt Herrenkrug wurden aus Gründen planerischer Hürden, hoher Kosten und zu geringen Nutzerpotenzials schnell verworfen. Vertiefend geprüft wurde eine Seilbahn, die unmittelbar an den Messehallen und am Haupteingang zum Elbauenpark anlandet und – in einer Langversion – vom Wissenschaftshafen nach Westen bis zur Universitätsbibliothek ausgebaut werden könnte. Technisch entschieden sich die Ingenieure in Abstimmung mit der Stadt für die einfachste und preiswerteste Variante einer sogenannten Einseilumlaufbahn, wie sie unter anderem am Berliner IGA-Gelände, den „Gärten der Welt“, betrieben wird. Für Planung und Bau der kurzen Version Wissenschaftshafen-Messehallen kalkuliert die Studie mit 9 Millionen Euro, für die Langversion bis Unibibliothek mit 21 Millionen.

Millionenzuschüsse für den Betrieb nötig

Während der Langvariante ein höheres Nutzerpotenzial (mehr als 100.000 Fahrten pro Jahr) bescheinigt wird, floppt sie im Bau- und Betriebskostenvergleich. Für den Betrieb in öffentlicher Hand (Einbindung ist den Öffentlichen Personennahverkehr) wird ein Betriebskostenzuschuss in Höhe von knapp 1,8 Millionen Euro pro Jahr prognostiziert, für den Betrieb in privater Hand (für sechs Euro pro Fahrt) ein jährlicher Zuschussbedarf von 1,3 Millionen Euro.

Für die kurze Variante zwischen Wissenschaftshafen und Messehallen erkennt die Studie immerhin noch einen Bedarf für 50.000 bis 60.000 Fahrten pro Jahr. Auch ihr Betrieb erfordere aber Zuschüsse: bei Einbindung in den ÖPNV und 1,50 Euro Einnahmen pro Fahrt beliefen die sich auf knapp 900.000 Euro pro Jahr, im Privatbetrieb mit Ticketpreis von 6 Euro auf immer noch 619.000 Euro jährlich. Noch dazu sprechen die Prüfingenieure bei den genannten Summen von ausgesprochen „optimistischen Annahmen“. Sie kommen zum Fazit: „Da selbst bei optimistischen Annahmen zur Kostenschätzung ein bedeutendes Defizit zu erwarten ist, bleibt das Ergebnis, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nicht abzubilden ist, umso deutlicher bestehen.“

Mit Buga könnte es lohnen

Das Fazit der Experten ist nicht misszuverstehen: Aus wirtschaftlichen Gründen raten sie vom Seilbahnbau ab, immerhin mit einer Einschränkung. Würde es der Stadt tatsächlich gelingen, perspektivisch eine neue Bundesgartenschau (mit viel Fördermittelkraft) an Land zu ziehen und im Zusammenhang den Wissenschaftshafen weiter zur grünen Oase fürs Leben und Forschen am Elbufer entwickeln– dann, aber nur dann, könnten sich die Verfasser der Seilbahnstudie eine Seilbahn als neue touristische Attraktion mit Millionenpublikum als einträgliches Geschäft vorstellen. Immerhin: Für diesen Fall hat Magdeburg eine frische Machbarkeitsstudie jetzt schon in der Tasche.