Magdeburg l Das Alter kann schön sein. Vorausgesetzt, frau widmet sich auch im Alter ihrer Schönheit. Eine, die diesen Grundsatz seit sage und schreibe 60 Jahren lebt, ist Benita Behrends. Die 80-Jährige sei, so sagt sie, die Älteste ihrer Zunft in Magdeburg. Und, sie sei auch in vielem die Erste gewesen: Die erste Kosmetikerin der Stadt, die erste, die als Kosmetikerin in der Magdeburger Hautklinik gearbeitet hat und die erste, die eine Meisterklasse aus der Taufe gehoben habe.

Vor sechs Jahrzehnten eröffnete sie als 20-Jährige ihren „Salon Benita“ in der Braunschweiger Straße. Den Salon gibt es unter gleichem Namen noch immer, heute allerdings in der Olvenstedter Straße. Möbel im Stil des Barocks erinnern an die „alten Zeiten“. Seit 55 Jahren nehmen ihre Kunden auf ihnen Platz; mittlerweile schützt eine Folie die guten Stücke, deren Alter den Möbeln kaum anzusehen ist.

Und ähnlich verhält es sich wohl auch mit der Schönheit. Mit der richtigen Pflege und Lebensweise könne die Haut ebenso geschützt werden. Benita Behrends ist das beste Beispiel dafür. Ihr sind ihre 80 Lenze jedenfalls nicht anzusehen. Aber wie macht sie das? „Ich brauche keinen Schrank voller Produkte. Ich habe nur einige wenige, aber die nehme ich regelmäßig“, verrät sie. Am wichtigsten sei die Pflege am Abend. Eine Reinigungsmilch und eine Creme für die Nacht seien das Mindeste. Und das rät sie auch ihren Kunden.

Goldene Hände

Manche von ihnen kommen bereits solange, wie das Geschäft existiert. Es seien ihre medizinischen Fachkenntnisse und ihre Erfahrung, die die Kunden zu schätzen wissen, erklärt sie. „Und die allerbeste Behandlung ist noch immer die, die ich mit meinen Händen mache. Was heutzutage unter die Haut gespritzt oder mit Ultraschall behandelt wird, kann ich genauso gut mit meinen Fingerspitzen.“ Jeder Kunde wird individuell beraten und doch alle gleich behandelt. Egal ob Professor- Doktor oder Straßenbahnfahrerin. Das sei seit 60 Jahren ein weiterer Grundsatz ihrer Arbeit.

Einen Computer gibt es bei Benita Behrends übrigens nicht. Alle Kundendaten werden handschriftlich auf Karteikarten festgehalten. Und auch ein großes Glasgefäß mit einer bereits verblassten Kräutermischung für Dampfbäder erinnert an vergangene Zeiten.

Ob die 80-Jährige gelegentlich ans Aufhören denkt? „Ich mache weiter, solange ich gebraucht werde und es die Kräfte zulassen.“ Klar, sie stehe nicht mehr wie früher den ganzen Tag in ihrem Salon. Aber wenn sie gerufen wird, ist sie zur Stelle.

„Das, was man im Leben gern, mit Erfolg und Freude gemacht hat, sollte man auch im Alter tun.“ Und dazu gehört für Benita Behrends neben der Kosmetik alles Schöngeistige. Theater, Oper, Kunst, Klassik und Literatur sind nämlich die zweite Leidenschaft der Magdeburgerin. (ka)