Nach der Beschwerde eines Fahrgastes sucht das Spezialeinsatzkommando nun nach neuen Übungsmöglichkeiten

SEK setzt nach Kritik Training auf Ausflugsdampfern ab

Von Rainer Schweingel

Magdeburg l Die Übung des Spezialeinsatzkommandos auf einem vollbesetzten Passagierschiff der Weißen Flotte in der vergangenen Woche hat ein Nachspiel. Nach der Beschwerde eines Fahrgastes werden solche Trainings auf Ausflugsdampfern nicht mehr stattfinden. Entsprechende Informationen der Volksstimme bestätigte Stefan Brodtrück, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA): "Ja, es ist richtig. Wir haben die Konsequenzen gezogen."

Auslöser war eine Übung in der vergangenen Woche. Auf dem Ausflugsdampfer "Magdeburg" probten Beamte des Spezialeinsatzkommandos das An- und Ablegen sowie das Ein- und Aussteigen während der Fahrt. Dazu steuerten sie auf zwei Speedbooten und mit voller Ausrüstung auf den Ausflugsdampfer zu und "enterten" das Passagierschiff. Neben der typisch schwarzen Uniform gehören zur Ausstattung der SEK-Beamten auch Helm, Sturmhaube und täuschend echt aussehende Waffen. Dementsprechend eindrucksvoll vollzog sich der Trainingseinsatz. Viele der Passagiere zückten ihre Handys und hielten alles fest.

Schiffsführer hatte mehrfach mit Durchsagen informiert

Das Training auf dem Ausflugsdampfer war zuvor angekündigt worden. Der Kapitän des Schiffes hatte mehrfach mit Durchsagen auf die bevorstehende Übung hingewiesen und dabei keinen Widerspruch erfahren. Folglich gab der Schiffsführer der Anfrage des SEK statt. Allerdings: Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Schiff schon in voller Fahrt. Passagiere hätten also nicht mehr von Bord gehen können. Die bisherige Praxis ist außerdem so, dass das SEK erst während seines Ausbildungstages die Schiffsführer - übrigens auch von Frachtschiffen - anfunkt und um Erlaubnis für die Übung bittet.

Fakt ist: Nach der Übung flatterte der Polizei und der Weißen Flotte die Beschwerde eines Fahrgastes aus dem Salzlandkreis auf den Tisch. Inhalt: Die Übungen könnten doch auch trotz vorheriger Ankündigung für Kinder oder andere Passagiere negative Auswirkungen haben.

Daraufhin setzte das Landeskriminalamt die Übungen während der regulären Fahrten der Weißen Flotte ab. Sprecher Stefan Brodtrück: "Wir haben das Training analysiert und festgestellt, dass es durch die besondere Nähe zu Passagieren zu unbeabsichtigten Beeinträchtigungen kommen kann. Das wollen wir vermeiden. Außerdem ist das Training auch eine Frage der Sicherheit für die Beamten. Falls da mal eine Maskierung verrutscht, werden die SEK-Beamten für die Öffentlichkeit erkennbar - und das muss unbedingt vermieden werden." Das Spezialeinsatzkommando will deshalb nur noch auf Schiffen ohne Passagiere üben. Wie das genau aussehen wird, steht noch nicht fest.

Training ist auch eine Frage der Sicherheit

Die Weiße Flotte jedenfalls bedauert die Entscheidung. Geschäftsführer Peter Fechner: "Diese Trainings finden doch zum Schutz für uns alle statt. In einer echten Gefahrensituation wären wir alle froh, wenn es SEK-Beamte gibt, die sich auf den Schiffen auskennen. Wir stehen für Gespräche jederzeit zur Verfügung."