Magdeburg l Der Job ist gekündigt, wie es weitergeht ungewiss. Hätte Gina Maria Mund geahnt, was auf sie zukommt, hätte sie diesen Schritt womöglich nicht gewagt. Zumindest nicht in diesem Jahr. Bis Ende August sind alle Großveranstaltungen coronabedingt verboten, wie es sich mit kleineren verhält, ist noch unklar. Doch mit dem Veranstalten von Events möchte die 30-Jährige künftig ihren Lebensunterhalt verdienen, hat sich in die Selbstständigkeit gewagt. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für den Start ihrer Agentur „Mundpropaganda Booking“.

Bereits im Januar kündigte sie ihren Job in einem Architekturbüro. Die Corona-Krise war zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar. Glücklicherweise endet ihr Vertrag erst im Sommer, so dass sie zumindest auf ein wenig Planungssicherheit setzen kann. Wie es danach weitergeht, weiß die junge Magdeburgerin nicht.

Von und mit Musik leben

Aber es wird weitergehen, ist sie sich sicher. Sie ist ohnehin ein optimistischer Mensch. „Jetzt in ein tiefes Loch zu fallen, wäre nicht meine Art. Und Veränderungen bringen manchmal gute Dinge hervor, an die man jetzt noch gar nicht denkt.“ Letztlich werde sie ihre Passion zum Beruf machen und die Freude darauf überwiegt die Sorgen. „Ich habe immer schon den Wunsch gehabt, von und mit Musik leben zu können.“ Daran ändert auch Corona nichts.

Nun sei eben Kreativität gefragt. „Es wird andere Konzepte und Formate geben, die ebenso lohnenswert sind.“ Konzerte mit Abstandsregelung? Sie denkt an Tape-Art. „Jeder kreiert mit Tapeband seinen eigenen Raum.“ Auch an Konzerte und Events als Mappingaktion im Stadtraum denkt sie, Musik an der Hauswand, Konzepte wie Fensterklänge oder virtuelle Konzertlocations.

Außergwöhnliche Formate

Ungewöhnliche Lokalitäten, außergewöhnliche Formate - damit hat Gina Maria Mund Erfahrung. Bei Universal Music arbeitete sie bereits mit großen Bands, zurück in Magdeburg engagiert sie sich seit sechs Jahren im Musikkombinat Magdeburg e. V., organisiert Wohnzimmer-, Klub- und Dachkonzerte sowie das alljährliche Open Air im Glacis-Park.

2018 war sie mit ihren Mitstreitern dafür von den Volksstimme-Lesern als „Magdeburgerin des Jahres“ nominiert worden. Ihr Anliegen: Kulturelle Schätze der Stadt ausgraben und sichtbar machen. Sie halte Magdeburg nämlich für einen „dramatisch unterschätzten Ort“.

Die Stadt braucht Spirit

Die Stadt brauche Spirit (zu Deutsch: Geist). „Ich möchte etwas Urbanes entstehen lassen, eine urbane Bühne schaffen - keine hochkommerziellen Veranstaltungen.“ Hierfür kann sie durch ihre jahrelange ehrenamtliche Erfahrung auf ein großes Netzwerk und zahlreiche Kontakte aus dem Business zurückgreifen - von der Technik über die Künstler bis zur Lokalität.

Inwieweit die Auswirkungen der Corona-Pandemie das zulassen werden, wird sich zeigen. Optimistisch meint sie aber: „Man muss auf seine Veranstaltung nicht vollkommen verzichten, sondern das Format anpassen.“ Die richtige Haltung sei es, mit der man an die Sache herangehen muss. „Eine schöne liebevolle Veranstaltung gewinnt an Qualität, wenn man den Wert dahinter versteht.“