Magdeburg l Ihre Ausstellung im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frau lief super. Nun wird sich Alicia Paz dauerhaft in Magdeburg verewigen – nicht im Kunstmuseum, dafür aber im Skulpturenpark rund um das älteste Gebäude der Stadt.

Und die franko-mexikanische Künstlerin feiert damit eine Premiere. Zwar hat sie schon für Häuser Außenwände gestaltet, aber noch nie eine Skulptur für den öffentlichen Raum gefertigt, erzählt sie am Mittwoch im Technikmuseum, wo sie immer wieder an der Skulptur arbeitet. Die Entstehung des Werkes sei für sie daher sehr aufregend.

Mexikanischer Ort als Inspiration

Bei der Skulptur handelt es sich um einen Baum. Paz nennt ihn die „Isle of the dolls“, die „Insel der Puppen“. Inspiriert hat sie dazu ein mexikanischer Ort, der sich Insel der Puppen nennt, auf Spanisch „La Isla de las Muñecas“.

Bilder

Auf der gesamten Insel sind Hunderte verstümmelte Spielzeugpuppen in den Bäumen aufgehängt. Sie sollten ursprünglich den Geist eines Mädchens vertreiben, das angeblich nahe der Insel ertrunken war. Der einzige Bewohner der Insel, der das Mädchen gefunden haben soll, fühlte sich von ihrem Geist verfolgt. Angeblich sollen auch die Schreie des Mädchens immer noch hörbar gewesen sein, außerdem ihre Stimme mit der Forderung nach Spielzeug. Heute wird die Insel oft für Mutproben genutzt.

Skulpturenpark am Kunstmuseum Magdeburg

Magdeburg (cb) l Der Skulpturenpark rund um das Kunstmuseum in Magdeburg soll neue Akzente erhalten. Sieben Künstler und ein Architekt entwickelten erste Ideen.

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Begegnung mit dem Künstler

Ganz so schaurig ist der Hintergedanke von Alicia Paz allerdings nicht. Anstelle von Puppen hängt die Künstlerin in ihren Baum ganz in ihrer eigenen Tradition Frauenköpfe – denn auch dieses Werk wird wie viele ihrer Bilder Frauen thematisieren.

Der Baum steht bereits im Technikmuseum. Aber da das Kunstwerk noch nicht fertig ist, sollen davon noch keine Bilder in die Öffentlichkeit gelangen. Museumskurator Uwe Gellner erklärt: „Ein Kunstwerk ist immer individuell und eine Begegnung mit einer Person, dem Künstler.“ Die Künstler sollen absolute Freiheit haben. Denn die Entstehung eines Kunstwerkes sei immer auch ein Prozess, es sei durchaus möglich, dass sich das vollendete Kunstwerk vom ursprünglich gefertigten Modell unterscheidet.

Standort steht noch nicht fest

Wo genau der Baum stehen wird, ist daher auch noch nicht klar. „Das ist meistens so: Erst gibt es die Skulptur, dann wird nach dem passenden Ort gesucht“, sagt Uwe Gellner.

Er freut sich, dass das Kunstmuseum Alicia Paz für die Erweiterung des Skulpturenparkes gewinnen konnte. Und geht man von der Resonanz auf ihre Ausstellung aus, dürften sich wohl auch die Magdeburger über das neue Werk im Kloster freuen.

Geld aus Kunststiftung

Finanziert wird es mit Geld, das aus Kunststiftungen eingeworben wurde, informierte Uwe Gellner. Neben dem Baum von Alicia Paz sollen nach und nach auch vier weitere Modelle aus einem Ideenwettbewerb im Skulpturenpark umgesetzt werden.

Voraussichtlich gemeinsam mit dem Werk von Alicia Paz wird auch eines des britischen Künstlers Nathan Coley verwirklicht. Er will ein scheinbar schwebendes Betonpodest schaffen. Auf diesem könnten sich Besucher aufhalten oder neue Skulpturen ausgestellt werden.

Ziel der Neuerungen im Skulpturenpark ist, ihn in die Gegenwart zu holen, ohne ihm seine Geschichte zu nehmen, erklärt Uwe Gellner. Viele Jahre habe er sich nicht verändert, sei nicht erweitert worden. Das soll nun mit den neuen Werken nachgeholt werden.