Magdeburg l Magdeburg im Jahr 1823. Es gibt keine Fotos, geschweige denn Filme. Die Magdeburgische Zeitung ist Papier mit Text. Nirgends sind großflächig illustrierte Reklametafeln zu sehen. Es ist eine bilderarme Welt, in der sich Eduard Robrahn entschließt, eine Firma zu gründen, um mit dem erst wenige Jahre zuvor erfundenen lithographischen Verfahren zu drucken.

Bis in die 1920er Jahre wird die Firma Robrahn & Co aus Magdeburg Massen von Bilderbogen produzieren, teils mit ungarischen oder tschechischen Beschriftungen, also für den Export. Trotzdem gerieten die Magdeburger Bilderbogen später, als lithographische Drucke in den Hintergrund traten, weitgehend in Vergessenheit.

Mehr als 70 Bilderbogen in Magdeburg

„Fast unbekannt“ seien sie gewesen, berichtet Gabriele Köster, die Leiterin des Kulturhistorischen Museums in Magdeburg, als sie sich dazu entschieden hätten, diese „Schätze der Geschichte Magdeburgs“ zu heben. Ein privater Sammler hatte dem Museum Bilderbogen aus Magdeburg angeboten, mehr als 60 Stück. Mit Hilfe des Museumsvereins konnte das Kulturhistorische Museum sie im Juni 2017 erwerben. Mehr als 70 Bilderbogen sind nun in der Sonderausstellung zu sehen, darunter auch einige Leihgaben.

Bilder

Bilderbogen waren im 19. Jahrhundert ein Massenartikel und in ganz Europa verbreitet. Die Einblattdrucke – oft wurde billiges Papier verwendet – sollten unterhalten und informieren. Einige wurden nach dem Betrachten weggeworfen, andere als Dekoration verwendet, wieder andere zerschnitten, um daraus Spielfiguren oder ein Papiertheater herzustellen.

Religiöse Darstellungen

Nicht selten finden sich auch patriotisch-heroische oder religiöse Darstellungen auf Bilderbogen. In Hunderten Städten Europas wurden die Druckblätter einst hergestellt. Bedeutende Produktionsstadt war neben Épinal in Frankreich auch das brandenburgische Neuruppin.

Die Bilderbogenforschung habe sich immer vorrangig mit Neuruppiner Bilderbogen beschäftigt, berichtet Karin Kanter, die Kuratorin. Seit drei Jahren erforscht Kanter nun die Geschichte der Magdeburger Bilderbogen. Diese, erläutert Kanter, seien in der Bilderbogenforschung zumeist mit zwei Sätzen zur Firma Robrahn abgekanzelt worden. Allerdings war Robrahn & Co nicht die einzige Druckfirma. Mehr als 40 Druckereien sind im 19. Jahrhundert in Magdeburg laut Ausstellungsbildband belegbar.

Magdeburger Firma insolvent

Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden noch Bilderbogen verkauft. Dem Comic nicht unähnlich wirken die Bögen zum deutschen Kolonialismus und zum Beginn des Ersten Weltkrieges. Doch Fotografie und Film, die illustrierten Zeitungen, die Wochenschau verändern den Medienmarkt. 1928 ist die Firma Robrahn & Co insolvent.

Die Sonderausstellung „Bilder gehen um die Welt – Magdeburger Bilderbogen und ihre Zeit“ ist noch bis zum 20. Januar 2019 im Kulturhistorischen Museum, Otto-von-Guericke-Straße 63-73, zu sehen.