Die Ausstellung

Die Sonderausstellung „Magdeburger Gesichter des 19. Jahrhunderts“ ist vom 30. Oktober 2020 bis zum 11. April 2021 im Kulturhistorischen Museum zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr.

* Aufgrund der Corona-Krise muss das Museum im November geschlossen bleiben.

Magdeburg l Einen wahren Schatz aus dem eigenen Fundus präsentiert das Kulturhistorische Museum in einer Sonderausstellung: Mehr als 100 Porträts – vom Gemälde über Zeichnungen und Radierungen bis hin zu Drucken – sind vom 30. Oktober 2020 bis zum 11. April 2021 zu sehen. Es sind alles Magdeburger Persönlichkeiten, die in der Zeit des sprunghaften industriellen Aufstiegs der Stadt im 19. Jahrhundert hier lebten.

Zu der Zeit waren Porträts ein beliebtes Genre in der Kunst – und wer es sich leisten konnte und seinen erworbenen Stand in der Gesellschaft auch zum Ausdruck bringen wollte, ließ sich porträtieren: Bürgermeister, Ratsherren, Fabrikanten und Kaufleute, Wissenschaftler und Künstler, aber auch Apotheker oder Bäcker. Ob im reinen Porträt ohne Hintergrund, opulent inszeniert mit Jagdhunden, am Schreibtisch in gewichtiger Pose oder im Kreise der lieben Familie – die Selbstdarstellung durch bezahlte Künstlerhand kannte kaum Grenzen, orientierte sich aber am damaligen Zeitgeist.

Von Gruson bis Hasselbach

Die Sonderschau der Porträts erlaubt einen spannenden Einblick in die damalige bürgerliche Gesellschaft Magdeburgs. Sie zeigt bekannte Größen der Stadt, deren Namen auch heute noch den Magdeburgern geläufig sind, wie Gruson, Immermann, Budenberg, oder die Oberbürgermeister Francke und Hasselbach, um nur einige zu nennen. Es sind aber auch andere Magdeburger ausgestellt, deren Name und Wirken in der Stadt nicht jedem sofort in den Sinn kommen mag.

Bilder

Die Schau geht deshalb den Fragen nach, wer diese Menschen waren, die sich porträtieren ließen, wer möglicherweise in Vergessenheit geraten ist und vielem mehr. Dazu haben Museumsdirektorin Gabriele Köster und ihre Kolleginnen und Kollegen aufwendige Recherchen betrieben. Während in der Ausstellung Täfelchen neben den Bildern Auskunft geben, wer darauf zu sehen ist, ist ein 240 Seiten starker und lesenswerter Katalog entstanden, der der Vita und dem Wirken der Persönlichkeiten nachspürt und so ein Stück Stadtgeschichte offenbart.

Ähnlich ist es bei den Gemälden selbst. Immer wieder gerät im Hintergrund auch die Stadt in den Blickpunkt. Beliebtestes Motiv – damals wie heute – ist der Dom. Aber auch andere Ausschnitte sind zu sehen, wie Elbe, Werder oder Johanniskirche.

Kooperation mit dem Theater Magdeburg

Auffällig beim Rundgang durch die Ausstellung ist, dass vor allem Männerporträts zu sehen sind, was ebenso viel über die damalige Zeit aussagt. „Heute würde man sagen: viele alte weiße Männer“, sagt Museumsdirektorin Köster scherzhaft und schlägt damit auch einen Bogen in die heutige Zeit der Selbstporträts, der Selfies. „Heute inszeniert man sich über das Selfie wieder im Porträt. Und dabei auffällig ist, dass es heute vor allem junge Frauen sind, die dies nutzen“, sagt sie.

Eine Gegenüberstellung der heutigen Porträts zu denen des 19. Jahrhunderts gewährt dabei eine zweite Ausstellung, die durch die Kooperation des Museums mit dem Filmverband Brandenburg und dem Förderverein des Theaters Magdeburg möglich wurde. Noch bevor Besucher in die damalige Zeit eintauchen und quasi im „Facebook“ des 19. Jahrhunderts stöbern können, werden Fotografien junger Menschen in der Stadt gezeigt. Sie bilden den Part „Der junge Blick – Magdeburger Gesichter des 21. Jahrhunderts“. Entstanden sind sie bei Stadtspaziergängen von jugendlichen Magdeburgern.

Für zunächst eine kurze Zeit können Interessierte an diesem Wochenende, jeweils von 10 bis 18 Uhr, einen Blick in die sehenswerte Schau werfen. Denn durch den temporären Lockdown in der Corona-Krise soll auch das Museum ab Montag, 2. November 2020, zunächst schließen müssen.