Magdeburg l Es gibt noch keine Visualisierung und noch keine konkreten Entwürfe, wohl aber einen Plan: Die Wobau Magdeburg möchte im Quartier Friedenshöhe in Sudenburg Reihenhäuser bauen, die auch Familien mit einem schmalen Geldbeutel bezahlen können. Aber nicht nur das: Die Reihenhäuser sollen sogar so günstig sein, dass auch eine Familie, die auf Hartz-IV angewiesen ist, sie mieten kann, wie Peter Lackner als Geschäftsführer der Wobau berichtete. Die Häuser würden also der KdU-Richtlinie der Landeshauptstadt Magdeburg entsprechen, die festlegt, wieviel Wohnraum einem Hartz-IV-Empfänger zu welchem Preis maximal zusteht. KdU steht dabei für „Kosten der Unterkunft“.

Bevölkerungsschichten mischen

Lackner sagte, die Wobau wolle das Wohngebiet Friedenshöhe weiterentwickeln. Ziel ist, in dem Gebiet eine Mischung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Lackner: „Wir haben in Neu-Olvenstedt erkannt, dass eine angrenzende Reihenhausbebauung sich positiv auf die Quartiersentwicklung auswirkt.“ Diese positiven Effekte wolle die Wobau auf andere Quartiere übertragen. Lackner: „Wichtig ist, zu prüfen, ob eine Reihenhausbebauung sich mit den angrenzenden Bebauungen städtebaulich verträgt.“

Mit einem Projekt für barrierefreies Wohnen in Zusammenarbeit mit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB)soll das Wohngebiet für Senioren attraktiv werden, mit den Reihenhäusern sollen kinderreiche Familien angelockt werden – und eben nicht nur diejenigen mit höheren Einkommen, sondern auch jene mit einem geringeren zur Verfügung stehenden Budget. Da die Wobau für die KdU-Reihenhäuser kein Fördergeld für sozialen Wohnungsbau erhält, gebe es keine Belegungsbindung. Auch Familien, die nicht auf Hartz-IV angewiesen sind, könnten in die Häuser einziehen. Einkommensschwächere Familien würden bevorzugt.

Etwa 50 Reihenhäuser geplant

Laut ersten Vorplanungen sind insgesamt 50 Reihenhäuser geplant, wie Peter Lackner während der Versammlung der Gemeinwesenarbeitsgruppe in Sudenburg ankündigte. 20  Prozent sollen KdU-gerecht sein. Um dies wirtschaftlich zu gestalten, soll ein Teil der übrigen Reihenhäuser im mittleren Preissegment nach dem Bau privatisiert werden. Aber auch die besondere Modulbauweise und die Bauweise in höherer Stückzahl sollen die Kosten senken – geringe Zinsen und niedrige Baukosten sollen die Wirtschaftlichkeit sichern. Fördergeld möchte die Wobau im Bezug auf eine hohe Energieeffizienz erhalten.

Die Reihenhäuser sollen im Bereich einer Abrissfläche der Wobau an der Ferdinand-von-Schill-Straße und der Astonstraße errichtet werden. Die Häuser sollen in Modulbauweise so errichtet werden, dass sie exakt auf das Raster der abzureißenden Plattenbauten passen. „Dadurch spart man Erschließungskosten in erheblichem Maß und geht behutsam mit dem Baumbestand um“, so Lackner weiter. Voraussichtlich müssten keine Bäume gefällt werden.

Kleine Häuser

Die KdU-Reihenhäuser werden sich flächenmäßig von den übrigen unterscheiden, erklärte der Wobau-Geschäftsführer weiter. Sie werden kleiner sein. Gebaut habe die Wobau schon eine große Menge an Reihenhäusern. Dass diese auch den Regeln der KdU-Richtlinie entsprechen, ist ein Novum.

Für das barrierefreie Wohnprojekt mit dem ASB liege bereits die Baugenehmigung vor. Die Wobau wartet hier nur noch auf die Genehmigung zum Abriss, damit mit der Realisierung begonnen werden kann. Die neuen Reihenhäuser werden ab 2021/22 zunächst als Modellversuch umgesetzt werden, der bei Erfolg Schule machen könnte. Denn Vorteil der Modulbauweise ist, dass sie auf jedes andere Wohngebiet, in dem die sogenannte „P6-Platte“ steht, übertragen werden kann.

Angebot für große Familien verbessern

Warum die Wobau als kommunales Unternehmen nicht mehr solcher niedrigpreisigen Wohnräume baut, dazu erklärte Lackner: „Die Wobau hat ein sehr reichhaltiges Angebot im Niedrigpreissegment. Für kinderreiche Familien wollen wir unser Angebot verbessern.“

Eva Domass als Geschäftsführerin des Mietervereins Magdeburg hatte im April 2018 kritisiert, dass es in Magdeburg schwierig sei, Mietwohnungen zu einem Quadratmeter-Preis von unter fünf Euro zu bekommen. Auf Volksstimme-Nachfrage erneuerte sie ihr Statement: „Aus unserer Sicht gibt es nicht ausreichend KdU-gerechte Wohnungen, oder die Richtlinie entspricht nicht dem Wohnungsmarkt.“

Wohnungen oft zu teuer

Zwar kümmere sich der Mieterverein nicht vorrangig um diese Frage, sondern helfe Bürgern, die Probleme mit ihrem Vermieter oder dem Mietverhältnis haben, am Rande ergebe sich aber durchaus auch die Frage nach den Kosten der Unterkunft. Und da sei es oft der Fall, „dass Wohnungen ein bisschen zu groß oder zu teuer sind“, sagte sie weiter. Grundsätzlich begrüßte sie daher das Bestreben, sozialen Wohnraum zu schaffen, hinterfragte jedoch kritisch, warum nur 20  Prozent der Häuser KdU-gerecht sein sollen und nicht etwa 50  Prozent.

Die Stadtverwaltung hatte die Richtlinie für die Kosten der Unterkunft 2019 angepasst. Seit dem 1.  April 2019 stehen Anspruchsberechtigten Zuwendungen über sechs Euro pro Quadratmeter für eine Wohnung zur Verfügung. In den einschlägigen Portalen sind Miet-Reihenhäuser eher eine Seltenheit.

Ob das KdU-gerechte Reihenhaus Schule machen wird, das soll sich nach einer Modellphase zeigen. Dann kann die Wobau abwägen, ob die noch freien Flächen in der Friedenshöhe mit barrierefreien und seniorengerechten Wohnungen vervollständigt werden oder zusätzliche Reihenhäuser gebaut werden.