Magdeburg l Als Angelika Henkel und Gabi Krötki 2015 in Batase ankommen, liegt die große Katastrophe schon ein halbes Jahr zurück. Trotzdem treffen sie auf eine Dorfbevölkerung in Schockstarre. Viele sind traumatisiert, einige weggezogen, andere tot. Das Dorf in Nepal ist zu 80 Prozent zerstört, das Erdbeben hat kaum ein Haus verschont. Auch das Schulgebäude nicht, einst Mittelpunkt des kleinen Ortes nordwestlich der Hauptstadt Kathmandu.

Es sind die Alten im Dorf, die auf die Besucher aus Magdeburg zugehen. Sie wollen nicht länger mit ansehen, wie die Familien den Ort verlassen. Sie wollen, dass die Schule wieder aufgebaut wird. Sie bitten um Hilfe. Und bekommen sie.

Mehr als 23.000 Euro gesammelt

Genau 23.372,16 Euro hat der Magdeburger Verein Laliguras nach eigenen Angaben für den Wiederaufbau der Grundschule in Batase bezahlt. Spendengeld, das zu einem großen Teil aus Magdeburg und Umgebung stammt, von Privatleuten, Unternehmen, der Uniklinik. Der Architekt sowie Baumaterialien seien damit finanziert worden, berichtet Henkel, die Vorsitzende von Laliguras.

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Weitere Geldgeber habe es nicht gegeben, allein der Verein habe das Schulgebäude finanziert. Henkel sagt, hätten die Dorfbewohner nicht selbst das Gebäude errichtet, wären die Kosten deutlich höher gewesen.

Wellblechschule als Soforthilfe

Nun ist das Bauen von Schulen auch in Nepal eine staatliche Aufgabe. Nur: Ihr nachgekommen wäre der Staat in Batase nach dem Erdbeben laut Henkel nicht. „Die Kinder sollten zwei, drei Stunden in den nächsten Ort zur Schule laufen“, sagt sie. Um das zu vermeiden, finanzierte der Verein noch im Jahr 2015 nach dem Erdbeben Schulräume aus Wellblech. Insgesamt 4000 Euro an Spenden hätten sie damals für die Wellblechschule gesammelt, berichtet Henkel. Es war nicht ihre erste Spendensammelaktion für die Kinder des nepalesischen Dorfes.

Im Jahr 2007 reist Henkel zum ersten Mal nach Batase. Die studierte Sozialpädagogin ist zu dem Zeitpunkt 47 Jahre alt. Ihre Tochter hat sich in einen Nepalesen verliebt. Sie wollen heiraten. Henkel will die Familie ihres künftigen Schwiegersohns kennenlernen, die in Batase wohnt. Doch es wird nicht nur ein Familienbesuch.

Freiwilligenarbeit in Nepal

Henkel ist auch zur Freiwilligenarbeit nach Nepal gekommen, sie arbeitet dort in einem Krankenhaus, sieht Leid und Armut. „Die Welt muss darauf aufmerksam gemacht werden, das geht gar nicht“, habe sie damals gedacht, erinnert sich Henkel.

Als sie zurück in Deutschland ist, spricht sie mit Freunden, beginnt Geld für Bücher zu sammeln, Bücher für die Schulkinder von Batase. Später kommt die Finanzierung eines zusätzlichen, dritten Lehrers dazu, damit die Kinder auch in Englisch, Musik und Informatik unterrichtet werden. Er kostet 90 Euro monatlich.

Jährlicher Besuch

Jedes Jahr fliegt Henkel nach Batase, in Magdeburg hat sich ein Freundeskreis für die Schule gebildet. 2014 gründen sie dafür den Verein Laliguras. Etwa 140 Kinder besuchen die Grundschule im Jahr, bevor die große Katastrophe in Batase hereinbricht.

Heute gehen in Batase laut Henkel 40 Kinder in die Schule, die nun mit drei Unterrichtsräumen etwas größer ist als die alte. Erfreulich sei, dass die Zahl der Schulkinder wieder zunehme, sagt sie. Dazu kämen indirekte Erfolge.

Regierung plant Sekundarschule

So plane die Regierung nun ganz in der Nähe eine Sekundarschule zu bauen. Auch eine weiterführende Schule sei in Aussicht gestellt, berichtet Henkel.

Außerdem soll die Straße nach Batase weiter ausgebaut werden. Das seien„ungeplante Erfolge“, die auch auf den Schulneubau zurückzuführen seien.

Sanitäre Anlagen fehlen noch

Als beendet sieht Henkel ihr Engagement mit dem abgeschlossenen Schulneubau allerdings nicht. Das nächste Ziel von Laliguras ist, sanitäre Anlagen im Schulgebäude zu finanzieren. Auch bei den Kosten für die Schuluniformen will der Verein die Schüler von Batase in Zukunft unterstützen.

Wer den Verein Laliguras Nepal unterstützen möchte, findet Informationen dazu hier.