Magdeburg l Eine weiße langgestreckte Halle mitten auf dem Außengelände des Polizeisportvereins Magdeburg 1990 e. V. an der Berliner Chaussee. Nach außen eher unscheinbar, doch sie war die Rettung für die Abteilung Bogenschießen. „Wir konnten die Neustadt-Passagen für das Winter-Training nicht mehr nutzen. Also überlegten wir zusammen, ob wir es hinbekommen, eine eigene Halle zu stemmen“, erklärt Abteilungsleiter Alexander Thiele.

Mit viel Engagement der Mitglieder und Förderungen der Stadt Magdeburg von etwa 98 000 Euro, des Landes Sachsen-Anhalt von rund 123 000 Euro sowie etwa 25 000 Euro aus Vereinsgeldern haben sie es geschafft: „Seit November 2017 können die insgesamt 112 Mitglieder in der Halle trainieren. Sie bietet mit einer Länge von 30 Metern viel Platz, ist wettkampftauglich und barrierefrei“, verrät Alexander Thiele. Das einzige Manko: Es gibt keine eingebaute Heizung, wodurch es im Winter sehr kalt wird und es lange dauert, um die Halle mit mobilen Geräten vorzuheizen. „Dennoch sind wir zufrieden. Ohne die Halle gäbe es die Abteilung vermutlich nicht mehr. Und die anderen Vereine sind immer ganz neidisch, wenn ich davon erzähle“, meint Thiele mit einem Schmunzeln.

Höchste Konzentration

Heute ist, wie jeden Mittwoch, freies Training angesagt. So langsam finden sich die Schützen in der Halle ein. Eine buntgemischte Truppe aus Frauen und Männern. „Zu uns kann erst mal jeder in die Probestunde kommen, auch Menschen mit Handicap. Polizist muss keiner sein. Wenn wir dann sehen, dass derjenige genügend Kraft hat, den Bogen zu halten, und alle Sicherheitsregeln befolgt, steht einer Mitgliedschaft nichts im Weg“, so der Leiter. Sollte sich jemand die Ausrüstung (Anfängerbogen liegt bei etwa 300 Euro) nicht leisten können, bekomme man das auch hin, sagt Thiele. Man helfe einander, gebe Tipps, sei freundlich und mit allen per Du.

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 Das ist es, was die Bogensportszene so besonders mache, bestätigen auch Werner Krettek, Maike Naber und Michael Schönherr. Allerdings gibt es noch andere Gründe für ihre Begeisterung. So entschied sich der mittlerweile 82-jährige Werner Krettek vor sechs Jahren für sein jetziges Hobby, um fit zu bleiben, und ist als ältestes Vereinsmitglied immer mit viel Spaß dabei.

"Alles andere ist egal"

Auch Studentin Maike Naber schwärmt von ihrem Hobby. „Vor fast drei Jahren habe ich die Serie ,Arrow‘ gesehen und konnte es nicht glauben, als die Hauptfigur am Anfang meilenweit am Ziel vorbeigeschossen hat. Schon am nächsten Tag hatte ich zum ersten Mal einen Bogen in der Hand und verbringe seitdem viel Zeit hier. Es gibt nichts Besseres, um nach der Uni abzuschalten. Denn konzentriert man sich nicht ausschließlich aufs Schießen, trifft man nicht“, so die junge Bogenschützin. Auch Michael Schönherr, Ingenieur, kann da nur zustimmen: „Wenn der Stress von allen Seiten kommt, heißt es abends: Pfeil rein und alles andere ist egal.“ Wer jetzt denkt, hier wird nur aus Spaß oder zur Entspannung geschossen, liegt falsch. Natürlich treten die Schützen bei Turnieren gegeneinander an, sogar bis zur Bundesliga.

So auch Übungsleiterin Andrea Thoms: „Bogenschießen ist der einzige Sport, den ich 24 Stunden lang machen könnte, ohne die Lust zu verlieren. Und irgendwann wollte ich mich dann auch mit anderen messen, um zu sehen, wie ich mich verbessere.“ Durch Andrea und ihre Kollegen der Bundesligamannschaft kann der Verein in den letzten Jahren schon auf einige Erfolge, unter anderem auch eine Erstplatzierung in der Liga, zurückblicken. Dafür mussten sie regelmäßig in die goldene Mitte treffen. Denn das ist letztlich der offizielle Zuruf, der da lautet: „Alle ins Gold!“ Was nichts anderes bedeutet, als alle Pfeile in der Mitte der Scheibe zu platzieren.