Pechau l Großer Andrang herrschte am Sonnabendvormittag, 31. August 2019, Am Kanal in Pechau. Zahlreiche Schaulustige, vor allem Anwohner aus dem beschaulichen Stadtteil, waren gekommen, um der Feuerwehr über die Schulter zu schauen und kritisch nachzufragen.

Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) hatte gemeinsam mit der freiwilligen Feuerwehr zum ersten Probeaufbau des Spundwandsystems an der Deichdurchfahrt eingeladen. Dieses Verteidigungssystem wird auch in anderen Teilen der Stadt, zum Beispiel in Buckau entlang der Elbe, im Falle eines Hochwassers aufgebaut. Während der Aufbau westlich der Elbe mehrere Stunden in Anspruch nimmt, was vor allem der Länge der Spundwände geschuldet ist, ist man in Pechau binnen 30 Minuten vor der Flut geschützt. Die leichten Metallprofile werden übereinander in zwei Schienen in der Deichscharte verbaut. Insgesamt ist die Deichscharte sieben Meter breit und etwa 1,20 Meter hoch. Erfolgt der Aufbau richtig, ist das System wassserdicht.

9,1 Millionen Euro für Pechauer Deich

„Wir freuen uns wirklich sehr, dass wir diesen Aufbau nun erstmals gemeinsam mit dem LHW vornehmen können“, erklärte Thorsten Bothe von der Freiwilligen Feuerwehr Pechau. Auch allgemein sei man mit den Hochwasserspezialisten sehr glücklich gewesen. „Egal was man für ein Anliegen hatte, der LHW hat immer versucht eine Lösung zu finden.“ Ähnlicher Ansicht ist auch Ortsbürgermeister Bernd Dommning. „Das kann ich im Namen des Ortschaftsrates nur bestätigen“, so Dommning. Ronald Günther, Flussbereichsleiter für den Abschnitt Schönebeck beim Landesbetrieb, bringt es auf den Punkt. „Wir können nun mit Gewissheit sagen, dass der gesamte Bereich zwischen Flughafensiel an der B1 und Calenberge von Osten her sicher ist“, bestätigte Günther. Einen wichtigen Teil des Lückenschlusses habe man nun auch in Pechau getätigt. Zwar sei die Übergabe am Sonnabend kein offizieller Akt gewesen, jedoch könne man sich nun sicher sein, dass die Ehrenamtler im Ernstfall bestens gewappnet sind. „Übrigens ist vorgesehen, dass die Deichscharte geschlossen wird, sobald auch das Pretziener Wehr geschlossen wird.“

Thorsten Bothe ergänzt: „Die Leichtbauprofile werden selbstverständlich direkt bei der Feuerwehr auf dem Gemeindehof gelagert.“ Somit würden sich die Eingreifzeiten extrem verringern. „Wir werden auch regelmäßig üben, wie man die Spundwand aufbaut.“ Dass regelmäßige Übungen nötig sind, hat man auch am Sonnabend gesehen. Nicht jeder Handgriff saß sofort. „Wir müssen eben echt drauf achten, welches Teil wir wo einschieben“, schmunzelt Bothe, als drei Profile wieder herausgenommen werden müssen, weil sie verkehrt auf dem Unterteil sitzen. Wenn alle Teile einmal an ihrem Platz sind, werden sie noch mit Schrauben angezogen. Daraufhin wird die Gummilippe am unteren Ende an den Asphalt gepresst und somit die Dichtheit sichergestellt. „Deswegen ist es auch echt wichtig, dass wir die Spundwandteile pflegen.“

Seit Februar 2017 wurde der Deich östlich von Pechau ertüchtigt. Für die insgesamt 2670 Meter lange Deichanlage wurden rund 9,1 Millionen Euro aufgewendet. Seit Dezember letzten Jahres gilt der Bau als abgeschlossen. In diesem Jahr wurden nur noch Restarbeiten am Deich erledigt. Günther nennt ein paar Eckdaten zu dem Megaprojekt. „Allein in den Bauabschnitten 2 und 3 haben wir rund 25.000 Kubikmeter Erdmaterial bewegt.“ Im dritten Bauabschnitt seien zudem 615 Stahlpfähle mit einer Länge von elf Metern in den Boden gerammt worden. Dies sei nötig gewesen, da man eine sogenannte Moorplatte einbauen musste, weil der linke Umflutdeich einen alten Elbarm kreuzt. Allein diese Stahlbetonplatte, welche 240 Meter lang und 21 Meter breit ist, weist ein Volumen von etwa 5000 Kubikmetern auf.