Magdeburg l Eigentlich sollte der Blaue Bock Magdeburg im Dezember bezogen sein. Im Dezember 2019, hieß es einst zum Start der Abrissarbeiten im Mai 2016. Zur Grundsteinlegung im Dezember 2017 war dieser Termin bereits kassiert worden. Damals war die Rede davon, dass die Städtischen Werke Magdeburg (SWM) mit ihrer Firmenzentrale und ihrem Service­center im Jahr 2020 einziehen sollen. Spätestens ein oberflächlicher Blick auf die Baustelle macht aber stutzig: Hier sind bislang weniger die Umzugsunternehmen zugange, die Arbeitsmaterial in die neuen Büros transportieren. Vielmehr haben hier die Bauarbeiter noch das Sagen. Beispielsweise sind die Arbeiten an der Fassade noch nicht abgeschlossen.

Eine Nachfrage in der Unternehmensleitung bringt einen neuen zeitlichen Horizont ans Licht. „Der Umzug der Kolleginnen und Kollegen in unser neues Objekt ist nun für das erste Quartal 2021 geplant“, berichtet Unternehmenssprecherin Cornelia Kolberg.

Mehrere Gewerke drinnen, Baumpflanzer draußen

Grund für die mutmaßlich letzte Verzögerung: Coronabedingt musste der Zeitplan aktualisiert werden. Damit trifft es mit dem neuen Blauen Bock auch eine der großen Baustellen Magdeburgs, auf denen wegen fehlender Mitarbeiter oder ausbleibender Lieferungen Verzögerungen zu verzeichnen sind. Ein paar Hundert Meter weiter – an der Baustelle zum Tunnel – hatte es derartige Problem kaum gegeben.

Im Blauen Bock arbeiten jetzt aber im Innenausbau viele Gewerke parallel, so dass innerhalb des Gebäudes die Fortschritte im Ausbau unterschiedlich weit gediehen sind, berichtet Cornelia Kolberg.

Platz auf der Nordseite bekommt Stil

Die Arbeiten an den Außenanlagen – der Freifläche zwischen dem Gebäude und Karstadt – laufen ebenfalls. In der nächsten Woche sollen hier neun Bäume gepflanzt werden – auf dem neuen Boulevard, der zwischen Blauem Bock und Karstadt entsteht, und in der Fußgängerzone Kleine Münzstraße. Drei zusätzliche sollen in der Kleinen Münzstraße am Ciao Ciao in den Boden gebracht werden.

Bei der Innenhofgestaltung möchte das Unternehmen erklärtermaßen nichts auf sich kommen lassen. Immerhin ist man einer der wichtigsten Akteure der regionalen Wirtschaft und dank städtischer Beteiligung auch dem Gemeinwohl verpflichtet: in Form von Sponsoring für Soziales, Sport und Kultur – und eben auch in Form städtebaulicher Akzente nicht allein von prächtigen Gebäuden, sondern auch in Form von Räumen mit Aufenthaltsqualität.

Daher soll der Platz zwischen Karstadt und dem Blauen Bock – zu Zeiten des alten Blauen Bocks eher eine unansehnliche Asphaltfläche, die man als Passant gern wieder verließ – mit völlig neuen Qualitäten ausgestattet werden. Geplant sind unter anderem ein Pavillon, der Tautsche Formen modern interpretiert, Gastronomie und eben Bäume. Wie es sich für einen Energieversorger geziemt, soll das Ambiente durch eine attraktive Beleuchtung aufgewertet werden.

Neben SWM ist auch MDCC mit im Kundencenter

Neben den Fragen des Städtebaus – dass nämlich eine Baustelle verschwindet und dafür ein moderner Neubau das Bild bestimmt – dürfte für viele Magdeburger von Interesse sein, wann die für sie vorgesehenen Bereiche eröffnet werden. Unter anderem haben sich weitere Gastronomiebetriebe angekündigt – und kein Einzelhandel, wie die IG Innenstadt bereits vor Monaten beklagte.

Und auch die Arbeiten im neuen Kundencenter gehen gut voran, „so dass wir davon ausgehen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Umzug in das neue Verwaltungsgebäude ihre Arbeit aufnehmen können“, berichtet Cornelia Kolberg. Dabei werden im neuen Kundencenter anders als im bisherigen im City Carré nicht allein die Kunden der Städtischen Werke betreut, sondern auch die der Magdeburger City Com (MDCC), an der die SWM beteiligt sind. Geplant ist, dass es bei deren Betreuung keine Unterbrechung gibt.

Zu den Baukosten hatte sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren sehr bedeckt gehalten, ähnlich ist es mit Kostensteigerungen. Im jüngsten Jahresabschluss immerhin ist unter dem Punkt Prognose nachzulesen: „Schwerpunkt ist die Fertigstellung des neuen Verwaltungsgebäudes. Rund 36 Millionen Euro sind inklusive Ausstattungen dafür geplant.“ Diese Zahl werde eingehalten, so die Unternehmenssprecherin.