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Stadtentwicklung Streit um neuen Heumarkt in Magdeburg

Der Heumarkt in Magdeburg soll neu bebaut werden. Im Stadtrat gibt es Streit um den Erhalt von Gärten und Spielflächen.

Von Katja Tessnow 16.04.2019, 01:01

Magdeburg l „Die neue Straßenbahnlinie teilt den Heumarkt in drei Baufelder. Der Bebauungsplan ist toll, aber mit neuer Schule und dem Erhalt von Gärten und dem Spielplatz am Haus Mutter Teresa nicht umsetzbar. Das kann nicht Ihr Ernst sein.“ Oberbürgermeister Lutz Trümper wetterte zu Beginn der Heumarkt-Debatte im Stadtrat Magdeburg ganz gewaltig gegen Änderungsanträge zum Bebauungsplan, wie sie der Bauausschuss und Trümpers Parteikollegen aus der SPD-Fraktion vorlegten.

Einstimmig verlangt der Bauausschuss den Erhalt der Kleingartensparte „Am Zuckerbusch“ unmittelbar gegenüber der bestehenden Backsteinschule an der Cracauer Straße. Die Fläche aber hat das Stadtoberhaupt als idealen Standort für den dringend nötigen Schulneubau ins Auge gefasst. „Es wäre möglich und sinnvoll, die neue Schule gegenüber der alten zu errichten“, so Trümper.

Aktuell sind Grund- und Gemeinschaftsschule im Altbau angesiedelt – zu wenig Platz für beide; die Schülerzahlen steigen. Beschlossene Sache ist deshalb, dass die Grundschule auszieht – in einen Neubau, ein Standort wird schon länger und bisher vergeblich gesucht. Während die Linke und sogar die Gartenpartei signalisierten, dass sie sich zum Zwecke des Schulneubaus durchaus die Opferung der Sparte (etwa 20 noch bewirtschaftete Parzellen) vorstellen könnten, brachte SPD-Fraktionschef Jens Rösler einen bestehenden und auf den ersten Blick durchaus imposanten Altbau als neuen Grundschulstandort ins Spiel: „Unsere erste Wahl wäre das alte Verfassungsschutzgebäude am Zuckerbusch.“

Ob und zu welchen Konditionen das Objekt im Landesbesitz überhaupt zur Verfügung steht, ist aktuell völlig unklar. Die Verfassungsschützer räumten das Haus fluchtartig, weil hier giftiges Naphthalin in der Luft liegt. Die Sanierungskosten kennt in der Stadt Magdeburg noch niemand, „außerdem prüft das Land noch, ob es Eigenbedarf hat“, so Trümper. Er befürchtet, dass noch ein bis zwei Jahre ins Land gingen, bis sich Stadt und Land handelseinig werden könnten, die Sanierung und Abtretung des Objekts betreffend.

Aus Trümpers Sicht drohte ein viel zu schleppendes Verfahren. Die neue Schule wird besser heute als morgen gebraucht. Für die Gartenpartei regten Roland Zander und Marcel Guderjahn die Vertagung der Abstimmung und Gespräche mit den Kleingärtnern vor Ort an. Ein Teil ihrer Sparte ist bereits den vorbereitenden Arbeiten für die neue Straßenbahntrasse zum Opfer gefallen und gemütlicher wird es am Großbaustandort auf mittelfristige Zeit nicht; möglich, dass die Gärtner selbst Fluchtgedanken entwickeln.

Entschieden für die Umsetzung des bereits 2014 im Rat beschlossenen Heumarkt-Bebauungsplanes warf sich Alfred Westphal (Grüne) in die Bresche. „Das ist eine Chance, unsere Innenstadt nach Osten hin auszudehnen und elbnah ein belebtes neues Viertel mit viel Aufenthalts- und Wohnqualität zu schaffen.“

Nach bunt gemischten Wortmeldungen pro und kontra Garten- und Spielplatzerhalt aus allen möglichen Fraktionen sah der Rat ein, dass die Diskussion längst nicht abgeschlossen ist. Die Entscheidung wurde vertagt. Zunächst wird im Bauausschuss weiter gestritten.