Magdeburg l Unter der Überschrift „Visionen einer neuen Magdeburger Altstadt“ stellte die Volksstimme zwei Entwürfe des Architekten Pakertharan Jeyabalan vor. In großem Detail zeichnete er eine mögliche Bebauung rund um die Johanniskirche/Jakobstraße und um das Kloster Unser Lieben Frauen. Er orientierte sich dabei an der Vorkriegsarchitektur.

Auch wenn die Entwürfe faszinierend aussehen, müssen sie auch praktisch umsetzbar sein. Die Volksstimme bat deshalb das Stadtplanungsamt um eine Stellungnahme zu Jeyabalans Zeichnungen. Dessen Leiterin Heide Grosche erklärt: „Diese Ideen spiegeln den Wunsch nach einer baulich geschlossenen und lebendigen Innenstadt wider.“ Ob dies mit einer so dichten Bebauung den heutigen Gesichtspunkten und Nutzungsansprüchen einer nachhaltigen Stadtentwicklung gerecht wird, sei kritisch zu hinterfragen.

Dieter Scheidemann, Baubeigeordneter, sagt: „Es ist atmosphärisch schön, damit würde man aber auch die Schwächen dieser Architektur aufleben lassen.“ Die Belüftung und das Licht seien bei solch dichter Bauweise mit ihren engen Hinterhöfen „extrem problematisch“, was schlecht für das Wohngefühl wäre.

Behutsame Stadtreparatur

„Richtig ist, dass es Magdeburg gelingen muss, im Rahmen einer behutsamen Stadtreparatur Lücken in der Innenstadt auch baulich zu füllen“, sagt die Amtsleiterin. Dies sollte jedoch immer vor dem Hintergrund des Klimawandels und heutiger Bedürfnisse an die Mobilität und das Wohnen in der Stadt geschehen. Für den Bereich der Jakobstraße werde bereits ein Bebauungsplan aufgestellt, der genau dies berücksichtige.

Als positives Beispiel einer Entwicklung von wieder in sich geschlossenen Quartieren nennt Heide Grosche das neue Domquartier am Breiten Weg: „In diesem Sinne sollte Magdeburg die Innenstadtentwicklung weiter verfolgen.“

Innenhöfe klein und erdrückend

Auch Wobau-Chef Peter Lackner hat Vorbehalte gegen die Entwürfe. Sie sehen die Wiese vor der „Wobau-Welle“ dicht bebaut. „Die Gestaltung wirkt auf den ersten Blick sehr romantisch. Die ausgestalteten Innenhöfe vor unserer Regierungsstraße wirken aber zum Teil klein und erdrückend.“

Die moderne Architektur der Wobau-Welle sollte bei der Entwicklung des Prämostratenserberges fortgeführt werden. „Die Abwechslung von moderner und historischer Bauweise führt unseres Erachtens zu mehr Vielfalt und höherem touristischen Interesse“, sagt Lackner und nennt das Hundertwasserhaus als Beispiel.