SAB und Teile der Rathausverwaltung treten für einen Tag in den Ausstand

Städtische Abfallentsorger streiken: Fahrzeuge im Depot, Mülltonnen voll

Von Peter Ließmann

Im Rahmen der Tarifverhandlungen zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und den öffentlichen Arbeitgebern wurde gestern der Abfallwirtschaftsbetrieb bestreikt. Im Rathaus beteiligten sich einige Mitarbeiter des Sozial-, Bau- und des Ordnungsamts an dem Ausstand.

Magdeburg l Die Streikposten vor dem Tor in der Sternstraße sind entschlossen: Lange genug habe man auf wirkliche Lohnzuwächse verzichtet, jetzt müsse eine entscheidende Verbesserung kommen, ist man sich einig. Rund 15 Mitarbeiter, alle in rotweißen Verdi-Westen, stehen vor dem Tor des Abfallwirtschaftsbetriebes und "machen dicht". "Sehen Sie", sagt eine Mitarbeiterin "die ganze Wagenflotte steht auf dem Hof." Das sei ein Erfolg.

Von den rund 300 Mitarbeitern des städtischen Unternehmens, egal ob Fahrer oder Verwaltungspersonal, nahmen laut Verdi fast alle an diesem Warnstreik teil. Hinter der zentralen Forderung der Gewerkschaft, 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat, stehen die Streikposten in der Sternstraße voll und ganz. "Miete, Benzin, Lebensmittel, alles wird ständig teurer, nur unsere Löhne steigen nicht", sagt ein Streikposten. Ein anderer wirft ein, dass man in den vergangenen Jahren im Grunde Lohnverzicht geübt habe, weil die Kassen der Kommunen leer waren. Jetzt werde immer wieder davon berichtet, dass die Steuereinnahmen deutlich angestiegen seien. "Darum ist unsere Forderung nicht überzogen", sagt eine streikende Mitarbeiterin. "Und die Wende ist jetzt über 20 Jahre her, darum ¿gleicher Lohn für alle", wirft ein Streikposten sichtlich verärgert ein.

Gestern war es ein erster Warnstreik, wenn aber die Tarifverhandlungen nicht erfolgreich verlaufen, sei man auf jeden Fall bereit, wieder zu streiken, geben sich die Streikposten in der Sternstraße kämpferisch. Dass sie ihren Streiktag "nacharbeiten" müssen, das sei für sie kein Problem. Am kommenden Sonnabend rücken die Müllfahrzeuge zu einer Sonderschicht aus, um den Ausfall der Müllentsorgung von gestern auszugleichen. "Das ist unser Job, und dafür gibt es mit dem Betrieb auch eine entsprechende Vereinbarung", so ein Streikposten.

Holger Platz, für die städtische Verwaltung zuständiger Beigeordneter, hat zwar Verständnis für die Forderung der Streikenden nach einer Lohnanhebung, hält die von Verdi aber verlangten 6,5 Prozent für deutlich zu hoch. Das würde für die Stadt Magdeburg ein Mehr an Personalkosten von rund 7,5 Millionen Euro bedeuten. Das sei für die Stadt allein "unbezahlbar", so Platz. "Lohnerhöhung ja, aber im bezahlbaren Rahmen."