Magdeburg l Bereits 2017 hatte sich die SPD im Rat der eher farblosen Rückfront des historischen Rathauses am Alten Markt angenommen. Die Sozialdemokraten wünschten sich eine farbliche Gestaltung, angelehnt ans Bauhaus und die Kampagne „Buntes Magdeburg“ seines Magdeburger Protagonisten Carl Krayl. Die Idee fand eine Mehrheit im Rat. Die Verwaltung ist beauftragt, ein Konzept zur Farbgestaltung der Rathaus-Rückseite zu erarbeiten.

CDU/FDP wollten nun noch eins draufsetzen. „Unser Antrag qualifiziert Ihren Antrag“, erklärte Klaus Kutschmann und dass seine Fraktion einen hohen künstlerischen Anspruch bei der Umsetzung wünsche. „Vom Mittelalter bis heute könnte die Stadtgeschichte am Rathaus dargestellt werden, aber nicht mit dem Fokus auf Krisen und Zerstörung, sondern auf die gute Entwicklung.“

Vorbild Bauernkriegspanorama

Zum Vergleich dazu, was seiner Fraktion am Rathaus vorschwebe, zog Kutschmann das berühmte Bauernkriegspanorama von Werner Tübke in Bad Frankenhausen heran. Das monumentale Werk – 123 Meter lang und 14 Meter hoch – entstand in den Jahren 1976 bis 1987 und zählt mit 1722 Quadratmetern Fläche zu den größten Tafelbildern der Welt. Der Volksmund taufte es schon kurz nach seiner Fertigstellung ironisch „Elefantenklo“.

Bilder

„Wir werden das ablehnen“, konterte SPD-Fraktionsvize Falko Grube kurz und prägnant. Zum einen konterkarriere ein Gemälde die beschlossene Bauhaus-Farbgebung. Zum anderen erinnere ihn die Gemäldeidee an ein Alpenpanorama, wie es an vielen süddeutschen Häusern zu finden sei „und das passt hier nicht her“.

Schönheit im Auge des Betrachters

Im Grünen Alfred Westphal fanden die Christdemokraten zumindest einen grundsätzlichen Sympathisanten. „Ist die Fassade schön? Guckt sie Euch an“, rief Westphal in den Ratssaal und noch kräftiger: „Ich finde unser Rathaus schön, aber die Fassade von hinten zum Kotzen“. Es sei schon richtig, sich Gedanken über ihre Verschönerung zu machen.

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) verstand nun glatt die Welt nicht mehr: „Unser historisches, denkmalgeschütztes Rathaus ist erst bis 2005 aufwendig und unter Einbeziehung hochrangiger Architekten saniert worden. Wie es nun aussieht, das hat schon so alles seine Bedeutung in heutiger Zeit“, sagte Trümper und bat die Räte, sich doch nur mal im modern umgestalteten Ratssaal umzusehen. „Hier drin sieht es doch auch nicht mehr aus wie 1631.“

Magere 17 Stimmen fürs Bild

Am Ende votierten magere 17 Räte von CDU/FDP und Links für Magdeburg fürs Gemälde am Rathaus, aber eine große Mehrheit dagegen – kein Gemälde am Rathaus.