Magdeburg l Mehr Neugeborene, als vor Jahren noch vermutet, bescheren wenige Jahre später den Schulen volle Klassen. So ist es derzeit der Fall in Magdeburg. Mit der Verschiebung der Grenzen von Schuleinzugsbezirken versucht die Stadt Magdeburg dafür zu sorgen, dass die Klassen nicht zu groß werden. Und dank moderner Rechentechnik werden nach dem aktuellen Verfahren von Jahr zu Jahr die Adressen der künftigen Erstklässler so sortiert, dass die Schulwege insgesamt so kurz wie möglich sind. Fein säuberlich wurde eine Liste mit allen Straßenzügen und deren Zuordnung zu den Grundschulen erstellt.

Bevor der Stadtrat Magdeburg am 11. April 2019 über die Grundschulbezirke entscheiden soll, hatte der Ausschuss für Bildung, Schule und Sport das Wort. Er empfiehlt dem Stadtrat, den Vorschlag der Verwaltung anzunehmen – nicht ohne zuvor aber intensiv zum Thema diskutiert zu haben.

Kurze Schulwege sind Ziel

Kerstin Richter leitet den Fachbereich Schule und Sport in der Stadtverwaltung und erläutert: „Mit der Vorgabe, dass die Schulwege insgesamt nicht zu groß ausfallen, gibt es wieder Regelungen, die auf den ersten Blick etwas verwundern.“ Ein Beispiel ist die Grundschule Schmeilstraße. Kinder aus der unmittelbaren Nachbarschaft sollen hier in der Grundschule Diesdorf eingeschult werden. Ziel dieser Regelung ist es, dass Schüler beispielsweise aus dem Wohngebiet Schmeilstraße dort Platz finden und nicht nach Diesdorf müssen. Ähnliche Situationen gebe es in der Neustadt und im Bereich der Leipziger Straße.

Vor dem Hintergrund der Wanderung der Grundschüler vom Europaring in Richtung Schmeilstraße stellt sich durchaus die Frage, warum keine näher gelegenen Schulen in Stadtfeld infrage kommen. Gibt es doch auch Schulstandorte in der Annastraße, am Westring und in der Wilhelm-Külz-Straße. Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Diese Schulen sind bereits voll.

Aus Stadtfeld an Schule in Sudenburg

Mehr noch: Sie sind so gut ausgelastet, dass die Stadtverwaltung – auch um die Klassen auf Geheiß des Stadtrates nicht zu groß werden zu lassen – einige Erstklässler zum Beginn des Schuljahres 2020/21 in der Grundschule Sudenburg einschulen möchte. Betroffen sind von diesem Vorschlag Bereiche in der Beimssiedlung, aber auch zwischen Lessingstraße und Westring.

Während der Sitzung des Bildungsausschusses kritisierte Grünenstadtrat Jürgen Canehl diese Entscheidung deutlich: Den Kindern werde ein Schulweg von zum Teil mehr als zwei Kilometern zugemutet. Nach seinen Informationen wären zehn Erstklässler davon betroffen.

Mit Bus 17 Minuten unterwegs

Dem hält Fachbereichsleiterin Kerstin Richter entgegen: „Es gibt eine Busverbindung, mit der die Schüler in 17 Minuten ihre Grundschule erreichen könnten. Das ist zumutbar.“

Jürgen Canehl indes möchte es damit nicht auf sich beruhen lassen. Mit Blick auf eine Regelung in Ottersleben, nach der für Viertklässler Büroräume hergerichtet werden, solange die Schulerweiterung an der Grundschule nicht steht, möchte auch er einen Ersatzstandort auf Zeit: Im Stadtrat möchte er einen Antrag einbringen, dass eine entsprechende Investition ins ehemalige Verwaltungsgebäude der Verkehrsbetriebe am Westring geprüft werden solle. Dieses Gebäude befindet sich an der Grundschule Westring auf der anderen Seite der Spielhagenstraße.

Bus nach Westerhüsen

Geradezu simpel lösbar erscheint derweil das Problem, welches Frank Thiel, der als sachkundiger Bürger im Schulausschuss mitwirkt, vorgebracht hatte: Er hatte angemerkt, dass die Kinder aus Beyendorf-Sohlen nach wie vor in Reform in der Grundschule Lindenhof eingeschult werden sollen – obwohl bis dahin ja eine Busverbindung nach Westerhüsen bestehen soll, wo es eine Grundschule gibt, in der Platz wäre. Kerstin Richter berichtet, dass die noch fehlende Planungssicherheit dafür, wie und wann die Busse der Magdeburger Verkehrsbetriebe fahren sollen, ausschlaggebend gewesen sei. Für die Zukunft werde man Westerhüsen als Grundschulstandort für Beyendorf-Sohlen in Betracht ziehen.

Erst mit dem Beschluss des Stadtrats am Donnerstag wird der Zuschnitt der Schulbezirke für die Schulanfänger des Schuljahres 2020/21 verbindlich. Kerstin Richter wies darauf hin, dass dennoch die Zahl der Klassen in den einzelnen Schulen und die Größen der in anderthalb Jahren zu bildenden Klassen noch nicht hundertprozentig feststehen. So arbeitet die Verwaltung zwar mit Erfahrungswerten, was den Anteil der Schüler angeht, die in freien Schulen eingeschult werden und daher keinen Platz an einer öffentlichen Schule benötigen.

Rund 1000 Veränderungen

Doch die individuellen Entscheidungen in den einzelnen Familien sind der Verwaltung noch nicht bekannt. Zudem gibt es aufgrund von Zu- und Wegzügen Veränderungen. Kerstin Richter: „In unserem Plan müssen wir voraussichtlich wie in den Vorjahren rund 1000 Veränderungen berücksichtigen.“

Hier finden Sie ein pdf-Dokument, indem eine Liste angehängt ist, in der alle Adressen und der jeweils dazugehörende Grundschulstandort in Magdeburg verzeichnet ist.