Magdeburg l Wenn es nach der Stadtratsfraktion Grüne/Future! geht, sollen in Magdeburg beim Hausbau die Dächer ergrünen oder Stationen für Photovoltaikanlagen oder Sonnenkollektoren werden. Der Vorschlag wurde nun zunächst im Januar 2020 im Bauausschuss diskutiert. Im Oktober war der Grünenantrag eingebracht worden.

Während die Stadträte hier mehrheitlich noch Diskussionsbedarf sehen, steht die Magdeburger Stadtverwaltung dem Thema grundsätzlich positiv gegenüber: Im Januar 2018 hatte der Stadtrat bereits beschlossen, ein Gebäude­grünkonzept für Magdeburg erstellen zu lassen. Dieses soll mit den Schlagwörtern Gestalten, Fördern und Fordern die Stadt voranbringen. Derzeit finde eine Feinabstimmung für dieses Konzept statt, so dass es noch im ersten Quartal dem Stadtrat vorgelegt werden könne.

Risiken und Nebenwirkungen

CDU-Stadtrat Reinhard Stern indes wies auf Risiken hin: „Das macht das Bauen teurer.“ Auch bei anderen Vorschriften, die in den vergangenen Jahren für Bauherren aufgestellt wurden, hatte er ebenso wie weitere Mitglieder seiner Fraktion auf derartige Bedenken hingewiesen und solche Vorgaben als einen Grund für steigende Mieten benannt. Daher sollte man zunächst Vertreter der Immobilien- und Wohnungswirtschaft anhören, so das Ansinnen der Christdemokraten. Aus diesem Grund auch der Vorschlag, den Antrag zu vertagen und zum nächsten Mal Vertreter von Wobau, dem stadteigenen Kommunalen Gebäudemanagement, Genossenschaften sowie vom Hauseigentümerverband Haus und Grund einzuladen.

Für diesen Wunsch gab es im Bauausschuss auch eine Mehrheit. René Hempel (Die Linke) begründete sein Votum pro Verschiebung: „Ich möchte schon wissen, wer dann nicht mehr bauen kann. Daher möchte ich die Experten aus dem Bereich gern anhören.“

Praxis über viele Jahre

An dieser Mehrheitsmeinung änderte auch der Hinweis von Stadtplanungsamtsleiter Matthias Lerm nichts, der darauf verwies, dass das Thema in der Arbeitsgruppe Stadtumbau vorgetragen worden sei, mögliche Mehrbelastungen dort aber nicht auf den Tisch kamen. Für eine sofortige Abstimmung hatte die bündnisgrüne Madeleine Linke geworben: Seit Jahren baue zum Beispiel die Wobau Gründächer, ohne dass dies ein Problem sei. Und auch beim Neubau von Eigenheimen sei der Bau von Solaranlagen inzwischen fast schon Standard.

Dass das Thema nicht allein Magdeburg beschäftigt, wusste übrigens der SPD-Stadtrat und Landtagsabgeordnete Falko Grube zu berichten: Im Landtag nämlich werde derzeit darüber beraten, wie entsprechende Bauvorhaben unterstützt werden können.

Lebensräume und Klima

Ziel der Begrünung von Dächern ist zum einen, Lebensräume insbesondere für Insekten zu schaffen, bei denen derzeit ansonsten ein deutlicher Rückgang zu beobachten ist. Bepflanzte Dächer befeuchten außerdem die Luft und sorgen für Abkühlung. Dies wirke sich vor allem auf angrenzende Wohn- oder Arbeitsräume aus, leiste aber auch einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung des Kleinklimas im dichten Stadtgebiet, so die Fraktion Grüne/Future! in der Begründung zu ihrem Antrag.

Die dezentrale Energie­gewinnung durch Sonnenkollektoren oder Photovoltaik­anlagen soll als Alternative den Anteil regenerativer Energie im Stromverbrauch Magdeburgs steigern und damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Positiver Nebeneffekt: Durch die Beschattung von Dächern könnte hier in den immer heißer werdenden Sommern ein zusätzlicher Nutzen entstehen.

Kilmaschutz im Fokus

Der Bauausschuss möchte sich zunächst mit Experten zu dem Thema austauschen. Daneben hat aber auch der Umweltausschuss über den Wunsch zu grünen Dächern und Solarenergie aus Magdeburger Häusern zu beraten. Bei ihm steht das Thema für die Beratung am 21. Januar 2019 um 17 Uhr im Alten Rathaus auf der Tagesordnung. Ebenso wird er sich eine Meinung bilden und eine Empfehlung zur Entscheidung für den Stadtrat abgeben. Dieser hat im Anschluss das letzte Wort.