Magdeburg l Gescheitert sind die Sozialdemokraten im Magdeburger Stadtrat bei dem Vorstoß, neues Familienbauland im Bereich des Fort VI am Kroatenweg im Stadtteil Nordwest zu schaffen. Bereits im Vorfeld hatte die Stadtverwaltung ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht: Selbst wenn man das Gelände vom aktuellen Eigentümer, dem Land Sachsen-Anhalt, geschenkt bekommen hätte, hätte man es nicht haben wollen.

Der Grund für die klar formulierte Ablehnung: Es wäre unverhältnismäßig teuer gewesen, hier die zur Bebauung geeigneten Flächen herzurichten. Letztendlich wäre der Preis so hoch gewesen, dass Grundstückspreise über den in Magdeburg derzeit üblichen Werten hätten aufgerufen werden müssen. Nicht für eine Bebauung genutzt worden wären die Bereiche mit denkmalgeschützten Resten der Festungsanlage, Baumbestände sowie Flächen, die inzwischen entsprechend einem Beschluss des Stadtrats im stadtklimatischen Beschränkungsbereich liegen – sprich, wo Häuser die Kaltluftzufuhr in Richtung Innenstadt nicht behindern dürfen.

Zuschüsse vom Land wären nötig

Eine Entwicklung des Gebiets wäre aus Sicht der Verwaltung allenfalls dann denkbar gewesen, wenn das Land die Differenz zwischen den Kosten für die Herrichtung der Fläche und dem Verkaufserlös zahlt und auch für die auf Dauer anfallenden Kosten für den Erhalt des denkmalgeschützten Bereichs aufkommen würde. Die Rede war von einmalig 1,44 Millionen Euro und 170 000 Euro pro Jahr.

Das Fort VI befindet sich im äußersten Norden des Stadtteils Nordwest. Vielen Magdeburgern ist das Gelände des Gebiets als Standort der Zivilverteidigung bekannt, als welches es nach dem Zweiten Weltkrieg genutzt wurde. Angelegt worden war das Fort als Teil des Rings von Festungsanlagen um Magdeburg in den Jahren 1866 bis 1873. Unter anderem befanden sich hier eine Reverskasematte, Pulvermagazine, Mitteltraverse, Blockhäuser und ein Pferdestall. Eine völlig andere Nutzung hatte das Gelände ab dem Jahr 1920 erfahren, als es als Schule mit reformpädagogischem Ansatz genutzt wurde. Daran erinnert in der Nachbarschaft bis heute ein Straßenname: An der Waldschule.

Fragen zum Denkmalschutz

Der Verein „Freunde der Festung Magdeburg“ hatte im vergangenen Jahr zum Tag des offenen Denkmals für Besucher Führungen über das Gelände organisiert. Bei dieser Gelegenheit hatte der Verein auf die Bedeutung von Fort VI hingewiesen: Es sei trotz der sich seit den 1990er Jahren ausbreitenden Vegetation so gut erhalten wie kein anderes Fort in Magdeburg. Es sei dringend notwendig, die Anlage vor Verfall und Veränderung zu schützen. Bei einer Veräußerung des gesamten Forts an Privatinvestoren bestünde die Gefahr, dass durch ein Zumauern von Öffnungen einem weiteren Verfall Vorschub geleistet würde. Falls sich auf dem Gelände indes Pflanzen weiter ausbreiten, drohe die Zerstörung von Mauerwerk durch Baumwurzeln, hieß es seitens des Vereins der Magdeburger Festungsfreunde anlässlich der gut besuchten Führung im vergangenen Jahr.

Das Interesse an Eigenheimen in Magdeburg ist groß. In den vergangenen Jahren wurden nahezu in allen Stadtteilen der Landeshauptstadt entsprechende Projekte vorangetrieben. Ganze Viertel waren auf diese Weise neu entstanden. Vorbereitungen zum Bau weiterer Eigenheimgebiete laufen derzeit u. a. in Neu-Olvenstedt, in Diesdorf und in Stadtfeld-West.