Magdeburg l Unter dem Motto „Optimierung von Schulbezirken“ soll die Zuordnung zu Grundschulen in Magdeburg neu gemischt werden. Auch in den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Veränderungen gegeben. Die Stadtverwaltung hat für die Dezembersitzung 2019 des Stadtrats eine Beschlussvorlage vorbereitet.

Hintergrund: Die Stadt kämpft um die Einzugsbereiche ihrer Grundschulen. In einigen Gebieten der Stadt reichen die Einrichtungen seit Jahren nicht aus, in anderen ist noch ein bisschen Platz. Ziel der Stadt ist es, nicht mehr als 22 Kinder in einer Grundschulklasse zu haben.

System weicht Grenzen auf

Zuletzt hatte die Stadtverwaltung die Zuordnung von Erstklässlern nach einem flexiblen System organisiert. Sprich: Gerade in den Randbereichen von Schulbezirken konnte es sein, dass Straßenzüge von Jahr zu Jahr einer anderen Grundschule zugeordnet werden. Diese Regelung hatte das Landesschulamt Sachsen-Anhalt moniert. Über den zukünftigen Modus sollen noch Gespräche stattfinden.

Eingespeist werden zur Zuordnung der Grundschüler in das Programm die Anschriften der Kinder, die im kommenden Schuljahr tatsächlich eingeschult werden sollen. Per Rechner wird ermittelt, wie für die Summe aller Schulen möglichst kurze Schulwege gewährleistet werden. Dabei kann es zu der anscheinend paradoxen Situation kommen, dass Schüler, die neben der einen Schule wohnen, in einer anderen eingeschult werden, um für Schüler aus einem benachbarten Straßenzug keine unzumutbaren Wege entstehen zu lassen und die Gesamtstrecke des Schulwegs für alle Schüler möglichst günstig zu halten. Das ist eine Art verordnete Schulweg-Solidarität.

Der Schulausschuss hat dem Stadtrat jetzt empfohlen, die Verwaltung zu beauftragen, auf diesem Wege die Erstklässler fürs kommende Jahr 2020/21 den Grundschulen zuzuordnen. Es ist zu erwarten, dass, wenn die Schüler erst einmal den Grundschulen zugeordnet sind, neuerliche Diskussionen beginnen werden. Im vergangenen Jahr sorgte der Vorschlag für Aufregung, Schüler aus Stadtfeld der Grundschule Sudenburg zuzuordnen.

Aufwendige Berechnung

Dass die Stadtverwaltung die Liste mit der Zuordnung nicht schon jetzt vorgelegt hat, damit der Stadtrat lange und intensiv diskutieren kann und damit sich auch die Familien der betroffenen Kinder mit dem Thema auseinandersetzen können, hat einen einfachen Grund: Die Berechnung ist so aufwendig, dass die Verwaltung erst einmal die Zustimmung des Stadtrats benötigt, um mit der Arbeit beginnen zu können.

Beachtet werden sollen für die Berechnung eine Reihe von Parametern.
Entfernung: Zwischen Wohnort und Schule sollen die Kinder nicht mehr als 30 Minuten benötigen. Ein Fußweg von zwei Kilometern gilt als angemessen. Bei der Nutzung von Bus und Bahn gilt die gleiche Zeit, die Wegstrecke kann aber größer ausfallen.
Klassengrößen: Basis für die festgelegten Aufnahmekapazitäten sind die Raumkapazitäten des jeweiligen Schulstandortes. Diese werden mit den Schulen abgestimmt.
Migranten: Grundschulen mit mehr als einem Viertel Migrationsanteil sollen nur 17 Schulanfänger über das Verfahren bekommen. Der Rest der Kapazitäten wird für Klassenwiederholer freigehalten.
Stadtteile: Lemsdorf wird durch die Optimierung nicht geteilt. Erstklässler aus Beyendorf-Sohlen werden der Grundschule Westerhüsen zugeordnet. Die Leipziger Chaussee bildet die Grenze zwischen den Grundschulen Am Hopfengarten und Lindenhof.
Ausnahmen: Begründete Ausnahmeanträge auf Beschulung an einer Grundschule außerhalb des Schulbezirkes z. B. wegen eines Geschwisterkinds müssen an das Landesschulamt  gerichtet werden.
Reserven: Es werden keine Abgänge an Schulen in freier Trägerschaft für die Berechnung abgezogen, um an allen Grundschulen einen Puffer für Wiederholer zu schaffen.

Kapazitäten in den Schulen werden erweitert

In Zukunft dürfte sich die Situation in Magdeburg ein wenig entspannen: Weitere Schulkapazitäten werden aufgebaut. So werden die Grundschulen in Brückfeld und Diesdorf erweitert. Unterschiedliche Planungsstände liegen für den Neubau kompletter Schulen an der Grenze zwischen Buckau und Fermersleben, in Ostelbien sowie in Stadtfeld-Ost vor. Außerdem soll in der Moldenstraße in einem seit Jahren leerstehenden Gebäude eine neue Schule aufwachsen – so wie es seit einigen Monaten auch in der reaktivierten Schule in der Bertolt-Brecht-Straße der Fall ist.