Hintergrund

In Magdeburg leben aktuell rund 38 000 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 18 Jahren; das sind knapp 6000 mehr als noch 2015.

Laut aktueller Beschlusslage sollen jedem Kind und Jugendlichen in Magdeburg rein rechnerisch mindestens zehn Quadratmeter Spielplatz zur Verfügung stehen.

Die Stadt bewirschaftet rund 239 000 Quadratmeter Spielplatzfläche. Hinzu kommen rund 51 000 Quadratmeter öffentlicher Spielfläche unter anderem bei Vermietern. Hinter dem rechnerischen Bedarf von 380 000 Quadratmetern bleibt die Stadt weit hinter eigenen Ansprüchen zurück.

Magdeburg will deshalb stadtteilbezogen – ja nach Kinderzahl im Kiez – die Spielplatzlandschaft weiter ausbauen, plant aber auch Rückbau in Gebieten mit sinkender Kinderzahl. Das stieß im Rat auf Kritik vor allem aus den dörflichen Stadtrandlagen wie Randau, Pechau und Beyendorf-Sohlen.

Ab 2021 erhöht die Stadt ihr Budget zur Spielplatzbewirtschaftung von 490 000 Euro auf 675 000 Euro im Jahr. Der Stadtrat stimmt dem einstimmig zu.

Magdeburg l Jedes Kind in Magdeburg soll zehn Quadratmeter Platz zum Spiel auf öffentlichen Plätzen haben – das ist die Richtzahl, was das Maß an Spielplatzfläche in der Stadt anbelangt. Der Anspruch bleibt rund 90.000 Quadratmeter hinter der Realität zurück. Knapp 38.000 Kinder und Jugendliche haben aktuell etwa 280.000 Quadratmeter Spielplatz in der Stadt. Der Stadtrat – das ist gänzlich unstittig in allen politischen Lagern – votierte auf seiner jüngsten Sitzung einstimmig für die neue Spielplatzkonzeption, die auf den Neu- und Ausbau von Plätzen setzt und auf mehr Geld zur Spielplatzunterhaltung.

Im Detail – beim Blick in die einzelnen Stadtteile – wirft die rein statistische Betrachtungsweise Probleme auf. Das wurde in der Debatte vor dem Votum deutlich. An deren Beginn liefen alle Ortsbürgermeister der drei dörflichen Stadtrandlagen Pechau, Randau-Calenberge und Beyendorf-Sohlen im Rat auf – mit der gleichen Botschaft: Kein Rückbau! Weil in den genannten Dorfstadtteilen der rein rechnerische Bedarf an Spielplatzmetern im Bezug zur dortigen Kinderzahl eine Planübererfüllung ergibt, sollten perspektivisch vor allem kleinere Altspielflächen mit ein, zwei Schaukeln und Klettergerüst weichen. Der für die Bewirtschaftung zuständige Stadtgartenbetrieb will Aufwand minimieren.

Rückbau am Stadtrand gestoppt

Der Stadtrat folgte stattdesssen den Argumenten der drei Ortsbürgermeister Günther Kräuter (Randau), Bernd Dommning (Pechau) und Niko Zenker (Beyendorf), dass ihren Bewohnern schwer zu vermitteln sei, dass angestammte Spielflächen zugunsten von Nebauten in der Kernstadt rückgebaut werden sollen. Alle drei hatten gleichermaßen Erfolg. Der Rückbau am Stadtrand wurde gestoppt. „Nicht mit uns. Wenn wir soviel für den Tunnel ausgeben, muss auch Geld für die Kinder da sein“, brachte Gartenparteiler Roland Zander markig auf den Punkt, was wohl viele in der Ratsgemeinde umtrieb.

Betriebschefin unter Druck

Simone Andruschek, als Stadtgartenbetriebschefin zuständig für die Platzunterhaltung, reagierte angespannt. „Wir geraten finanziell und personell in Bedrängnis, das bitte ich zu bedenken. Alle Spielplätze müssen regelmäßig kontrolliert werden. Die Dokumentation ist wichtig. Es geht um Sicherheit.“

Angebote für alle Altersgruppen

Neben dem Spielplatzausbau sah das Konzept an elf Standorten Rückbauten vor; die Zahl ist dezimiert. Andruschek sieht ihren Betrieb daneben vor anderen Herausforderungen: „Zunehmend gefragt sind auch generationsübergreifende Angebote im öffentlichen Raum.“ Es geht um Sport- und Aufenthaltsanlagen für alle Altersgruppen, auch für die wachsende Zahl von Senioren.

Dass am Ende – bei der konkreten Umsetzung der Konzeption – allein die Statistik Maßstab sein kann, zweifelt auch Julia Brandt (SPD) an: „Kinder sind keine statistische Größe.“ Das schiere Flächenmaß müsse nicht nur ins Verhältnis zur Kinderzahl vor Ort, sondern auch in Relation zur Weglänge zum nächsten Spielplatz gesetzt werden“, pflichtet Wigbert Schwenke (CDU) dem bei.

Volle und leere Plätze

Mit plastischen Beispielen, teils aus dem eigenen Wohnumfeld, reicherte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) die Debatte an. „Wie sinnvoll ist ein Spielplatz an welcher Stelle? Zum Beispiel im Stadtpark, niemand wohnt da, aber alle rammeln hin. Der Spielplatz ist immer voll.“ In seiner Nachbarschaft in Olvenstedt gebe es allein vier Spielplätze, so Trümper. „Drei davon liegen zwischen Eigenheimen und werden kaum genutzt. Da baut sich auch fast jeder einen eigenen Spielplatz aufs Grundstück.“ Der Platz im benachbarten Neubaugebiet sei dagegen stark nachgefragt. Trümper plädierte für teils neue Bewertungen im Detail.

Die Spielplatzkonzeption ist langfristig angelegt mit Entwicklungsplänen bis 2030. Die Richtung ist vorgegeben: mehr Geld für Ausbau und Pflege. Im Detail wird die Umsetzung noch für reichlich Diskussionsstoff sorgen.