Magdeburg l Seit Jahren wird an der Neugestaltung des Nicolaiplatzes geplant: Mehr Aufenthaltsqualität soll entstehen, die klassizistische Nicolaikirche hervorgehoben werden. Für die Novembersitzung hat die Stadtverwaltung aus mehreren Varianten einen Vorschlag erarbeitet. Falls der Stadtrat am 1. November 2018 zustimmt, soll der Platz als neuer Anziehungspunkt in der Neustadt bis 2020 umgestaltet sein. Die Kosten in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro sollen im Wesentlichen über Förderprogramme finanziert werden.

Zwei große Knackpunkte in der Diskussion sind die Fällung von Linden abseits der Rasenflächen und der Plan, den Platz an den Rändern für Autos zur Lübecker Straße zu öffnen. In Vorbereitung auf die Abstimmung im Stadtrat hat es insbesondere im Umweltausschuss und im Bauausschuss dazu einen intensiven Austausch gegeben.

Zufahrt zur Lübecker Straße

Während der Umweltausschuss eine Öffnung für den Autoverkehr zur Lübecker Straße hin ablehnt, befürwortet der Bauausschuss diese. Gegen eine Öffnung spricht, dass damit möglicherweise mehr Verkehr auf den Platz geholt wird. Dafür spricht, dass auf diese Weise Verkehr aus dem angrenzenden Wohngebiet.

Außerdem wünschen die in den beiden Gremien vertretenen Stadträte, dass mit Hecken der Blick auf die Parkflächen auf der Ostseite des Platzes abgeschirmt wird. Ebenso wie im Falle der vom Grünenstadtrat und Umweltausschussvorsitzenden Timo Gedlich vorgeschlagenen und per Ausschussbeschluss unterstützten Pflanzung von Hecken als Rückraum für Bänke sieht die Verwaltung hier einen Konfliktpunkt: Wohlgestutzte Hecken passen vielleicht zu einer barocken Umgebung, nicht aber zu einem Bau aus der Epoche des Klassizismus. Wenn man dem Denkmalschutz entsprechen wolle, müsse man die Sträucher frei wachsen lassen. Und eine freie Hecke benötige viel Platz, gab Heide Grosche, Leiterin des Stadtplanungsamts, zu bedenken. Im Bauausschuss angeregt wurde im Zusammenhang mit den Bänken auch, diese so anzuordnen, dass die Menschen miteinander kommunizieren können – dass Bänke also auch gegenüber angeordnet werden.

Bedenken hat sie auch bei einem weiteren Wunsch aus dem Bauausschuss: CDU-Stadtrat Reinhardt Stern hatte auf den Hinweis von Imkern die Bepflanzung mit schlanken Säuleneichen in einer Doppelreihe rund um den Platz hinterfragt. Statt der Eichen – und dafür gab es eine Ausschussmehrheit – sollten Linden gepflanzt werden.

Linden gegen Eichen

Kein Gehör fand an dieser Stelle der Hinweis der Amtschefin, dass Linden in ihrer Wuchsform ungeeignet seien, da sie zum Teil dicht an Hauswänden stehen werden. Zudem seien die Eichen mit Blick auf die heißer und trockener werdenden Sommer besser geeignet, so die Einschätzung aus der Verwaltung. Und auch der Hinweis von CDU-Rat Frank Schuster, dass der klebrige Boden unter Linden auch für Fußgänger unangenehm sei, vermochte nicht, die Mehrheit umzustimmen.

Erhalten werden sollen die Linden und weiteren Bäume, die sich auf den Rasenflächen zur Lübecker Straße hin befinden. Hier sollen abgängige Bäume auch nachgepflanzt werden. Für einen Erhalt weiterer Bäume sieht die Verwaltung keine Chance: „Die Bäume können sich in diesem Bereich wegen der Bunkerräume unter dem Platz nur unzureichend entwickeln“, berichtete Baudezernent Dieter Scheidemann. Der Austausch einzelner Bäume bei Bedarf und eine notwendige Bodenverbesserung würden dazu führen, dass immer wieder schwere Baufahrzeuge anrücken müssten und dass zudem die benachbarten Bäume immer wieder in Mitleidenschaft gezogen würden.

Neben dem Grün soll der Platz gepflastert und barrierefrei für Veranstaltungen und für einen qualifizierten Wochenmarkt genutzt werden. Ein Wasserspiel soll zwischen Kirche und Lübecker Straße entstehen.

Versehen mit den Änderungswünschen unterstützen der Umwelt- und der Bauausschuss den Vorschlag zum Nicolaiplatz. Der Finanzausschuss berät am Donnerstag, am gleichen Tag soll der Stadtrat die Entscheidung fällen.