Die Parteischule

Ursprünglich Ende der 1930er Jahre als städtische Schule erbaut, wurde der Gebäudekomplex an der Klosterwuhne 39 ab 1955 zur Bezirksparteischule „Hermann Matern“. Bis zur Wende wurden dort politische Führungskräfte der SED ausgebildet. Danach waren dort u. a. Teile des Theaters und der Stadthallengesellschaft untergebracht. Seit dem Verkauf durch die Stadt stehen die Gebäude leer. Es hat durchaus Bedeutung für die jüngere Stadtgeschichte: Die erste frei gewählte Stadtverordnetenversammlung (der heutige Stadtrat) traf sich im Mai 1990 erstmals in einem der Säle.(ha)

Magdeburg l Vor wenigen Tagen erst berichtete die Volksstimme über den Stillstand an der Klosterwuhne 39. Das Areal der ehemaligen SED-Bezirksparteischule liegt seit Jahren brach, seitdem es von der Stadt an einen Privateigentümer verkauft worden war. Eine Veränderung war anscheinend nicht in Sicht. Doch am Tag nach der Veröffentlichung meldete sich Rathaussprecherin Kerstin Kinszorra mit positiven Nachrichten: „Im Stadtplanungsamt hat sich Neues ergeben.“

Denn nachdem die Mittel seit mehreren Jahren beantragt worden waren, stehen nun tatsächlich Fördergelder aus dem Programm „Stadtumbau Ost“ zur Verfügung. „Für das Objekt wurde eine Bewilligung als Ordnungsmaßnahme ausgesprochen“, sagt Kerstin Kinszorra. Gemeint ist damit die komplette Beräumung des Geländes von allen ober- und unterirdischen Anlagen.

Bestätigung durch Land steht aus

Noch muss das Landesverwaltungsamt die Verteilung der Fördermittel in der Stadt bestätigen. Danach kann der Bewilligungsbescheid dem Eigentümer ausgestellt werden. Darüber wurde er bereits bei einer ersten Beratung im Stadtplanungsamt informiert, teilt die Stadtsprecherin weiter mit. „Erst mit unterzeichnetem Rechtsmittelverzicht zeigt der Eigentümer schriftlich an, dass er die Bewilligung annimmt bzw. wird der Bescheid dadurch rechtskräftig“, erklärt sie den weiteren Ablauf.

Über mögliche Pläne für eine Neubebauung nach dem Abriss habe sich der Eigentümer noch nicht geäußert. Fakt ist aber: Die Gelder für den Abbruch können nur in diesem und im kommenden Jahr abgerufen werden. Beantragt wurden Gesamtkosten von gut 824.000 Euro, die Hälfte soll der Eigentümer zahlen, die Stadt muss 137.000 dazugeben.

Abriss auch am Talente

Auch für das ehemalige „Haus der Talente“ an der Erich-Weinert-Straße stehen nun Fördermittel für den Abriss für das Jahr 2020 zur Verfügung. Hier werden lediglich 96.000 Euro veranschlagt, um alle vorhandenen Anlagen samt Anschlüssen zurückzubauen, als „Vorbereitung einer neuen baulichen Entwicklung“, wie es im Maßnahmeplan heißt. Gegen den Abriss des Kulturhauses hatte es in der Vergangenheit Proteste gegeben.

„Wir gehen zunächst davon aus, dass der Grundstückseigentümer beide Maßnahmen innerhalb des geplanten Realisierungszeitraums umsetzen wird“, gibt sich Kerstin Kinszorra vorsichtig optimistisch. Schließlich hatte sich der Eigentümer bereits beim Kauf der Kaderschmiede verpflichtet, bis zu einem festgelegten Termin in das Areal zu investieren. Diesen ließ er jedoch verstreichen und zahlte lieber eine fünfstellige Strafsumme.

Bis zum Ende des jeweiligen Haushaltsjahres müssen die Fördergelder abgerufen sein. Sollten die Mittel nicht oder nicht in voller Höhe in Anspruch genommen werden, können sie mit Zustimmung des Fördermittelgebers auch anderen Projekten zugutekommen, erläutert Kerstin Kinszorra.

Die Volksstimme bat den Eigentümer, der Magdeburger Immobilienunternehmer Thomas Giebelmann, erneut um eine Stellungnahme zu den Plänen für die Parteischule. Schließlich fließen mit den Fördermitteln öffentliche Gelder in ein privates Projekt. Eine Antwort gab es jedoch nicht.