Magdeburg l Die Teilzeit und der Niedriglohn – in Magdeburg ist beides weiblich: Noch immer sind hier 70 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs in Frauenhand. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum Internationalen Frauentag hingewiesen.

Bei den rund 34.400 Teilzeitstellen in Magdeburg liege der Frauenanteil sogar bei 77 Prozent. Bei den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen haben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 47 Prozent einen Teilzeitjob.

Minijobs als Karrierefalle

Holger Willem, Geschäftsführer der NGG Magdeburg, spricht von einer „Karrierefalle“: Gerade in Hotels, Restaurants und Bäckereien seien Minijobs und Teilzeit-Verträge stark verbreitet. „Die Kellnerin in Vollzeit ist die Ausnahme“, so Willem.

Wer jedoch 20 oder 25 Stunden arbeite, habe es beim beruflichen Aufstieg schwerer. Das gehe aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Danach sind für Teilzeit-Beschäftigte auch Gehaltszuwächse und Beförderungen seltener. „Bei der Bezahlung stehen Frauen allgemein weiterhin deutlich schlechter da als Männer“, kritisiert Willem.

Frauen verdienen in Sachsen-Anhalt mehr

Aber: In Sachsen-Anhalt haben die Frauen bei der Bezahlung die Nase vorn, wie der Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt, Kay Senius, berichtet. Hier verdienen vollbeschäftigte Frauen im Schnitt mehr als die Männer. Im Bundesschnitt liegt der Verdienst der Männer monatlich brutto 14 Prozent über dem der Frauen, in Sachsen-Anhalt mit 2395 Euro 1,8 Prozent unter dem von Frauen (2439 Euro).

Regional gesehen liegen die Bruttomonatsentgelte von vollzeitbeschäftigten Männern in Dessau-Roßlau mit 14 Prozent am deutlichsten unter denen von Frauen, in Magdeburg beträgt das Minus 3,1 Prozent.

Kritik an mangelnder Transparenz

Die Gewerkschaft NGG kritisiert derweil bestehende Lohnunterschiede und mangelnde Transparenz. Das Lohntransparenzgesetz gelte lediglich in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. „Davon hat kaum eine Köchin oder Bäckereifachverkäuferin im Kleinbetrieb etwas“, so Gewerkschafter Willem. Hier müsse die künftige Bundesregierung dringend nachbessern.

Sollte die Politik nicht deutlich mehr gegen die Lohnungerechtigkeit unternehmen, dürfte sich laut NGG auch die Altersarmut für Frauen in Magdeburg verschärfen. Geringere Löhne bei Mini- und Teilzeitjobs sowie kürzere Arbeitszeiten sorgten für magere Renten. „Außerdem tragen Erziehungs- und Pflegezeiten dazu bei, dass nur wenige Rentenpunkte zusammenkommen“, erklärt Holger Willem.