Magdeburg (ag) l Die Schriftstellerin Nele Heyse aus Berlin wird siebte Magdeburger Stadtschreiberin. Das teilte die Stadt Magdeburg am 9. November 2018 mit.

Nele Heyse nimmt am 1. März 2019 ihre Arbeit auf und hat am Freitag im Büro des Kulturbeigeordneten Prof. Dr. Matthias Puhle ihren Vertrag unterschrieben. Eine Jury unter Vorsitz des Kulturbeigeordneten wählte sie unter 38 Bewerbern aus. Neben deutschen Autoren bewarben sich auch Schriftsteller aus Österreich, der Schweiz und der Ukraine um das Stadtschreiber-Stipendium.

Nele Heyse schreibt gegen das Stottern an

Nele Heyse wurde 1954 in Meiningen geboren, wuchs in Weimar auf und ging dort bis zum Abitur zur Schule. Acht Jahre davon absolvierte sie auf der Sprachheilschule, weil sie unter Stottern litt. Da sie sich nur im Spiel und im Schreiben von ihren massiven Sprachhemmungen befreit fühlte, stand für sie schon früh fest, Schauspielerin zu werden und das Schreiben daneben nie aufzugeben. Von 1973 bis 1977 studierte sie an der Berliner Schauspielschule, der späteren "Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch".

So begann sie am Berliner Ensemble, es folgten die Theater in Meiningen und Schwerin. 1984 verließ Nele Heyse mit ihrem Sohn die DDR. Es folgten Festengagements in Basel, Mannheim, Bremen, Leipzig und am Deutschen Theater Berlin. Seit 2001 ist sie gastierend unterwegs, u. a. in München, Zürich, Bozen, Tel Aviv, Weimar und Halle.

Geschichten in einem Satz

In den Freiräumen widmet sie sich dem Schreiben und bemühte sich um erste Veröffentlichungen in Verlagen. So erschien 2013 der erste Roman "Haltewunschtaste" im Mitteldeutschen Verlag, 2016 folgte ebenda der Lyrikband "Zeit ist eine Kugel" (mit einem Vorwort von Christoph Hein) und 2017 "Hunderteinseinsatzgeschichten" (Vorwort H.-E. Wenzel), Geschichten, die jeweils in nur einem Satz erzählt werden. Der Roman "Haltewunschtaste" erschien auch als Hörbuch im Buchfunk Leipzig.

Im Rahmen der Aufgaben einer Stadtschreiberin ist sie bereit, sich auch über das schon angedachte Pensum hinaus lesend und vortragend an Veranstaltungen unterschiedlicher Prägung zu beteiligen. Außerdem ist es ihr Vorhaben, intensiv an ihrem Romanmanuskript "Zerbrechliche Welten" zu arbeiten, aus dem sie schon jetzt abgeschlossene Passagen für Lesungen anbietet. Es gibt hier einen längeren Magdeburg-Bezug.

In Magdeburg weiter schreiben

Anknüpfend an den Erfolg ihrer Geschichten in nur einem Satz, die sich befreundete Künstlerkollegen zum Teil für ihre Programme ausleihen und die sie selber auch gern in Wunschlesungen – auf Zuruf der Zuhörer – präsentiert, würde sie während des Magdeburgaufenthalts ihr Vorhaben "33 DreisatzLiebesgeschichten" zu schreiben, verwirklichen. Auch diese sollen von einem bildenden Künstler illustriert werden.

Hintergrund: Das Magdeburger Stadtschreiber-Stipendium dient vor allem der Unterstützung des eigenen schriftstellerischen Schaffens des Stadtschreibers. Die Landeshauptstadt erwartet darüber hinaus, dass der Stadtschreiber seine Stipendiatenzeit weitgehend in Magdeburg verbringt und mit seinen künstlerischen Mitteln Geschichte und Gegenwart der Stadt reflektiert. Er oder sie sollte sich gern mit dem urbanen Leben und den literarisch-kulturpolitischen sowie künstlerischen Traditionen der Stadt befassen, sich in laufende Prozesse einmischen und diese "Außensicht" in einem literarischen oder literarisch-publizistischen Beitrag öffentlich machen und zur Diskussion stellen, um die Kommunikation in der Stadt weiter zu befördern und anzuregen.

Die Höhe des Stadtschreiber-Stipendiums beträgt monatlich 1200 Euro und wird sieben Monate gezahlt. Eine mietkostenfreie Wohnung stellt die Stadtverwaltung Magdeburg zur Verfügung.