Magdeburg l „Ich habe es nicht glauben wollen, aber es ist wahr: Die Coquistraße ist tatsächlich mit einer Mauer gesperrt“, ruft ein Golf-Fahrer und düst nach einer Chicago-Wende mit quietschenden Reifen davon. Er hat es sichtlich eilig. Etwas entspannter ist Emil Emilov, er steht aber unter Zeitdruck. Der Familienvater habe eines seiner Kinder zur Kita „Sterntaler“ gebracht und sich auf die Sperrung direkt vor der Tür der Johanniter-Kindertagesstätte eingestellt.

Anwohner reagieren mit Kopfschütteln

„Verstehen kann ich sie aber nicht. Denn nun verlängert sich meine Kita-Tour morgens und am Nachmittag um eine halbe Stunde. Und ich stehe nun ebenso im Stau in der Salbker Straße wie all die anderen Fahrer, die die Umleitungsstrecke nutzen – verbrauche Sprit und vergeude Zeit“, so der Familienvater, dessen anderes Kind im Kindergartenalter das Kuschelhaus an der Bernhard-Kellermann-Straße (Stadtteil Leipziger Straße) besucht. Für den Rückweg nach Sudenburg würde er von der Coquistraße eigentlich „über die Warschauer, Raiffeisen- und Wiener Straße nur wenige Minuten benötigen. Aber dort wird ja auch überall gebaut“, sagt er achselzuckend.

Mit einem Kopfschütteln reagieren Anwohner der Seitenstraßen der Porsestraße, wo eine Baustellenampel den Verkehr über die Warschauer Straße regelt. Einer Zehn-Sekunden-Grün-Phase folgt ein fast zweiminütiger Stillstand. Dass dabei mehrfach Nebenstraßen wie der Porse-Privatweg von den wartenden Fahrzeugen zugestellt werden, so dass Fahrzeuge nicht in die Porsestraße in Fahrtrichtung Schönebecker Straße einbiegen können, lässt sichtbar Frust aufkommen.

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Deshalb herrscht in Buckau Verkehrschaos.

Der herrscht auch im Puppentheater. Vor Jahren habe man bei der Planung der Baustelle in der Warschauer Straße, in der ein Teilstück der neuen Straßenbahnstrasse zur Leipziger Straße als Teil des Großprojektes 2. Nord-Süd-Verbindung der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) gebaut werden soll, auf die drohende Überlastung der Porsestraße hingewiesen. Nun bereiten Risse in der Villa p. Sorgen. Außerdem sei der Gehweg auf der Nordseite der Warschauer Straße, über den das Puppentheater erreichbar ist, nicht gut ausgeschildert. Darauf hätten in der Vorwoche mehrere Kindergruppen hingewiesen.

„Wir Bewohner haben es nun sehr schwer, die Straßenbahn zu erreichen und uns versorgen zu können“, meldet sich Helga Heine zu Wort. Die 85-Jährige bemängelt nicht nur fehlende Informationen seitens der Verkehrsbetriebe auch in Straßen abseits des Baufeldes und an Straßenbahnhaltestellen, die im Zuge der Arbeiten in der Schönebecker und Warschauer Straße weggefallen. „Sondern auch, dass zum Erreichen der Einkaufsmöglichkeiten wie die Aldi-Filiale erhebliche Umwege gemacht werden müssen, die vor allem älteren Menschen schwer fallen“, so die Seniorin aus der Bleckenburgstraße. Querungsmöglichkeiten fehlen oder wurden zwischenzeitlich gesperrt, so der Vorwurf.

Baumaterial behindert Parkplätze

Wer genau hinsieht, kann einige Lücken in den meterlangen Absperrungen des Baufeldes in der Schönebecker Straße entdecken, die für ein wildes Überqueren geschaffen wurden. Eine Bedarfsampel für Fußgänger ist in der Schönebecker Straße in Höhe der Abzweigung in den Buckauer Engpass eingerichtet worden. Wer aus dem Wohngebiet in Elbnähe die Schönebecker Straße überqueren möchte, kann dies nur hier oder im Bereich der Benediktinerstraße. „Die Umwege zur Apotheke und zum Supermarkt sind zwar bedauerlich, aber machbar, wenn man aus der Bleckenburgstraße kommt und noch gut zu Fuß ist“, sagen Dieter und Kristina Krogel. Sie wohnen an der Elbstraße und bemängeln, dass das Wohngebiet nordöstlich der Baustelle in der Schönebecker Straße „scheinbar nicht so im Vordergrund steht. Hier kommt es zu gefährlichen Situationen, wenn Fahrzeuge die Benediktiner- und Bleckenburgstraße nutzen, weil die Straßen sehr eng und oft zugeparkt sind“, so der Hinweis.

Ärgerlich seien auch Baumaterialien, die an der Ecke Schönebecker Straße/Bleckenburgstraße auf einer Rampe für Rollstuhlfahrer abgelegt werden sowie ein Behindertenparkplatz, der in der Nebenstraße nicht zu erreichen ist, meldet sich eine Bewohnerin zu Wort, die lieber anonym bleiben möchte. Hier ist auch eine Beims-Bäcker-Filiale zu finden. Die Sperrungen hätten kaum Auswirkungen auf den Betrieb, heißt es von einer Verkäuferin. „Klar, die Autofahrer sind weniger geworden, die uns besuchen. Dafür kommen aber mehr Bauarbeiter“, so die Erklärung.