Magdeburg l „Sind Sie eine Punkerin?“ Diese Frage wurde der Schauspielerin Carmen Steinert von einem technischen Mitarbeiter gestellt, als sie am Magdeburger Schauspielhaus tätig wurde. Eine Mischung aus Überraschung und Freude machte sich über diese Frage in ihr breit. „Ich fand lustig, dass jemand mir das zutraut“, erzählt sie. Denn eigentlich ist Carmen Steinert ganz anders, wirkt im Pressegespräch schüchtern, so dass man sich wundert, dass sie auf der Bühne so aus sich herausgehen kann.

Vielleicht hatte der Mitarbeiter sie einfach in dem Stück „A Clockwork Orange“ gesehen, wo sie als Punk in die Rolle des Schlägertypen Alex schlüpfte und unter der Regie von der kürzlich verstorbenen Cornelia Crombholz und von Christiane Hercher ein eindrückliches Psychogramm dieser Persönlichkeit präsentierte. Es sind jene Chancen, die Carmen Steinert mit ihren 25 Jahren als noch junge Schauspielerin zu schätzen weiß.

Männliche Rollen sind ein Geschenk

Denn während sich eine andere vielleicht gewundert hätte, diese männliche Rolle spielen zu müssen, konnte sie sich darüber freuen. „Ich sehe es mehr als Geschenk, und es ist toll, dass mir so viel zugetraut wird“, sagt sie. Neben Alex spielte sie auch in Antigone die Rolle der Ismene und darf in dieser Spielzeit als Ronja Räubertochter die Titelrolle des diesjährigen Weihnachtsmärchens übernehmen. Über die Chancen und Herausforderungen sagt sie: „Ich versuche es zu packen und dem gerecht zu werden.“

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Ursprünglich kommt Carmen Steinert aus Graz in Österreich. Sie wuchs mit drei Brüdern auf. „Es war schön und ist vielleicht der Grund, warum es für mich nicht schlimm ist, männliche Rollen zu spielen“, sagt sie. Als Älteste unter den Geschwistern sei für sie jedoch wichtig gewesen, dass klar ist, wer das Kommando hat, erzählt sie schmunzelnd, „ich nämlich“.

Zuerst Mathematik studiert

In der Schule war sie gut. Schon im Kindergarten und in der Grundschule spielte sie gern Theater. Vor der Entscheidung über die berufliche Laufbahn habe sie aber zunächst gar nicht daran gedacht, dass sie Schauspielerin werden könnte. Zunächst studierte sie ein Jahr Mathematik, ein teilweise sehr philosophisches Studium, was ihr gefiel. Doch dann kam die Frage auf, was sie mit diesem Studium überhaupt anfangen würde. Schließlich wechselte sie zum Schauspiel und inzwischen hat diese Berufswahl eine Art Selbstlauf bekommen, so dass sie manchmal noch staunt, dass sie bereits im dritten Jahr als Schauspielerin tätig ist.

Wo genau Magdeburg liegt, habe sie nicht gewusst, als sie zum Vorsprechen in die Domstadt eingeladen wurde. Doch inzwischen sei sie hier angekommen, habe in Stadtfeld eine schöne Wohnung und fühle sich in dem Stadtteil wohl. Ein großer Schritt sei es für sie trotzdem gewesen, das erste Mal selbstverantwortlich zu leben. Das Heimweh sei inzwischen abgeklungen, dennoch holt sie sich vor allem im Sommer gern die notwendige Dosis Heimat, von der sie dann die Spielzeit über zehren kann.

Lob fürs Schauspielhaus Magdeburg

Pläne für die Zukunft hat Carmen Steinert noch nicht. Zunächst sei sie erst einmal froh, in Magdeburg zu sein und sich hier ausprobieren zu können. Das Schauspielhaus sei gut. „Und man sollte nicht vergessen, wo man gerade ist“, sagt sie. So eine richtige Traumrolle hat sie daher auch nicht, sondern ist offen für alles. Nur der Mephisto in Goethes Faust würde sie reizen, sagt sie nach kurzem Überlegen. Schon bei einer Puppentheater-Inszenierung zu Schulzeiten habe sie diese Rolle fasziniert.

Die freie Zeit zwischen oder nach den Proben nutzt sie, um rauszukommen oder sich um ganz profane Dinge zu kümmern – essen, schlafen, Haushalt. Und eine gewisse Leichtigkeit erlebt sie mit der Ukulele. Auch einen Ruderkurs hat sie mal absolviert. Als Schauspielerin arbeitet sie aber eben oft, wenn Freizeitangebote stattfinden, so dass es schwierig wird, regelmäßige Termine am Abend wahrzunehmen. Aber das bedauert sie nicht. Es gehört eben zum Job.

Förderpreis für Schauspielerin

Was ihr am Schauspiel gefällt? In Rollen zu schlüpfen und Geschichten zu erzählen und damit die Zuschauer zu unterhalten, zum Nachdenken oder zum Lachen zu bringen. „Ich hoffe, dass ich berühren und ein Gefühl weitergeben kann.“ Offenbar ist ihr das gelungen, denn sie wurde für ihre Leistungen am Magdeburger Schauspielhaus auch schon belohnt. Sie erhielt in der vergangenen Spielzeit den Förderpreis des Fördervereins des Theaters Magdeburg.

In Ronja Räubertochter ist sie noch bis zum 28. Dezember 2019 zu erleben. Für die Vorstellungen gibt es noch Restkarten an der Theaterkasse.