Magdeburg l Wo sind die Amseln geblieben? Der imposante Singvogel hat sich im Vorjahr auch in vielen Gärten in und um Magdeburg überraschend rar gemacht. Der Anblick, wie die stattlichen Vögel auf der Futtersuche unbeschwert über die Wiese hüpfen und vor allem ihr wunderschöner Gesang fehlen vielen Naturfreunden.

Ein Grund für ihr Verschwinden könnte das verhängnisvolle Usutu-Virus sein, dessen Verbreitung laut Nabu 2018 immer größere Ausmaße angenommen hat. Bundesweit gab es Tausende Verdachtsfälle. Etliche davon haben sich in Labortests bestätigt. Das Usutu-Virus befällt hauptsächlich Amseln.

Übertragung auf Menschen möglich

Die Krankheit kann nach Expertenmeinung nur über einen Mückenstich auf Menschen übertragen werden, das bloße Anfassen eines erkrankten Vogels reiche nicht aus. Die Infektion könne mit Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlägen verbunden sein. Bei älteren oder geschwächten Menschen drohe im schlimmsten Fall eine Gehirnentzündung.

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Das für Vögel hingegen tödliche Virus hat sich seit 2011 vom Süden über die westlichen Bundesländer ausgebreitet und erreicht in seinen Ausläufern inzwischen auch Sachsen-Anhalt, wie Nabu-Landesgeschäftsführerin Annette Leipelt berichtet. Die Telefone seien in der Magdeburger Geschäftsstelle heiß gelaufen. 90 Hinweise habe es 2018 von besorgten Bürgern gegeben. Darunter traurige Beobachtungen, die geschildert wurden. „Es ist ein ganz anderes Bild. Die Amseln sitzen aufgeplustert und teilnahmslos im Gras und verenden schließlich“, erzählt Leipelt. Das habe viele erschrocken gemacht. Es könne Jahre dauern, bis sich die Bestände wieder erholt bzw. die Vögel Resistenzen aufgebaut haben, sagt Leipelt.

Zählung soll Aufschluss bringen

Doch wie schlimm ist die Lage wirklich? Die in diesen Tagen laufende bundesweite Zählaktion „Stunde der Wintervögel“ des Nabu kann dazu wichtige Hinweise liefern. Dabei handelt es sich nicht um ein Forschungs-, sondern um eines der größten Mitmachprojekte für Naturfreunde bundesweit. Bis zum morgigen Sonntag läuft die diesjährige Winterzählung.

Über lange Zeiträume ergeben die Zählergebnisse, die dem Nabu gemeldet und auch vom Verband ausgewertet werden, wichtige Informationen zum Vorkommen und zur Entwicklung von Vogelpopulationen in den einzelnen Regionen. „Je mehr Bürger bei der Vogelzählung mitmachen, desto genauer sind die Ergebnisse. Jeder kann mitmachen und wir freuen uns wieder auf viele Teilnehmer“, so Annette Leipelt.

Weniger Amseln und Grünfinken

Bei der letzten Winterzählung Anfang 2018 hatte es mit 136.000 Teilnehmern einen bundesweiten Rekord gegeben. In Magdeburg beteiligten sich 275 Vogelfreunde – ebenfalls Rekord. In diesem Jahr wird es gerade wegen der Rückgänge bei den Amseln und den Grünfinken (hier werden allerdings leichtere Einbußen vermutet) spannend für die Experten des Nabu.

Umso wichtiger sei es, dass sich viele Elbestädter an der 9. bundesweiten Zählung beteiligen, die noch einschließlich morgen läuft. Die Amsel beispielsweise hatte schon Anfang 2018 einen Platz eingebüßt. Die Kohlmeise wurde in Gärten und Grünanlagen häufiger gezählt und rutschte auf den zweiten Platz, während die Amsel 28 Prozent verlor und auf Platz 3 der am häufigsten gezählten Wintervögel landete. Auf Platz 1 blieb unangefochten der Spatz.

So können Sie mitmachen!

Mitmachen bei der Vogelzählung ist ganz leicht. Es gilt, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und dem Nabu zu melden.

Alle, die sich nicht immer ganz sicher sind und die Vogelwelt vor dem Fenster besser kennenlernen wollen, finden auf der Nabu-Seite im Internet eine illustrierte Zählhilfe und einen Meldebogen. Ansonsten reichen Stift, Zettel und eine Stunde Zeit aus, um mitzumachen.

Meldeschluss für die „Stunde der Wintervögel“ 2019 ist der 15. Januar 2019. Telefonische Meldungen sind am heutigen Sonnabend, 5. DJanuar 2019, und am morgigen Sonntag, 6. Januar, auch über Telefon 0800/115 71 15 möglich.

Meldebogen, Zählhilfe und weitere Infos: www.stundederwintervoegel.de