Christopher Street Day

Titel geht an 28-jährigen Transmann aus Magdeburg

Drei Kandidatinnen und Kandidaten standen bei der diesjährigen Wahl „Miss*ter CSD Sachsen-Anhalt“ in Magdeburg zur Auswahl. Die meisten Punkte sammelte Jey Truhe.

Von Martin Rieß 09.08.2021, 00:02
Jey Truhe ist zum Miss*ter CSD Sachsen-Anhalt 2021 gewählt worden.
Jey Truhe ist zum Miss*ter CSD Sachsen-Anhalt 2021 gewählt worden. Foto: Carsten Kammer/CSD

Magdeburg - Die Aktionswochen des Christopher Street Days sollen auch in Magdeburg darauf aufmerksam machen, wie viel in Sachen Gleichberechtigung für Menschen, die nicht nach einer heterosexuellen Normativität leben, noch zu tun ist. Anschläge auch in den vergangenen Tagen zeigen das.

Vor diesem Hintergrund ist auch der Titel „Miss*ter CSD Sachsen-Anhalt“, der am Sonnabend für dieses Jahr vergeben wurde, bei aller Freude und bunten Auftritten eine politische Angelegenheit. In diesem Jahr waren zwei Bewerber und eine Bewerberin angetreten. Den Titel gewonnen hat Jey Truhe. Er ist 28 Jahre alt, stammt aus Magdeburg und ist ein Transmann. Das heißt, dass er als Mädchen geboren wurde und jetzt ein Mann ist. Im CSD-Verein ist er im Vorstand tätig und leitet einen Trans-Treff im Zentrum für sexuelle Gesundheit. Zur Kandidatur bewegt hatten ihn Freunde – gerade auch vor dem Hintergrund seines großen ehrenamtlichen Engagements.

Mehr Vielfalt in der Community

In einer Kurzvorstellung sagte Jey Truhe: „Die Community besteht nicht nur aus schwulen oder lesbischen Menschen, sondern aus so viel mehr Vielfalt. Und ich gehöre dazu – denn ich bin ein Transmann.“ Den Titel wolle er dazu nutzen, um das Thema Transsexualität innerhalb der Gemeinschaft, aber auch nach außen sichtbar zu machen.

Auch wenn seiner Erfahrung nach mancherorts das Verständnis fehle, dass Menschen Trans und Gay seien – erste Stimmen nach dem Titelgewinn hätten ihn ermutigt: Gerade über soziale Netzwerke im Internet habe es viel Zustimmung gegeben. „Und gerade dort möchte ich auch weiter um Verständnis werben“, sagte Jey Truhe.

Zweitplatzierte thematisiert den ländlichen Raum

Wie politisch die Wahl ist, zeigt auch die zweitplatzierte Susanne aus der Altmark. In ihrer Kurzvorstellung hieß es: „Ich will Miss*ter CSD werden, weil es noch viel zu viel Hass und Unverständlichkeit gerade in den Dörfern gegen die LSBTIQ+ Community gibt. Ich möchte damit ein Zeichen setzen, dass es auch in Dörfern wie meinem keine Rolle spielen sollte, wen oder was man liebt.“ Ein Anliegen, das auch Jey Truhe wichtig ist. Er sagt: „Die Veranstaltung war eine gute Gelegenheit, Susanne kennenzulernen und sich zu vernetzen.“

Noch bis Mitte August sind Veranstaltungen geplant. Höhepunkt ist die Demo mit Stadtfest am 14. August 2021. Der Verein CSD Magdeburg informiert auf seiner Homepage über das Programm für die Woche.