Magdeburg l Das Bauhaus ist nur Dessau? Von wegen! Auch Magdeburg hat einiges zu bieten, was das Neue Bauen angeht. Und das können Besucher der Stadt nun entweder im Rahmen einer Stadtrundfahrt oder aber selbst zu Fuß oder mit dem Rad entdecken.

Die Magdeburg Marketing, Kongress und Tourismus Gesellschaft (MMKT) als kommunales Unternehmen hat vier Touren entwickelt, die an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Neuen Bauens in Magdeburg vorbeiführen. Dazu zählt als eine Art Leuchtturm der Moderne natürlich der Albinmüllerturm im Stadtpark mit dem Ensemble der Stadthalle. Aber auch ganze Wohnsiedlungen wie die Beimssiedlung, die Gartenstadt Reform oder die Häuser an der Otto-Richter-Straße zählen dazu.

Magdeburg sollte Metropole werden

Planer, Architekten und Vordenker dieser Siedlungen waren namhafte Leute wie Bruno Taut, Carl Krayl, Carl Miller und Hermann Beims. „Sie wollten Magdeburg zur Metropole machen“, berichtet Stadtführer Harald Weiss, der extra eine Fortbildung zum Thema besucht hat. Und selbst im und am Dom finden sich Zeugnisse dieser Zeit – mit dem Ernst-Barlach-Denkmal und dem neuen Dommuseum Ottonianum.

Magdeburg habe in den 1920er Jahren deutschlandweit, wenn nicht europaweit, für Aufbruch und Moderne gestanden, erzählt der Stadtführer. Schon damals sei zum Beispiel geplant gewesen, eine leistungsfähige Ost-West-Verbindung über die Elbe zu bauen. Anschluss sollte die Friedrich-Ebert-Straße sein. Ziel sei es gewesen, Magdeburg zu einer Stadt mit bis zu 700.000  Einwohnern zu machen. Unter anderem sei auch die Eingemeindung Schönebecks geplant gewesen, berichtet Weiss.

Vier Routen zur Magdeburger Moderne

Das Tourenangebot ist zusammengefasst in einer 30-seitigen Broschüre. 34 Sehenswürdigkeiten werden vorgestellt und erläutert. Im Mittelteil befindet sich eine Karte mit den vier Routen zur Magdeburger Moderne. „Mit dem Heft bekommt Magdeburgs bauliches Erbe die verdiente Aufmerksamkeit“, sagt Prof. Dr. Christian Antz vom Kulturdezernat der Stadt Magdeburg. Die vielen besonderen Bauten ließen sich mit der neuen Routenführung gut erschließen, lautet seine Einschätzung.

Die Route Ost startet mit den baulichen Meilensteinen auf dem Stadthallenareal. Auf der Route West erfährt der Leser alles über die neuen Siedlungskonzepte in Stadtfeld-West und -Ost. Im Süden der Stadt gilt es unter anderem die Otto-Richter-Straße zu entdecken. Bis zum Schiffshebewerk Rothensee verläuft die Nord-Route. Das Heft ist ab sofort kostenfrei in den Tourist-Informationen, Breiter Weg 22 und Domplatz 15, sowie bei allen beteiligten Partnern erhältlich.

Zudem hat die Tourist-Information besondere Angebote zur Magdeburger Moderne parat. Im Heft finden sich auch zahlreiche Hinweise zum kulturellen Programm. Unter anderem ist eine Ausstellung unter dem Motto „Reformstadt der Moderne, Magdeburg in den Zwanzigern“ geplant. Sie soll im März 2019 eröffnet werden.