Magdeburg l Nach einem Stadtratsbeschluss soll die Anschaffung von sogenannten Fahrradboxen für die Magdeburger Innenstadt geprüft werden. Diese sollen Fahrradtouristen die Möglichkeit geben, in einem etwa ein Meter breiten Container die Räder samt Gepäck sicher abzustellen, um ohne zusätzlichen Ballast die Stadt erkunden zu können.

An touristischen Höhepunkten wie dem Dom, dem Dommuseum, dem Marktplatzbereich, der Johanniskirche, dem Kloster Unser Lieben Frauen, dem Petriförder und dem Schiffshebewerk sollen die modernen, elektronisch gesteuerte Fahrradboxen aufgestellt werden. Über den aktuellen Stand der Planungen hat jetzt das Magdeburger Wirtschaftsdezernat informiert.

Denkmalschutz entscheidet mit

In Abstimmung mit der Touristeninformation, dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sowie der Abteilung Stadtgestaltung/Denkmalschutz stehen aktuell vier Standorte in der engeren Auswahl. So könnten in Zukunft zwischen den Pfeilern der Wobau-Welle in der Regierungsstraße, in der Fürstenwallstraße und in der Johannesbergstraße im Bereich des Parkplatzes Fahrradboxen aufgestellt werden.

Hinzukommt die Möglichkeit in einem Ladengeschäft in der Himmelreichstraße Abstellmöglichkeiten zu schaffen. Alle vier Standorte liegen in unmittelbarer Nähe zum Elberadwanderweg und diversen Sehenswürdigkeiten.

Ladengeschäft als Alternative

Das Aufstellen von Fahrradboxen ist in Magdeburg nicht ganz unproblematisch. Der Denkmalschutz hat Bedenken inwieweit die Fahrradboxen Magdeburgs Baudenkmale und Sehenswürdigkeiten beeinträchtigen. Aus Sicht der Abteilung Stadtgestaltung/Denkmalschutz sehen die Boxen neben Denkmalen wie dem Kloster Unser Lieben Frauen oder den Dom nicht schön aus, heißt es aus dem Wirtschaftsdezernat.

Eine Integration von Fahrradboxen in den baulichen Bestand, wie beispielsweise im Bereich der Regierungsstraße oder innerhalb eines Ladensgeschäftes werden seitens des Denkmalschutz hingegen positiv bewertet, da es das Stadtbild nicht beeinträchtigt.

Auch das Wirtschaftsdezernat sieht im Ladengeschäft eine Alternative für Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder inklusive Gepäck. In den Räumlichkeiten könnten sich Touristen umkleiden und das WC benutzen. Weitere touristische Angebote könnten vor Ort integriert werden, so Gastro- und Einkaufstipps oder ein Infosystem zur Orientierung.

100.000 Euro sind geplant

Das Objekt in der Himmelreichstraße sei jedoch aus Sicht des Wirtschaftsdezernates mit über 100 Quadratmetern zu groß und kostenintensiv mit einer Miete von 12.840 Euro pro Jahr.

Die finanziellen Mittel für das Projekt sind auf 100.000 Euro begrenzt. Hiervor könnten die Boxen finanziert werden. Für die Anschaffung einer Box kalkuliert die Stadt 3000 Euro ein. 24 Boxen seien geplant. Der Betrieb (Wartung, Reinigung, Reparatur) soll durch die laufenden Einnahmen finanziert werden.

Das Wirtschaftsdezernat rechnet mit durchschnittlichen Einnahmen von drei Euro pro Tag und pro Box von April bis Oktober aus. Geplant seien Tarife von zwei Euro bis zwei Stunden beziehungsweise fünf Euro für 24 Stunden.

Weitere Abstimmungen sind für das kommende Jahr geplant sowie die Erarbeitung der baulichen Umsetzung.

Wenig Anklang bei Radtouristen

Fahrradboxen haben in Magdeburg keinen einfachen Stand. Zwischendurch fristeten die einfachen Modelle, die mit einem Fahrradschloss gesichert werden können, ein Schattendasein auf dem Hof des Abfallwirtschaftsbetriebs. Allerdings haben sie an ihren bisherigen Standorten, wie beispielsweise am Katzensprung am Alten Markt, nur wenig Anklang bei Touristen gefunden.

ADFC-Vize und Grünenstadtrat Jürgen Canehl wünscht sich vor allem für die Umsetzung, dass die Boxen für potenzielle Nutzer nicht „unsichtbar“ sind und wie die veralteten Boxen zur Lagerung von Gerümpel genutzt sowie regelmäßig vom Ordnungsamt geräumt werden müssen. Das Hauptproblem sieht Jürgen Canehl in der Standortfrage. Hier würden seitens des Denkmalschutzes Steine in den Weg gelegt.

So könnte sich der ADFC-Mann unter anderem die elektronisch gesteuerten Boxen gut auf einem der Parkplätze direkt vor dem Dom vorstellen.