Magdeburg l Langsam rinnt der trockene Sand durch die Hände von Gisela Garlin. Dort, wo sich ihre Hände für das Volksstimme-Foto befinden, durchschneiden sonst bei normaler Lage bei etwa 1,80 Meter Tiefe die Kiele der Segelboote das Wasser der Alten Elbe. An diesem Freitag – und leider auch schon viel länger – herrscht hier verkehrte Welt. Die Segelsportlerin steht statt im Wasser auf dem staubtrockenen Grund ihres Sportreviers, das mehr an Sahara als an ein Seglermekka erinnert. „Praktisch seit meiner Geburt bin ich hier beim Segelsportverein Magdeburg aktiv. Aber so etwas habe ich in all den Jahrzehnten noch nicht erlebt“, schimpft die über 80-Jährige. Trockenheit habe es immer gegeben, aber so etwas noch nicht.

Wer nicht bis April in See stach, habe schlechte Karten gehabt. „Pfingsten ging schon gar nichts mehr“, erinnert sich Gisela Garlin. Wer das noch schaffte, aber aus Zeitgründen nicht gleich losfahren konnte und vorm Niedrigwasser nicht mehr zum Boot kam, den traf es noch schlimmer. Dessen Boot liegt im Elbesand fest, verzurrt mit dem Steg, der ebenfalls auf Grund liegt und schon lange kein Wasser mehr gesehen hat. Und so liegen mehr als in anderen Jahren mitten in der Segel-Hochsaison noch einige der insgesamt 60 Boote der 104 Vereinsmitglieder in der Bootshalle. Wer jetzt noch raus will, muss mit einem Trailer zu Wasserstellen fahren, wo man noch einsetzen kann, so Gisela Garlin.

Ausbaggern gefordert

Das sei gar nicht so einfach, weil man auch aus dem Winterhafen heraus nicht mehr mit Booten unter der Zollbrücke Richtung Stromelbe komme. Was sie besonders ärgert: Im Flussbett der Alten Elbe hat sich der Schwemmsand meterhoch aufgetürmt. „Für die Trockenheit kann niemand etwas. Aber früher wurde hier der Sand ausgebaggert und damit auch die Fahrrinne länger offen gehalten. Aber das gibt es nicht mehr. Das verstehe ich nicht, denn auch für den Hochwasserschutz wäre das ja sehr wichtig“, so die rüstige Seniorin, die selbst aus dem Tiefbau kommt. „Früher wurde der Elbsand von hier sogar in der Innenstadt von Magdeburg verbaut – und die Häuser stehen immer noch. Aber dafür darf man wohl den Sand nicht mehr verwenden.“

Ein Stück Ironie schwingt auch noch mit, denn neben dem trocken liegenden Steg samt Boot wird gerade das Seglerheim eingerüstet. Das war 2013 beim Hochwasser stark beschädigt worden. Nach langer Warte- und Leidenszeit lässt der Eigentümer, die Stadt Magdeburg, das Heim nun sanieren. Dass bis dort oben – mehrere Meter über den fürs Volksstimme-Foto ausgestreckten Händen – mal das Wasser stand, kann man in diesen trockenen Tagen kaum glauben.