Magdeburg l „Wenn Sie den Verantwortlichen suchen, der steht hier“, bekannte sich Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) gleich eingangs der Debatte dazu, im Großen und Ganzen selbst den Hut fürs Dilemma aufzuhaben, wie für alles, was während seiner Amtszeit unter kommunaler Führung passierte und passiert. Folgen ließ das Stadtoberhaupt zunächst dennoch Rechtfertigungen: Klagen gegen den Tunnelbau, die insgesamt 25 Monate Zeitverzug gekostet hätten und exorbitante Baukostenexplosionen, die in den vergangenen Jahren für gleichsam exorbitante Kostensteigerungen an allen möglichen städtischen Bauprojekten von Schule bis Stadthalle gesorgt hätten.

Es sei „unfair“ und unredlich, die öffentliche Hand ständig zu diskreditieren, sie sei "zu doof Baumaßnahmen zu planen“ und die 2004 für den Tunnelbau mit 34 Millionen Euro angesetzten Kosten mit den heute anfallenden zu vergleichen. Trotzdem, was der Rat nun zu beschließen habe sei „weder schön, noch angenehm, noch toll“, räumte Trümper ein und auch Fehler der Verwaltung beim Umgang mit der Baustelle von 2015 bis 2017. „Das habe ich erst gemerkt, als sich der erste Bauleiter krankmeldete und danach ein zweiter kündigte“, so Trümper, der den Tunnel in der Folge zur Chefsache machte und ein mehr als ein Dutzend Leute starkes Team zur Begleitung bestellte.

Nun endlich und nach zahllosen Verhandlungen mit dem Generalauftragnehmer Porr steht eine vertragliche Einigung, nach der das Bauwerk bis Ende 2022 für dann 210 Millionen Euro fertiggestellt werden soll. Eine Ratsmehrheit aus CDU, SPD, AfD, FDP/Tierschutzpartei und Gartenpartei/Tierschutzallianz schluckte die bittere Pille in der Hoffnung auf Lösung des Dilemmas und nun einen zügigen Fortgang der Arbeiten.

Kostensteigung um das Siebenfache

Schimpfe erging vom Grünen Jürgen Canehl: „Dass die Baukosten sich versiebenfacht haben, lässt sich so nicht begründen. Das übersteigt sogar den BER und Stuttgart 21!“ René Hempel (Linke) steuerte die Vorahnung von Teilen seiner Fraktion bei, dass es beim jetzigen Kostenplan noch immer nicht bleibe. „Es sind ja noch nicht einmal alle Bauarbeiten beauftragt.“

Die Ratsmehrheit setzt notgedrungen aufs Prinzip Hoffnung und darauf, dass es Ende 2022 durch die 210 Millionen Euro teure Röhre rollt.