Magdeburg l „Uns traf die Entscheidung über den Auszug überraschend. Aus unserer Sicht lief die Filiale sehr gut“, sagt Hans-Jürgen Burmeister zum Entschluss von Aldi Barleben als Betreiber der Filiale in der Leipziger Chaussee 23 in Magdeburg den Standort zu schließen.

Die Filiale im Gewerbeobjekt der Graf Solms Immobilien Gmbh & Projektenwicklung im Stadtteil Leipziger Straße ist vor einer Woche geschlossen worden. Auch wenn ein Aushang im Eingangsbereich seit längerem auf den Auszug verweist, zeigten sich in den vergangenen Tagen Kunden überrascht, dass sie vor einer verschlossenen Tür standen. „Besonders die Bewohner des dicht bewohnten direkten Umfelds müssen sich nun umstellen“, so Burmeister.

Anwohner von Aldi-Rückzug betroffen

Auch Bewohner aus dem Hopfengarten trifft der Rückzug: Einige von ihnen suchten den Nahversorger gezielt auf, seitdem der Supermarkt am Hopfenplatz geschlossen wurde, hieß es von Lesern gegenüber der Volksstimme. Seit nunmehr vier Jahren läuft erfolglos die Suche nach einem Nachmieter aus dem Nahversorgerbereich. Betreiber winkten bislang mit Hinweis auf die geringe Größe der Immobilie ab.

Wie es mit dem Gewerbeobjekt an der Leipziger Chaussee weitergeht, ist offen. Die Betreiber des Friseurladens und Orientgrills erklärten gegenüber der Volksstimme, am Standort verbleiben zu wollen. Sie hoffen, dass schon bald die Markthalle genutzt wird, der für eine gewisse Kundenfrequenz sorgt. „Bislang haben wir noch keinen Nachmieter für den Nahversorger gefunden. Die Suche ist erst angelaufen“, so Bur-meister. Er verweist darauf, dass der Mietvertrag für die Filiale des Discounters noch einige Monate läuft.

Aldi setzt auf neues Konzept

Die Entscheidung, neben dem Standort an der Leipziger Chaussee auch jenen an der Halberstädter Chaussee (Ottersleben) am 9. September sowie an der Salbker Chaussee (Reform) am 23. September zu schließen, geht einher mit der Umsetzung eines neuen Konzeptes für die Aldi-Nord-Filialen. „Wir haben lange Zeit versucht, ein Konzept für die Zukunft und Weiterentwicklung der drei Standorte zu entwickeln. Bei Größen von 600 bis 700 Quadratmeter stoßen wir an unsere Grenzen“, so Hendrik Schaefer, Leiter für Immobilien und Expansion bei Aldi Barleben.

Man habe versucht, die Kapazitätsprobleme u. a. durch Grundstückszukäufe zu lösen, was nicht gelungen ist. Beispielsweise auch durch politische Entscheidungen, „an bestimmten Stellen keinen großen Markt ansiedeln zu wollen.“ Übrigens: Die Mitarbeiter der drei Filialen werden weiterhin im Unternehmen beschäftigt.

Bördepark Magdeburg bietet genug Platz

Im Bördepark hat der Discounter den nötigen Platz für eine moderne Filiale gefunden, heißt es. Sie wird am 28. September 2017 eröffnet und eine Verkaufsfläche von 1200 Quadratmeter umfassen. 20 Mitarbeiter werden hier im Einsatz sein.

Der Discounter nutzt die Fläche, die im Zuge des Umbaus des Areals des ehemaligen Praktiker-Baumarktes im Einkaufscenter an der Salbker Chaussee verfügbar ist. Ein etwa 10.000 Quadratmeter fassender Bereich ist von der Betreibergesellschaft, der Werbegemeinschaft Börde-Park GbR (zählt zum Unternehmensverbund der Edeka Minden-Hannover Stiftung & Co. KG), für ca. 13 Millionen Euro zu einer neuen Ladenstraße umgebaut worden.

Wirtschaftliche Entscheidung

Warum der Edeka-Konzern mit Aldi einen direkten Mitbewerber aus dem Discounterbereich unter seinem Dach integriert, obwohl das Unternehmen mit NP eine eigene Discounterkette betreibt, wollte das Unternehmen nicht beantworten. Dies sei eine unternehmensinterne, wirtschaftliche Entscheidung, hieß es von der Pressestelle auf Nachfrage. Man bitte um Verständnis, „dass wir zu solchen Interna keine Auskünfte geben.“

Ohnehin steckt derzeit viel Bewegung in der Nahversorgerlandschaft im Süden der Stadt Magdeburg. An der Ecke Schönebecker Straße/Sandbreite (Buckau) ist in einer ehemaligen Sket-Werkshalle ein Einkaufszentrum mit einem Edeka- und Norma-Markt geplant. Frühestens 2019 ist die Eröffnung geplant. Dann zieht der Norma-Markt aus Salbke in das neue Center.

Im Stadtteil wird derzeit die Lidl-Filiale an der Straße Alt-Salbke ausgebaut und am 10. Oktober wiedereröffnet. Im Februar gab der Stadtrat Magdeburg grünes Licht für den Ausbau des Rewe-Marktes an der Hopfenbreite (Leipziger Straße). Hier ist ein Ausbau von 1000 auf 1800 Quadratmeter Verkaufsfläche vorgesehen. Dafür wird ein angrenzendes Areal eines Kleingartenvereins genutzt.