Magdeburg l Es ist ein ungewöhnliches Bild, das sich auf der Grünfläche an der Ecke Jakobstraße/ Julius-Bremer-Straße in der Magdeburger Innenstadt bietet: Auf frischer Erde stehen einige Grabkerzen, mehrere Blumensträuße stecken in Plastikvasen, handgeschriebene Briefe liegen daneben. Immer wieder bleiben Spaziergänger stehen und schauen, an welchen Verstorbenen dort erinnert wird.

Die „Gedenkstätte“ gilt allerdings keinem Menschen, der an dieser Stelle womöglich verunglückt ist. Sie wurde für einen Baum eingerichtet, „Robiny“ von den Unbekannten genannt. Was war passiert?

Magdeburg bestellt Baum-Gutachter

Am 11. Oktober 2018 wurde dort eine 60 bis 80 Jahre alte Robinie gefällt. Zuvor hatte ein vom Stadtgartenbetrieb beauftragter Gutachter den Baum mit hohem Aufwand genauestens untersucht. Er war zu dem Schluss gekommen, dass der Baumsenior wahrscheinlich den nächsten schweren Sturm nicht überstehen würde.

Kaum ein Jahr würde er seiner Meinung nach noch durchhalten. Zu schwer seien die Schäden im Inneren und im Wurzelwerk, stellte er fest und empfahl der Stadtverwaltung Magdeburg sofortiges Handeln. Weil laut Expertenurteil aufgrund der mangelnden Standsicherheit Gefahr im Verzug war, wurde die Fällung beschlossen.

"Kunstfanatiker" schuld

Für die Unbekannten, die das Baumgrab geschmückt haben, sind das jedoch nur vorgeschobene Gründe, wie aus den abgelegten Zetteln hervorgeht. „Du konntest Dich nicht gegen diese Kunstfanatiker wehren“, steht dort zum Beispiel. Unterschrieben ist der Brief von einer Heike R., „im Namen von Kindern und Jugendlichen, die keine 13 Stäbe, keine Mauern, keine in Stein gehauenen Personen, keine moderne Kunst“ wollen.

Der Bezug ist klar: Weil die Grünfläche als Standort für das Denkmal für das Magdeburger Recht im Spiel ist, glauben sie, dass der Baum einfach dafür Platz machen musste. Doch die Entscheidung, ob der Entwurf von Bildhauer Carl Bury dort aufgestellt wird, ist noch längst nicht gefallen.

Auf der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses war die Standortfrage zum wiederholten Mal Thema, wie der Vorsitzende Oliver Müller auf Volksstimme-Nachfrage erklärt. „Es gab großes Unverständnis über die andauernde Diskussion darüber“, erklärt er. Laut Stadtverwaltung gibt es seit einem Jahr keinen neuen Stand.

Verein wird eingeladen

„Wir werden deshalb den Verein Denkmal Magdeburger Recht und das Stadtplanungsamt zu unserer nächsten Sitzung einladen, in der Hoffnung, dass dann ein Ergebnis herauskommt“, so Müller.

Die unbekannten Baumfreunde wollen sich nun auf jeden Fall stärker engagieren. „Viel Glück auf der anderen Seite des Regenbogens!“ und „Wir versprechen Dir, wir kämpfen weiter für alle gesunden, alten Bäume unserer Stadt!“, schreiben sie für ihren „Robiny“.