Magdeburg l „Mama, da war schon wieder eine Schabe in der Küche. Das ist so eklig“, sagt Nancy Plastwichs Sohn während des Besuchs des Volksstimme-Reporters. In mehreren Marmeladengläsern hat sie die Fänge der vergangenen Tage aufbewahrt. Seit mehreren Wochen ist das Ungeziefer vor allem in ihrer Küche unterwegs, berichtet sie. Und damit nicht genug: Auch Ratten tummeln sich in ihrem Hauseingang in der Haldensleber Straße in Magdeburg, sagt sie. Bei der Besichtigung des Kellers schaut ein Exemplar auch gleich neugierig den Besuchern zu.

Nancy Plastwich möchte, dass der Eigentümer des Hauses aktiv wird, um der Ratten- und Ungezieferplage Herr zu werden. Als sie ihn darüber informiert und um Abhilfe bittet, wird ihr vom Hausverwalter die Schuld am Schabenbefall gegeben. Für die Ratten seien die Mitbewohner der vier betroffenen Hauseingänge verantwortlich, erklärt er weiter, die ihren Müll nicht in die Container werfen, sondern daneben stellen und damit die Tiere anlocken.

Rechnung nicht bezahlt

„Passiert das noch einmal, gibt es die Kündigung“, droht Reiner Majewski, der ebenfalls dort wohnt. Er wurde vom griechischen Eigentümer des Wohnhauses, Michail Kakouris, als Verwalter eingesetzt.

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Vor zwei Jahren war das Gebäude schon einmal in den Schlagzeilen. Damals wollten die Städtischen Werke Magdeburg (SWM) das Wasser in allen 40 Wohnungen abstellen, weil die Abschlagszahlungen vom Eigentümer nicht beglichen worden waren. Nachdem die Volksstimme berichtet hatte, wurden die Rechnungen doch noch beglichen. 2018 stand eine Abschaltung erneut im Raum, berichtet Nancy Plastwich. Aktuell gebe es diesbezüglich jedoch keine Probleme, sagt eine SWM-Sprecherin.

Gesundheitsamt wird aktiv

Dafür ist jetzt aber das Gesundheitsamt Magdeburg in dem Wohnblock aktiv. Wie Rathaussprecher Michael Reif auf Volksstimme-Anfrage bestätigt, sind die Probleme dort der Verwaltung bekannt. „Unser Bauordnungsamt hat das Objekt seit längerer Zeit unter Kontrolle, unter anderem wegen Brandschutzproblemen“, erklärt er.

Vor wenigen Tagen gab es einen erneuten Ortstermin mit verschiedenen Ämtern. „Dabei konnte sowohl der Rattenbefall als auch ein erheblicher Befall von Küchenschaben in der Wohnung festgestellt werden“, bestätigt der Stadtsprecher. „Wir haben den Hauseigentümer wegen des Rattenbefalls schriftlich aufgefordert, von Fachkräften einer zugelassenen Firma Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen durchführen zu lassen“, erklärt Reif weiter.

Fachfirma muss kommen

Was die Küchenschaben angeht, sei eine Bekämpfung ebenfalls „dringend notwendig“. Da die Schaben von außen eindringen könnten, sei eine Abstimmung mit dem Eigentümer nötig, gegebenenfalls muss er die Bekämpfung beauftragen. „Die Prüfung durch eine Fachfirma ist allein schon deshalb notwendig, weil möglicherweise weitere Wohnungen oder Bereiche des Gebäudes betroffen sein könnten“, so Reif. Das Gesundheitsamt werde die Umsetzung der Maßnahmen kontrollieren, kündigt er an.

Reiner Majewski verweist darauf, dass bereits seit mehreren Jahren 25 Rattenfallen auf dem Grundstück verteilt seien. Schon damals hatte ihn die Stadtverwaltung dazu aufgefordert. „Was sollen wir denn noch tun?“, fragt er.