Brückenbau

Unmut bei Senioren wegen Wegfall der Heumarkt-Haltestelle in Magdeburg

Seit Anfang Juli hält am Heumarkt in Magdeburg keine Straßenbahn mehr. Gerade für Senioren, die auf den ÖPNV angewiesen sind, stellt der Weg zum nächsten Haltepunkt eine echte Strapaze dar.

Von Konstantin Kraft
Ein blauer Sack über dem Halteschild verdeutlciht den Wegfall. Eva Quieß ist sauer, dass keine Ersatzlösung eingerichtet wird.
Ein blauer Sack über dem Halteschild verdeutlciht den Wegfall. Eva Quieß ist sauer, dass keine Ersatzlösung eingerichtet wird. Foto: Konstantin Kraft

Magdeburg - Eva Quieß ist wütend und enttäuscht. Sie wohnt direkt am Heumarkt und ist auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Es geht ihr damit wie vielen anderen Senioren auch, die in einem der Wohnkomplexe im Quartier leben. Das Problem: Seit Anfang Juli hält an der Haltestelle „Heumarkt“ keine Straßenbahn mehr. Grund sind die fortschreitenden Bauarbeiten im Zusammenhang mit dem Ersatzneubau Strombrückenzug, die mit einer Sperrung der Brückstraße im Abschnitt zwischen Bandwirkerstraße und westlicher Einfahrt zum Landesarchiv einhergehen.

Die nächstgelegenen Straßenahn-Haltestellen befinden sich nun „Am Cracauer Tor“ oder am „Zollhaus“. Für die Senioren am Heumarkt bedeutet das jeweils einige Hundert Meter mehr bis zur Bahn.

Ersatzhaltestelle laut MVB nicht umsetzbar

Trotz kaputter Knie ist die 88-jährige Seniorin noch relativ gut zu Fuß unterwegs. Eine Strapaze ist der zusätzliche Weg zur Bahn dennoch, schildert Quieß. Umso mehr für die Senioren in dem Wohngebiet, die mit Rollator oder einer anderen Gehhilfe unterwegs sind. Der Weg vom Heumarkt zum nächsten Haltepunkt kann da zur schier unüberwindbaren Hürde werden. „Es geht nicht, dass man die Leute hier einfach so abwickelt“, schimpft Quieß. „Wir sind sehr enttäuscht“, betont sie auch im Namen von Nachbarn.

Eva Quieß, selbst Besitzerin einer Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr, hat konkrete Lösungsvorschläge. Sie schlägt vor, dass ein Shuttle-Bus eingesetzt werden könnte, der den Heumarkt mit den nächstgelegenen Haltestellen verbindet. Der Bus könnte zum Beispiel an dem kleinen Rondell an der Brückstraße unweit der Ebert-Brücke halten. Oder aber eine kleine Runde über Bandwirkerstraße, Am Charlottentor und Turmschanzenstraße drehen. Mit Blick auf die Nachtbusse, die teils leer durch das Quartier rollten, müsste dies doch möglich sein, meint Quieß. Hilfreich wäre ebenfalls, wenn ein anderer Halt für die Straßenbahn 4 eingerichtet würde, der näher am ausgedienten Heumarkt-Haltepunkt liegt.

Die Volksstimme fragte bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben (MVB) nach. „Eine Ersatzhaltestelle für den Heumarkt kann nicht angeboten werden, da der Kreuzungspunkt Anna-Ebert-Brücke / Turmschanzenstraße / Brückstraße über keine geeigneten Fußgänger-Querungen verfügt“, konstatiert Tim Stein, Pressesprecher der MVB. Fahrgäste würden dann am Fahrbahnrand „stranden“ und hätten „weite Wege zurückzulegen, um die viel befahrene Straße queren zu können“, erklärt er dazu weiter.

Freigabe zum Jahresende

Ein Veto gibt es auch für den angeregten Shuttle-Bus: Ein zusätzlicher Anwohnerverkehr mit Kleinbussen wäre geprüft worden, eine „betrieblich umsetzbare Variante“ konnten jedoch nicht gefunden werden, heißt es von der MVB. „Durch die Straßensperrungen am Heumarkt müsste der Bus durch die engen Straßen des Werders fahren.“ Eine Befahrbarkeit sei nicht gewährleistet.

Der MVB-Sprecher erklärt, dass die Sperrkommission im Zusammenhang mit dem Ersatzneubau Strombrückenzug mehrere Monate über jede einzelne Sperrphase in den nächsten Jahren beraten hätte. „Unsere Verkehrsplaner haben das Gebiet genau untersucht und die für unsere Fahrgäste besten Linienangebote herausgearbeitet“, so Tim Stein. Gleichwohl stellt er heraus: „Allen Beteiligten ist bewusst, dass dies eine große Herausforderung für alle Betroffenen ist, vor allem die Anwohner am Heumarkt.“ Schwacher Trost für die Senioren vor Ort. Bis zum Jahresende müssen sie sich mit der aktuellen Situation abfinden. Dann soll die neue Verkehrsanlage am Heumarkt für den Straßenbahnverkehr geöffnet werden. Bis dahin bleibt der Weg zur Bahn für die Senioren eine Strapaze.