Magdeburg l „Gardemann = keine Prüfungsfragen.“ Ob das allein das Erfolgsrezept für die Beliebtheit von Prof. Dr. Dr. Andreas Gardemann von der Medizinischen Fakultät ist? Wohl kaum. Ehemalige Studenten, die inzwischen als Assistenzärzte am Magdeburger Uniklinikum tätig sind, beschreiben ihn als jemand, der sein Fach mit Herzblut lehrt, stets ein offenes Ohr für die Studierenden und ihre Probleme hat, und dabei immer lösungsorientiert und auf Augenhöhe mit den Studierenden zusammenarbeite. Er selbst sieht sich vielmehr als Tutor, also als Begleiter. Es überrascht nicht, dass er der beliebteste Professor auf dem medizinischen Unicampus ist. Seit der Einführung des Lehrpreises im Jahr 2012 hat er in der Kategorie „Bestes klinisch-theoretisches Fach“ jedes Jahr gewonnen – was niemandem sonst gelang.

Ab dem nächsten Jahr allerdings wird sich das ändern. Denn Ende September wechselt Gardemann nach 17 Jahren an der Medizinischen Fakultät in Magdeburg in den Ruhestand. Der Abschied fällt ihm entsprechend schwer.

Studenten würden Studium mit einer Urkraft me

Immer wieder kommt er auf die „Urkraft“ zu sprechen, mit der Studierende das anspruchsvolle Medizinstudium meistern würden. Er hat höchsten Respekt davor, wie viel Wissen die Studierenden sich aneignen. „Das ist wirklich exzessiv, ohne das kritisch zu meinen“, sagt Gardemann. In seinem Fachbereich, dem „Patientenorientierten Lernen“, fangen die Studierenden an, dieses Wissen zu vernetzen und anhand von Fallbeispielen zu überlegen, woran ein Patient erkrankt sein könnte. „Und dann entwickeln diese wohlerzogenen jungen Menschen eine unglaubliche Kreativität, interdisziplinär zu denken und konstruktiv zu streiten“, schwärmt er. Es sei schön für ihn zu sehen, welches Vertrauen die Studenten ihm entgegenbringen, welche intellektuelle Kraft sie an den Tag legen und mit welcher Begeisterung an ihrem Fach sie arbeiten. „Alle lieben ihr Studium“, ist sein Eindruck. Mehr als 2000  Studenten waren es im Laufe der Jahre, die bei ihm gelernt haben.

Dabei wäre sein Fach beinahe gar nicht mehr unterrichtet worden. Denn ein Jahr, bevor Gardemann die Stelle antrat, fiel das Fach aus der Approbationsverordnung, so dass er zunächst einmal klarmachen musste, welche Vorteile dieses Fach bringt und wie es die Qualität der medizinischen Ausbildung verbessert. Am Ende hatte er die richtigen Argumente. Das Fach blieb, ebenso wie er selbst.

Ein weiteres seiner Verdienste: Er hat die Studierenden zum Erfolg beim bundesweiten Paul-Ehrlich-Contest geführt. Dabei messen sich studentische Teams in medizinischem Können. Die Magdeburger haben 2017 den 2.  Platz geholt und waren 2016 im Finale. Gardemann hat sie darauf vorbereitet. Was er anderen Professoren empfiehlt ist, sich noch mehr bewusst zu machen, dass Studierende und Dozenten das gleiche Ziel haben: gute Ärztinnen und Ärzte. Gerade ab dem vierten, fünften Studienjahr sollte eine entspannte Lernatmosphäre herrschen, um Fälle zu besprechen und zu lösen.

Mit der Begeisterung für Astronomie fing alle

Wie Andreas Gardemann überhaupt Professor wurde? „Die Naturwissenschaften haben mich unglaublich fasziniert“, erzählt er. Mit Astronomie und Weltraumforschung fing alles an und entwickelte sich hin zur Humanmedizin. Er studierte zunächst Biologie und Biochemie, anschließend Medizin, arbeitete parallel bereits als Wissenschaftlicher Mitarbeiter. All das an der Universität in Göttingen. Sein dortiger Mentor war es, der immer wieder die Frage stellte, was eine didaktisch gute Vorlesung sei. „Er hat mich auf den Weg gebracht“, sagt Gardemann.

Was ihm im Ruhestand wohl am meisten fehlen werde, sei das universitäre Umfeld, das er sich immer gewünscht habe. So ganz wird er es denn auch noch nicht verlassen. Zwar will er sich mehr der Fotografie widmen, und auch seine vier Kinder, zu denen er eine sehr innige Beziehung habe, werden mehr im Fokus stehen. Doch das allein werde ihn nicht ausfüllen. Deshalb wolle er am Institut für Berufspädagogik ausländischen Ärzten in Deutschland helfen, die Zulassung zu bekommen. Dazu startet ein Pilotprojekt, das er mitbetreuen will. „Und so kann ich das, was ich gelernt habe, vielleicht auf andere Weise wiedergeben“, sagt er. Ein richtiger Super-Prof eben.